Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Leng

Leng ‘lang’ Adj. ist zu schwdt. lang, ‘räumlich: lang; hochgewachsen; dünn, kraftlos’, mhd. lanc, langes, Nebenform lenge und wdt. leng, läng ‘lang’ (ID. 3, 1321 ff.; GRICHTING 1998, 127) zu stellen. leng bezeichnet in Namen grundsätzlich die räumliche Eigenschaft (Ausdehnung) eines Grundstücks oder einer Geländepartie, selten ist damit der zeitliche Aspekt (Dauer) gemeint, z. B. bei Längu Schnee (Niedergesteln, St. Niklaus), Leng Iisch (Eisten) (vgl. URNB 2, 497). Schriftlich erscheint das Adjektiv auch als lang; lautlich ist zwischen leng und läng zu unterscheiden (vgl. SDS 1, 35 zu eng); generell überwiegt /e/, ausser im mittleren Oberwallis. Das HL kommt in rund 380 Namen vor.

Die meisten Belege enthalten ein flektiertes oder unflektiertes attributives Adjektiv zu nominalen Grundwörtern im Singular oder Plural, die im Folgenden in ihrer HL-Form angegeben sind: Acher, Äbi, Äbnet, Ägerta, Balma, Biel, Biina, Bleicka, Bodu, Bord, Brand, Brigga, Chännel, Cheer, Chumma, Egg(a), Eie, Erb, Erle, Fach, Fad, Fäld, Fall, Fääsch, Flüö, Fura, Gadu, Gartu, Gassa, Gletscher, Grabu, Gufer, Haalta, Hitta, Höu, Hüs, Iisch, Lischa, Luscha, Los, Mad, March, Matta, Mischi, Moos, Müra, Mutt, Ort, Rieba, Rischinu, Riti, Ritz, Sand, Schiir, Schleif, Schluocht, Schlüche, Schnee, Schnitta, Schnüär, Seich, See, Sita, Söüm, Stafel, Stapfa, Stei, Strich, Strick, Stuck, Stüde, Tal, Teiff, Tranner, Treije, Tschugge, Wang, Wasser, Weid, Wild und Zett. Die beiden weitaus häufigsten sind dabei Matta (über 50 Belege) und Acher (über 40 Belege).

Komplexere Konstruktionen enthalten entweder zwei attributive Adjektive wie t Chlei Leng Flüe ‘die kleine lange Fluh’ (Täsch; LT Chli Längflue; FLNK Chlei Lengflüe), Längi Ängschti Chumma ‘die lange engste Chumma (Mulde) / die lange Chumma (Mulde) der Familie Engscher’ (Raron; wenn Ängschti als Adjektiv gesehen wird), in den Vnderen Langen Rieben (1731, Visperterminen), in den Vnderen Langen Achren (1607, Visperterminen), t Unner Leng Matta (Mund) und andere, oder wenn das Grundwort schon selbst ein Kompositum ist, wie in Langen Matten Maúer ‘die Mauer bei der langen Wiese’ (1866, Steg), der [Gen.] Langen Wandflúh ‘die lange Fluh, die wie eine Wand aussieht’ (1834, Varen), t Längi Leerchbletschu ‘die lange Bletschu (Ebene) mit Lärchen’ (Niedergesteln) und andere mehr.

Das Adjektiv tritt auch als Erstglied in Komposita auf: Längegg ‘die lange Ecke’ (FLNK, Birgisch), Langgassen ‘die lange Gasse’ (1816, Oberems), t Längimatta ‘die lange Wiese’ (Turtmann), Längseewji ‘der lange kleine See’ (Oberems; LT Meidsee), Längwald ‘der lange Wald’ (LT, Naters), Lengacher ‘der lange Acker’ (FLNK, Ausserbinn und weitere Gemeinden), ts Lengbord ‘das lange Bord (Abhang, Böschung)’ (Blatten; LT Lengs Bord; FLNK Leng Bord), ts Lengärggi ‘der kleine lange Garten’ (Ried-Brig), zem Lenggufer ‘beim langen (langgestreckten) Steingeröll’ (Kippel), Lenghaute ‘die lange Halde’ (FLNK, Selkingen), ts Lengmaad ‘die lange Mähwiese’ (Ferden), t Lengmatta ‘die lange Wiese’ (Eyholz und weitere Gemeinden), ts Lengtal ‘das lange Tal (auch der Name von Tal und Heiligkeuz)’ (Grengiols) und weitere mehr.

