Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Verweise für Hauptlemma

Crista

Hauptlemma

Grechta

Grechta erscheint in unserem Gebiet lebend nur im Bezirk Leuk und dort wohl als Reflex eines frpr. Lexems. Es entspricht lat. CRISTA, CRESTA ‘Kamm, Grat’, in welcher Form es auch in den Urkunden in den Bezirken Brig und Visp erwähnt wird. Neben Grechta und Crista kommen auch Cresta und Cretta vor; einmalig ist Gretta Zat (Varen). GPSR (4, 532b ss.) gibt die Formen an und erwähnt unter 3o die Bedeutung „Arète de montagne, sommet; monticule, renflement, avancée; aussi pente escarpée [Bergkrete, Gipfel, kleiner Berg, Buckel, Vorbau; auch steiler Hang]“. Die bei ZINSLI (1984, 501 Fn. 208) erwähnten Formen dürften wohl eher aus den Umgebungsdialekten des Walserdeutschen übernommen worden sein. Die dt. Übersetzung der lateinischen Formen ist nicht immer klar; meistens trifft wdt. Biel ‘Hügel’ zu.

Von den rund 40 Belegen sind mehrere appellativ. Wir geben zunächst die Formen von crista: als Simplex ist es in Bratsch (1337 u. später) belegt, wohl nur appellativ. Unsicher ist 1474 Cristam Duozge (Varen); ob Duozge überhaupt zum Namen gehört, ist unklar. Der Plural ad Cristas (12?? u. später, Naters) kann ebenfalls appellativ sein. Ganz unsicher ist schliesslich der in Salgesch als en Crestinan (1346), in Cristinam (1353) belegte Name, der später als en Chrichtinam (1579) und schliesslich als jn Critenon (1708) erscheint. MATHIER (2015, 100) belegt in Salgesch ein Grichtinaheechi, das die beiden Lexeme Grechta ‘Kamm, Hügel’ und Heechi ‘Höhe’ verbindet, die im Wesentlichen gleichbedeutend sind; vermutlich handelt es sich bei Cristinam um einen Diminutiv (eine Ableitung aus einem PN Cristina ist möglich, aber eher unwahrscheinlich). Cristyn ist weiter in Leuk als ol cristyn belegt. Das maskuline Genus ist auch bei BOSSARD / CHAVAN (2006, 28) als Crêt zu Crête belegt. Das auslautende /-IN/ muss laut BOSSARD / CHAVAN (2006, 28s.) auf das Suffix /-INU(M)/ zurückzuführen sein; zu deuten ist dann das Ganze als ‘beim kleinen Hügel’.

