Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Äbi

Äbi f. ist zu schwdt. Äbi f. als Name zur Bezeichnung von ‘Nutzungsland von einer gewissen Lage, Schattenhang’ (ID. 41 f.; ZINSLI 1984, 556 und 602; LUNB 1, 1, 27) zu stellen. Wahrscheinlich ist der Name durch Weiterbildung des Adverbs āb- ‘hinab’ mit /-I/-Suffix entstanden (zu weiteren Vorschlägen siehe LUNB 1, 1, 27). Wir geben den Namen einfach als ‘Abhang’ wieder. Rund 160 Flurnamen sind mit dem HL gebildet; keiner von ihnen befindet sich jedoch im Bezirk Leuk. Soweit Bemerkungen vorliegen, werden schattige, wenig besonnte Stücke Land so benannt; in einigen Fällen scheint der Name zum Adjektiv äbu, äbä (Goms), äbm (Lötschental) ‘eben (hier: ebenes Stück Land)’ (GRICHTING 1999, 22) gestellt zu werden, was aber nur für das ähnliche HL ÄBNET (ebenes Stück Land) gilt.

Das Simplex im Singular ist lebend als t Äbi (Blitzingen und weitere zwanzig Gemeinden) belegt, Äbi ist in Visperterminen und Eggerberg belegt, sowie in Randa, Saas-Balen und Törbel (je FLNK) und Zermatt (LT). Nur einmal ist ein anderes Genus vertreten: ts Äbi (Visperterminen), wo vermutlich ein Diminutiv angenommen wird. Bei den lebenden Belegen ist in der Äby (Gluringen) selten, aber historisch erscheinen jn der Ebin (1391 u. später, Reckingen) und in der Ebi (1695 u. später, Ausserberg) in verschiedenen Schreibweisen häufig. Selten ist einfaches Ebyn (1307, Stalden und weitere).

Das Simplex im Plural erscheint als t Äbinä (Ferden), Äbine (FLNK, EK, Eggerberg), t Äbini (Staldenried) und in den Ebinun (1542, Mund). Hier könnte die Nähe zum Nomen Äbni ‘Ebene’ (GRICHTING 1999, 19) eine Rolle spielen.

Der Diminutiv im Singular ist als Äbeli (FLNK, Ried-Brig), ts Äbili (Naters, Zwischbergen) und Äbili (FLNK, Randa) belegt. Der Plural fehlt, soweit erkennbar.

Attributive Adjektive zum HL sind ts Chlei Äbeli ‘der kleine Abhang’ (Randa), (durch) die Dicken Ebin ‘(durch) den dicken (=dichten) Abhang’ (1315 u. später, Visperterminen), jn der Jnndren aͤbin ‘im inneren Abhang’ (1607, Baltschieder), t Inner Äbi ‘der innere (taleinwärts liegende) Abhang’ (Randa), im Lengen Ebilli ‘im langen kleinen Gut am Abhang’ (1542, Mund), das Mittel Ebilli ‘das mittlere kleine Gut am Abhang’ (1542, Mund), t Ober Äbi ‘der obere Teil des Abhangs’ (Embd und weitere sechs Gemeinden, teilweise historisch), t Under Äbi ‘der untere Teil des Abhanges’ (Ferden, zwei Belege), Undri Äbi (FLNK u. LT, St. Niklaus), t Unner Äbi (Embd, Staldenried), die Vndren aͤbi ‘der untere Abhang’ (1587, Grächen), in der Aúsren Ebi ‘im äusseren Abhang’ (1820, Eggerberg), t Wiiss Äbi ‘der weisse Abhang’ (Randa), t Wilt Äbi ‘der wilde (unfruchtbare) Abhang’ (Baltschieder, St. Niklaus).

Vorangestellte Genitive finden sich in ts Aadisch Äbi ‘der Abhang der Familie des Aadi (Adrian, Adolf)’ (Eggerberg), Bigsch Äbi ‘der Abhang des Big / der einer Büchse gleicht’ (Mund), ts Bobmisch Äbi ‘der Abhang des Bodmi (Imboden)’ (Randa), ts Niggisch Äbi ‘der Abhang des Niggi (Nikolaus)’ (Visperterminen), ds Saagisch Äbi ‘der Abhang des Sägers (Berufsbezeichnung oder Übername)’ (Eggerberg), tsch Schalisch Äbi ‘der Abhang der Familie Schaller / beim Schali’ (Eggerberg). Eggerberg ist hier mehrfach vertreten; mit dem Genitiv kann auf den Besitzer Bezug genommen werden.