Auch hier gibt es komplexere Konstruktionen wie der Lengacherschleif ‘der (Holz-)Schleif beim Lengacher (langer Acker)’ (Eyholz, Visp), t Lengbachgrüeba ‘die Mineraliengrube am langen Bach’ (Binn), Lengflüebärg ‘der Berg (Alpe) bei der langen Fluh’ (FLNK, Randa), der Lengflüegletscher ‘der Gletscher bei der langen Fluh’ (Täsch; LT Längfluegletscher, SK Langenfluh Gletscher), Lengmooswäg ‘der Weg am Lengmoos (langes sumpfiges Gelände) vorbei’ (FLNK Ried-Mörel; LT Lengmoosweg) und andere mehr. Entgegen den Erwartungen ist aber t Lengeschtrass (Oberwald) nicht eine lange Strasse, sondern die ‘Strasse zur Alpe Lenges’ (cf. HL LÄNGES).

Eine seltene Form stellt der vorangestellte Genitiv in ts Lengi Wangsch Grabem, ts Lengi Wangsch Loib und ts Lengi Wangsch Läger (alle Blatten) dar, wobei Graben, Laub und Läger zur Voralpe Lenge Wang gehören.

Als Simplex erscheinen Formen zu schwdt. Längi f. ‘Länge (räumlich und zeitlich)’ und wdt. Lengi, Längi ‘Länge, Zeitraum’ (ID. 3, 1337; GRICHTING 1998, 127), das eine /-I/-Ableitung zum Adjektiv enthält (SONDEREGGER 1958, 495); im Kontext der Flurnamen ist die räumliche Länge gemeint. Belegt sind ein Plural t Lengine (Filet) ‘die langen Grundstücke’ und zwei Diminutive ts Lengji ‘der kleine lange Wiesenstreifen’ (beide Mund).

Nur einmal belegt ist dr Lengigen Wildi ‘die Wildi der Familie Lengen’ (Simplon), das zum FaN Lengen zu stellen ist; das ebenfalls belegte Lengilla (Varen) (cf. HL LENGGILA) kann auch eine weibliche Form des FaN Lengen darstellen.

Einen eigenartigen Fall stellen Uiflengun (Blatten) und das zweimal in Gampel belegte Üflängä dar. Beide enthalten die ursprüngliche Präposition uif (Lötschental) und üf ‘auf’ und eine Ableitung des HL, vermutlich auf Länga ‘das langgestreckte Grundstück’ (vgl. SONDEREGGER 1958, 511, der diese Fälle als feminine JÔ-Bildungen bezeichnet, wobei germ. ô im ahd. als a erscheint). In Blatten findet sich ein Namennest mit t Uiflenguschiirä ‘die Scheuern im Gebiet Uiflengun (auf dem langgestreckten Stück Land)’ und dr Uiflenguwald ‘der Wald oberhalb der Uiflengun (langgezogenes Stück Land)’; nur historisch ist 1669 beÿ dem Vfflengenhaús ‘beim Haus bei Uiflengun’ belegt.

VSNB, Bd. 3, Sp. 87

Vorkommen

läng

lang

läng

lang

läng

lang

läng

längä

lange

langen

längen

langen

längen

langen

längen

längg

längi

längsch

längu

längun

länng

länngu

legen

leng

lenga

lenge

lengen

lengginen

lengi

lengigen

lengilla

lengine

lengji

lengu

lengun