Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Drii

Drii ‘drei’ ist als Kardinalzahl schwdt. drii, drei u. ä. und wdt. drii ‘drei’ (ID. 14, 3 ff.; GRICHTING 1998, 60) belegt. In FlN sind das Stellen, wo etwas in der Dreizahl vorhanden ist (LUNB 1, 1, 208). Die Ordinalzahl erscheint zunächst in der Konstruktion ze (de) drii X ‘bei den drei X’, in schriftlichen Quellen wird manchmal auch drei geschrieben. Belegt sind als Grundwörter Aliichji, Arbe – Arva, Bleicka, Böüm, Chriz, Fura, Gadu, Gartu, Hooru, Lerch, Maa (Steinmann), Mad, Sarbach, See, Schiir, Schluocht, Schnitta, Stadel, Stafel, Stei und Tiri. Komplexer ist di Drii Heitbobma ‘die drei Heideböden’ (auf LT nur Heitbobme) (Saas-Almagell) und das Drei=Männli=Bord ‘das Bord (Abhang, Böschung) mit drei Steinmännern’ (1596, Ulrichen), den es auch als Drimännelibord ‘das Bord (Abhang, Böschung), wo sich drei Steinmänner befanden’ und in Drimännelibode ‘der Boden oberhalb des Drimännelibord (Bord, wo drei Steinmänner standen)’ (Obergesteln) gibt.

Von den Komposita mit drii als Bestimmungswort ist vor allem Driispitz ‘Dreispitz’ häufig. Es ist zu wdt. Driischpizz ‘Hutform, Gestell (Auflage des Mistkorbes)’ (ID. 10, 696 f.; GRICHTING 1998, 60) zu stellen und bezeichnet nach URNB (3, 263) in FlN primär eine ‘dreieckige Fläche’. Es ist rund zehn Mal belegt und meint eine dreieckige Wiese, ein dreieckiges Stück Land oder ein dreieckige Mauer zur Lawinenwehr. Erweiterungen dazu finden sich in der Driispitzwald ‘der Wald, der einem Dreispitz gleicht (dreieckiges Stück Wald) (Eischoll, Eyholz), der Drispitzfärich ‘der Pferch mit dem Dreispitz (dreieckige Mauer gegen Lawinen)’ (Visperterminen) und ts Driispitzwang ‘der Grasabhang in der Form eines Dreispitzes (dreieckiges Stück Land)’ (R. GRICHTING (1993, Blatt 16 Nr. 11) hat Drieschpitzwang), das neutrale Genus ist wohl als Kollektiv zu verstehen.

Im Gebiet des Grossen Aletschgletschers ist der Typ Driiegg (hdt. Dreieck) vertreten in Erstes, Zweites, Drittes und Viertes Dreieck, Kleines Dreieckhorn, Driieggheerner, t Driieggspitza (alle Fieschertal), ts Chlii Driiegghoru, ts Gross Driiegghoru (beide Betten und Ried-Mörel). Es handelt sich in allen Fällen um Felsformationen, die wie Dreiecke aussehen.

Eine Verbindung mit Zeene ‘Zehnden’ findet sich in ts Drizeenuhoru ‘das Horn, wo drei Zehnden zusammentreffen’ (Embd, Ergisch, Unterbäch). Ähnlich ist Driländerstei ‘der Dreiländerstein’ (Eggerberg), wo drei Gemeinden zusammentreffen (Eggerberg, Baltschieder und Lalden), und bim Drimarchstei ‘beim Marchstein (Grenzstein) von drei Gemeinden (Bürchen, Törbel, Zeneggen)’ (Zeneggen) zu verstehen.

In Glis gibt es neben ts Drilärchu ‘bei den drei Lärchen’ auch di Drilärcherriischa ‘die Riische (Schuttkegel) beim Gebiet zu den drei Lärchen’.

Eine Verbindung mit Hundert ist in di Driihundertchleetrigu ‘die dreihundert Klafter grossen Lose im Talgrund’ (Leuk) mit einem substantivierten Adjektiv Chleetrig belegt.

Triangel, ein Lehnwort aus dem Lateinischen (KLUGE / SEEBOLD 252011, 929), kommt in Saas-Grund als Name für eine dreieckige Mauer gegen Lawinen und komplexer in Dreiangel Aker ‘der dreieckige Acker’ (1854, Glis) vor.

Eine Ableitung di Driieri ‘die Wasserleitung für drei Wässerwasser’ (Grächen, St. Niklaus) ist zwar zweimal belegt, es handelt sich aber um die gleiche Wasserleitung.

Die Ordinalzahl dritt- ist bei ID. (14, 1495 f.) belegt, nicht aber bei GRICHTING (1998). Sie kommt vor in biner Dritt Chummelegi ‘bei der dritten Sperre bei der Chumma (Mulde)’ (Reckingen, Legi ist hier eine ‘Zaunsperre’), di Drittu Liggi ‘der dritte Liegeplatz für die Kühe’ (Saas-Almagell), Dritti Mässhitta ‘die dritte (Alp-)Hütte, in der die Milch gemessen wurde’ (Ried-Mörel), di Dritt Lowwinu ‘das dritte Rutschgebiet’ (Visperterminen), Dritte See ‘der dritte See (von vier Alpseen)’ (Zwischbergen), sowie Drittes Dreieck ‘das dritte Dreieck (Felsspitze am Dreieckhorn)’ (Fieschertal).

VSNB, Bd. 2, Sp. 34

Vorkommen

drei

dri

drieri

drii

driieri

driiu

dritt

dritte

drittes

dritti

drittu

tri

triigen