Als Grundwort bildet das HL eine Reihe von zweigliedrigen Komposita: Alberebin ‘der Abhang mit Alber (Pappeln)’ (1551, Zermatt), di Baltschiederäbine ‘die Abhänge, die den Baltschiedern gehören’ (Eggerberg), di Bladäbi ‘der Abhang beim Gebiet Blatten (Felsplatte)’ (St. Niklaus), Blasiäbi ‘der Abhang im Bereich Blaasi (wo es viel windet)’ (FLNK, Täsch), di Bockäbi ‘der Abhang unterhalb der Blockflüe (Fluh, wo Böcke weiden)’ (St. Niklaus), t Chalberäbi ‘der Abhang für die Kälber’ (Zermatt), t Chalchäbini ‘die Abhänge mit Kalk’ (Visperterminen), t Findneräbine ‘die Abhänge, die den Leuten von Finnen (Weiler von Eggerberg) gehören’ (Eggerberg) und andere mehr. Einmal bildet ein Adjektiv das Bestimmungswort: Mieschigäbi ‘der Abhang mit Moos’ (FLNI, St. Niklaus). In zwei Fällen ist unklar, was genau gemeint ist: t Fuggsäbi ‘der Abhang der Familie Fux / wo es Füchse hat’ (Eisten), Fuxebi ‘der Abhang der Familie Fux / wo es Füchse hat’ (1830, Grächen). Komplexere Belege sind etwa t Kiebobmuäbi ‘der Abhang bei den Chiebodme (Kühböden)’ (Randa), t Hobalmuäbi ‘der Abhang beim Gebiet der Hobalmu (des hohen überhängenden Felsen)’ (Randa), t Höuschbieläbi ‘der Abhang beim Ort, wo die Auerhähne ihr Balzspiel aufführen’ (St. Niklaus) und andere.

Als Bestimmungswort tritt das HL, manchmal mit auslautendem /n/, in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern auf: Acher, Bäärg, Bodu, Egg(a), Flüö, Gassa, Haalta, Hee (hooch, heej), Hooru, Licka, Löüb, Matta, Rigg, Rufina, Schluocht, Tola, Tossu, Wäg, Wald und Wasser. Unklar sind der Äb(e)ritz (Blatten, LT Äbriz) mit den dazu gehörenden dr Äb(e)ritzgrad und ts Äb(e) ritzläger, sowie der (e)Reschtinäb(e)ritz (Ferden) und t Chummunäb(e)ritz (Ferden, unklar, wohl Plural). Die Deutung ‘begraster Bergabhang’ löst den Namen in die HLL ÄBI und RITZ auf. Klar ist, dass das inlautende Schwa ein vokalischer r-Vorschlag ist; das Kompositum ist dann als Verbindung von Äb und Ritz zu verstehen. Der erste Bestandteil könnte auch zum Adjektiv äbe ‘eben’ passen, doch gibt GRICHTING (1999, 17) äbm für das Lötschental, sodass das HL ÄBI als näher liegend gelten kann. Unklar ist weiter auch das 1861 in Glis belegte Eblaŭb Graben; hier könnte es sich auch um eine Kurzform zu Eb-heuwlaub ‘Efeu’ (HEDERA HELIX, cf. LAUBER / WAGNER / GYGAX 52014, 950) handeln. Das in Reckingen belegte ts Äbilöb ‘das Laub bei der Äbi (Abhang)’ (LT Äbilöüb) meint dagegen sicher ein Gebiet namens Löb ‘Laub’ bei der Äbi ‘Abhang’. Komplexere Fälle sind etwa ts Ober und ts Unner Bigschäbi Wägilti ‘der obere und der untere kleine Weg zur Bigschäbi (unklar)’ (Mund), wo Bigschäbi sowohl ‘der Abhang des Big’ wie ‘der Abhang, der einer Büchse gleicht’ meinen kann.

Eine Ableitung auf /-ERRI/ für Wasserleitungen ist in t Äbinerri ‘die Wasserleitung, die durch die Äbine führt (LT Laldner Suon)’ (Eggerberg) belegt, die historisch auch für Baltschieder (1549 u. später) bezeugt ist.

VSNB, Bd. 1, Sp. 66

Vorkommen

äb

äbeli

äbi

äbili

äbin

äbinä

äbine

äbinerri

äbini

eb

ebi

ebilli

ebin

ebinen

ebinun

eby