Crista wird auch mit (meist nachgestellten) Adjektiven verwendet, wie Crista Communi ‘(unter) dem Hügel, der der Gemeinde gehört’ (1494, Varen), ad Cristam Plangnaz ‘beim Hügel mit einer Ebene’ (1580 u. später, Salgesch), das wohl dem lebenden Grechtaplangna entspricht (siehe unten) und das historisch erstmals 1357 belegte ad Cristam Saracenam (Salgesch), das zuletzt 1651 als en la Cretta Serrasina belegt ist, also ‘beim Hügel des Saracenus’ (wobei unklar ist, ob Saracenus ein PN oder ein Verschreiber für Salgesch ist). Häufiger sind aber nachgestellte Genitive, entweder ohne Artikel oder mit. Ohne Artikel findet man: Crista Bertholdi ‘der Hügel des Berchtold (PN oder FaN)’ (13. Jh. u. später, Ergisch), retro Cristam Hartmans ‘hinter dem Hügel des Hartmann (PN oder FaN)’ (1429, Visperterminen), supra Cristam Marie ‘auf dem Hügel der Maria’ (13. Jh. u. später, Ergisch), iuxta Cristam Pastorum ‘beim Hügel der Hirten’ (12?? u. später, Termen), jn Crista Rodulfi ‘auf dem Hügel des Rudolf (PN oder FaN)’ (1337, Leuk). Mit Artikel kommen vor: in Crista de Dorbons ‘auf dem Hügel von Dorbu (Weiler von Albinen)’ (1358, Albinen), Willermus de Crista de Jndes ‘Wilhelm am Bühl von Inden’ (1328, Inden), wobei de Crista dem FaN Ambühl entsprechen kann, in Crista eis Alamanz ‘der Hügel der Deutschen’ (13. Jh., Ergisch; später auch deys Alamanz und 1453 sogar latinisiert in Crista Alamanorum), de Crista de Varona ‘vom Hügel von Varen’ (1241, Varen). Vermutlich verschrieben ist jn Crista don Clov ‘der Hügel beim eingefriedeten Gut’ (1602, Albinen), wo dov Clov erwartet würde. 1484 ist in Varen in Christa dou Svon belegt; wenn nicht ein Verschreiber vorliegt, wird hier Svon ‘Suone, Wasserleitung’ als romanisches Wort betrachtet (vgl. aber HL SUON). Einige Belege weisen den Akkusativ Cristam auf: retro Cristam de Albignon ‘hinter dem Hügel von Albinen’ (1361, Albinen), vltra Cristam de Hoers ‘jenseits des Hügel von Erschmatt’ (1352, Erschmatt), Cristam de Goleta ‘der Hügel von Goleta’ (1794, Salgesch), Cristam de Golleta (1721, Varen) (zu Golleta vgl. TAGMANN 1946, 18 mit der Angabe ‘petit couloir, vallon’), supra Cristam de Vespia ‘über dem Hügel von Visp’ (1351, Visp), ultra Cristam de Hoers ‘jenseits des Hügels von Erschmatt’ (1352, Erschmatt), apud Cristam dol Marchande ‘beim Hügel der Frau Marchand (?)’ (1319, Leuk; eine Bearbeiterin stellt Marchande zum HL MARISSE; diese Deutung ist u. E. unzutreffend). Auch Plurale sind belegt: juxta Cristas dy Milliere ‘bei den Hügeln beim Hirsefeld’ (1563, Leukerbad). Ein unsicherer Beleg ist zwischen 1473 und 1515 in Varen dokumentiert: 1473 Cristam de Nolarses, 1483 Cristam de Monlarses, 1485 Cristam des Nouos Larses, 1509 Cristam campi tassonores (?) und 1515 Cristam de Molarsis. Die Schreibweisen sind unklar, doch das auch sonst belegte Monlarses (1484, Varen) deutet auf ‘Berg mit Lärchen’ hin. Seltsam ist der Beleg in Crista dov ba deys Clananes (1479, Salgesch) – es handelt sich hier wohl um einen Hügel, der unterhalb von Clananes (wohl ein Verschreiber für Chauanes ‘Hütten?) liegt. Eine besondere Präposition findet sich in sub Crista ultra Torrentem (12??, Mund).

Cresta kommt als Simplex im Singular in a la Cresta ‘auf dem Hügel’ (1357, Leukerbad) vor; ob das dem späteren Grächtu (FLNK) entspricht, ist unklar. In Leuk ist 1407 ad lapidem dov Crest ‘beim Felsen zum Hügel’ belegt, ein sonst fehlendes Maskulinum, das bei BOSSARD / CHAVAN (2006, 28) auch lebend erscheint. Sicher Italienisch ist Cresta di Saas ‘die Krete von Saas’ (FLNK u. LT, Saas-Almagell). Ältere frpr. Formen sind Cresta Muscatella (1671, Leuk), la Cresta Plana ‘der ebene Grat / der Hügel mit einer Ebene (siehe Grechtaplangna)’ (1591, Leuk) und en la Cresta Roz ‘beim felsigen Hügel’ (1436 u. später, Leuk) (sofern Roz < roche ‘Felsen’ (FEW 10, 435)). Zu diesem Beleg gehört wohl auch das sonst schwer erklärbare jm Grechterud (1776, Leuk), das 1582 in la Gredtero, 1719 in der Grecht(r)eten, 1723 jn der Grechdito (?), 1738 im Crechtrus und 1742 im Crechterud belegt ist; der seltsame Genuswechsel nach 1738 kann aber auch auf einen andern Namen verweisen. Einem älteren retro Cristam (1333, Albinen; 1508 retro Cristas) steht 1708 das halb-deutsche Hinder die Cresta ‘hinter dem Hügel’ (Albinen) entgegen; vermutlich gehört auch das seit 1600 belegte la Chrechta, Grechtam und sur la Cretta, deutsch auch hin die Creta (1783), alle in Albinen belegt, hieher. Ob es sich immer um den gleichen Ort handelt, ist unklar.

