Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Esch

Esch m./n. ist zu schwdt. Esch, Ösch, Äsch m./f., Pl. Esch (auch Eschen für m. und f.?): ‘das gemäss Dreifelderwirtschaft aus der Sommer- und Winterzelge bestehende, auch Wiesen umschliessende, eingezäunte, gewöhnlich vom Weidrecht ausgeschlossene Saatfeld einer Dorfgemeinde, Zelge, Flur, meist im Gegensatz zu Brāch und Ägerte’, mhd. ezzisch, ezesch, ahd. ezzisc ‘Saatfeld’ (ID. 1, 569 ff.) zu stellen. Da das Wort nach Aussterben der Sache nur noch in FlN vorkommt, kann es nicht immer eindeutig von Esch n. ‘Eschengehölz’ (ID. 1, 568) oder dem Baumnamen Esche unterschieden werden (TGNB 2, 2, 175). Im Wallis herrschte im Übrigen im Allgemeinen eine Zweifelderwirtschaft (zu Details vgl. MONHEIM 1955). Der FaN Im Esch / Imesch wird in AWWB (129) auf den Weiler Esch in Zeneggen zurückgeführt. Gwp. sieht den Namen im Zusammenhang mit dem Baumnamen („Es hat hier Eschen“); es könnte sich aber auch um Esch ‘Saatfeld’ handeln.

Von den vierzehn belegten Namen mit dem Simplex im Singular Esch sind fünf lebend belegt: Esch (LT, FLNK St. Niklaus), bim Esch (Mühlebach), im Esch (Zeneggen), zum Esch (Stalden, Täsch) – öfters wird der Baumname als Erklärung hinzugezogen; wieweit das jeweils eine Erklärung ad hoc ist, lässt sich nicht feststellen. Historisch erscheinen bei dem Esch (1673, Zwischbergen), bim Esch (1791 u. später, Ernen), im Esch (1477 u. später, Bürchen; 1536 u. später, Embd; 1580, Visperterminen), zum Esch (1520, Binn; 1848 zu den Eschen), und Esch (1463, Lax), daz Esche (1303, Visp; 1668 jn Eschen) – in allen Fällen kann sowohl das Saatfeld, wie der Baumname gemeint sein. Ein gerundeter, wohl nur schriftsprachlicher Beleg ist in den Öschen ‘in den Eschen / in den Saatfeldern’ (1614, Bellwald).

Mit attributiven Adjektiven finden sich ts Ober Esch (St. Niklaus), jm Obren Esch (1684, Eggerberg), im Obren Esch (1669 u. später, Zeneggen), ts Unner Esch (St. Niklaus), das Vnder Esch (1540, Embd) und das seltsame Unneräschi (FLNK, Inden), (lat.: in anteriori) Esch ‘im vorderen Esch’ (1732, Stalden), zum Wiltun Esch ‘zum wilden Saatfeld / Eschengehölz’ (Hohtenn) und (lat.: jn exteriori) Esch ‘im äusseren Esch’ (1732, Stalden). Die Belege zem Grossen Eesch ‘bei der grossen Esche’ (Kippel, Wiler) gehören zum HL ESCHE ‘Esche’.

Ein vorangestellter Genitiv ist in ts Volke Esch ‘das Saatfeld der Familie Volken’ (Grengiols) belegt.

Als Grundwort in zweigliedrigen Komposita ist das HL selten: jm Bundesch ‘im Saatfeld beim Pflanzgarten’ (1527, Grengiols), Als Bestimmungswort erscheint das HL zusammen mit folgenden Grundwörtern: Acher, Bach (Wasser), Blatta, Bodu, Bord, Grabu, Haalta, Löuwina, Matta, Räb-, Rigg, Rüüs, Wäg und Wald.

Vermutlich hieher gehört Deschmatten ‘die Wiese bei den Eschen / beim Saatfeld’ (1782, Hohtenn) mit agglutiniertem Artikel.

Komplexere Formen sind ob der Eschmatten ‘oberhalb der Wiese bei den Eschen / beim Saatfeld’ (1712, Leuk), t Obre Eschachra ‘der obere Teil der Äcker bei den Eschen’ (Ausserbinn), der Unner Eschacher ‘der untere Teil des Ackers bei den Eschen / beim Saatfeld’ (Mühlebach) und drei weitere in Ausserbinn und Binn, (lat.:) in inferiori Essmatten ‘in den unteren Eschmatten (Wiesen bei den Eschen / beim Saatfeld)’ (1540 u. später, Feschel).

Sicher zu Esche ‘die Esche’ sind die Belege apud Esschinon Matton ‘bei den Wiesen bei den Eschen’ (1390, Simplon) und Eschinu Staale (EK, Mund) ‘der steile Abhang mit Eschen’ zu stellen.

VSNB, Bd. 2, Sp. 84

Vorkommen

äsch (Esch)

äschi (Esch)

desch

eesch

esch

eschen

heschen

öschen