Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Stüel

Stüel ist zu schwdt. Stuel m., Dim. Stüeli bzw. -ie-, Stuelti, Stüelti wie nhd. ‘Stuhl’, übertragen auf stuhlähnliche Geräte ‘Gestell, Gerüst; Brückenjoch’, ‘(bankartig) aufgehäufte Menge’, amhd. stuel und wdt. Schtüel, Schtuäl (Lötschtal), Schtüöl ‘Stuhl, Sitzbank, Exkremente’ (ID. 11, 284 ff.; GRICHTING 1998, 185)) zu stellen, in FlN übertragen auf stuhlähnliche Geländeformen.

Als Simplex kommt nur der Plural des Diminutivs Stielltini ‘die kleinen Stühle’ zweimal in Naters vor, auch hier metaphorisch verwendet. Das Grundwort Stüel findet sich in Biichtstuel ‘Beichtstuhl (Felsnische, die an einen Beichtstuhl erinnert)’ (Simplon; JORDAN (2006, 306) hat Biichtschtuäl und Biichtschtuälgalerii für Zwischbergen) (vgl. ID. 11, 3131), Bredigstüol ‘Predigtstuhl, hier Felskanzel (mit Aussicht)’ (Saas-Grund) (vgl. ID. 11, 314), Chäiserstuol ‘Kaiserstuhl, hier Felskanzel mit Aussicht’ (Ried-Brig) (vgl. ID. 11, 306, auch KRISTOL ET AL. 2005, 472), Chleinu und Grossu Dingstüel ‘kleiner und grosser Gerichtsstuhl (Gelände, das aussieht wie ein Gerichtsstuhl’ (vgl. ID. 11, 324). Vorläufig unklar bleiben Gumpen Stuͤle (1351, Törbel; ev. zu Gumpen, wohl zu 2. ‘jede Ansammlung von Wasser’ (ID. 2, 315 f.) und Guntstüol (Stalden; ev zu Gunten II ‘Wasseransammlung’ (ID. 2, 382)), während Mälchstüol ‘Melkstuhl (Gelände, das an einen Melkstuhl erinnert)’ (Naters) (vgl. ID. 11, 311) aus dem bäuerlichen Alltag stammt (vgl. RÜBEL 1950, 61).

Als Bestimmungswort findet sich in den Stuͤlmatten ‘in den Wiesen, die einem Stuhl gleichen’ (1749, Agarn), und das Stiältihoren ‘das Stieltihorn (Horn, das einem kleinen Stuhl gleicht)’ (Wiler), sowie Stielfääscher ‘die Grasbänder, die wie Stühle aussehen’ (Naters).

VSNB, Bd. 4, Sp. 274

Vorkommen

stiälti

stiel

stiellini

stuel

stüel

stul

stull

stüol