Grechta entsteht aus cresta durch die Entwicklung von /st/ zu /xt/ (MURET 1912, 22 f.; TAGMANN 1946, 12 f.; an beiden Stellen auch die Alternative Cretta(z)). Die Qualität von /e/ kann als /ä/ offen sein. Belegt sind Grechten (1610 u. später, Leuk), das auch als FLNK Grächtu erscheint. zum Grechten (1742, Leukerbad) ist maskulin; am gleichen Ort kommt aber auch Grächtu (FLNK; R. GRICHTING 1993, Blatt 7 Nr. 28, Blatt 10 Nr. 27 und Blatt 11 Nr. 37) vor. In Agarn ist das ab 1338 belegte jn Crista schon 1358 als eys Crestanyos erwähnt, 1545 heisst es eys Crestes und erst 1595 zen Grechten, 1687 zun Crechtun. Mit Adjektiven sind belegt: Obergerächtu und Unndergerächtu ‘der obere und der untere Teil von Grächtu’ (Leuk), sowie zen Undren Crechten ‘beim unteren Teil von Grechten’ (1657, Agarn), wohl die gleiche Flur wie der Beleg in Leuk. Unsicher ist in Salgesch 1579 jn Lagra Crechta ‘auf dem grossen Hügel’, das auch Petra Custodis ‘der Fels des Hüters’ genannt werde; hier kann ein Fels gemeint sein, von dem aus ein Feldhüter die bebauten Weinberge beobachten konnte. Vermutlich ebenfalls zu einem Adjektiv gehört di Planiggrächti ‘der ebene Grat / der Hügel mit einer Ebene’ (Varen), eine Alpe, die auf SK Planigrechten, auf LT Planigrächti und bei FLNK Planiggrächti genannt wird; der erste Teil geht wohl auf eine Substantiv-Bildung zu planne ‘eben’ zurück (TAGMANN 1946, 19).

Als Bestimmungswort kommt Grechta mehrfach vor. Mit R-Vorschlag in di Gerächtuachra ‘die Äcker bei Obergrächten (Hügel), der Gerächtuwald ‘der Wald oberhalb Grächtu (dt. Hügel)’ (Leuk). Dann Grechtaplangna ‘der ebene Hügel’ (Salgesch; MATHIER 2015, 126 als Grechtuplangnä), Grechtaplangnahubil ‘der Hügel im Gebiet Grechtaplangna (Hügel mit einer Ebene)’ (Salgesch; so nicht bei MATHIER 2015), der Grächtschabluhubil ‘der Hügel beim Schleif der Grächta (Grat, Krete)’ (Leuk), der Grächtuwäg ‘der Weg von / zu der Grächtu (dt. Hügel)’ (Leuk).

Vermutlich eine Ableitung liegt in en Grechtenan (1628, Salgesch) vor, das zum früher belegten in Cristinam (1353, Salgesch) gehört, also vermutlich ein Diminutiv.

Cretta ist nach TAGMANN (1946, 12 f.) die am häufigsten belegte Form. In unseren Daten kommt sie historisch in Varen als de la Cretta (1664; 1514 als de dicta crista) vor. de la Cretta (1664, Salgesch) meint die gleiche Flur wie in Varen. Der Beleg von 1721 a Gretta Zat ‘die hügelige Weide’ (Varen) enthält wohl Gretta als feminines Adjektiv und Zat ‘Weide, Alpe’ (TAGMANN 1946, 46). Den gleichen Namen weist Cretta Chat (1640) in Salgesch auf; dieser Name wird auch Muschichat (wohl zu Muschkat ‘Muscat (Pflanze)’ (TAGMANN 1946, 97) zu stellen) bei der Eie der Leute von Salgesch genannt. Vermutlich ist dieser letzte Name identisch mit den Namen ad Christam Mouscatella (1664, Salgesch; 1671 cretta Muscatella) und ad Cristam Muscatelle (1664, Varen; 1721 a la Gretta de Muscatel) (EGLI 1982, 23 für die Rebe und den Wein); die beiden Gemeinden haben hier eine Grenze gemeinsam, die 1671 Bichel ‘Bühl, Hügel’ genannt wird, der sich in Tschudanen (heute Tschüdangna ‘warme Quelle’) befindet. In Varen ist weiter 1680 v Pradelcretta ‘bei der Hügel-Wiese’ (1699 falsch getrennt in prad el cretta) belegt.

Bis auf die Namen mit Grechta – Grächtu sind die Belege primär historisch.

VSNB, Bd. 2, Sp. 358

Vorkommen

crechten

crest

cresta

cretta

crista

cristam

cristas

cristinam

cristyn

gerächtu

ggrächti

gräch

grächtu

grechta

grechten

grechtenan

grechtrud

gretta