Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

Datenbank (Webversion)
Hauptlemma

Anna (PN)

Anna (PN) ist ein weiblicher Personenname. Die Heilige Anna war laut apokryphen Evangelien des 2. bis 6. Jahrhunderts die Mutter Marias, sie erscheint unter anderem ‘als Helferin gegen Heuschreckenplage, indem eine Prozession zu ihr veranstaltet wird, der die schädlichen Insekten folgen müssen, um dann auf einen Gletscher gebannt zu werden’ (ID. 1, 260 f.). Sechs Belege betreffen die heilige Anna (Zant Anna), teilweise mit einer Kapelle, die ihr geweiht ist, oder einem Bildstock. In zwei Fällen ist eine Kapälla ‘Kapelle’ erwähnt: cappella ‘S. S. Anna’ et Jacobi ‘die Kapelle der Heiligen Anna und Jakob’ (1672, Zwischbergen) und St. Annakapälla (FLNK, Raron). Einmal ist wohl im Namen noch eine Erinnerung an einen früheren Bildstock in Zantanne Lammelti ‘die kleine Lamme (Felsabhang) der Heiligen Anna’ (Oberwald) lebendig. Das Simplex ist belegt als Zer aͤnnŭm (1584, Visperterminen), wo auch der Name Ana ‘Grossmutter’ (ID. 1, 247 s. v. Ane) gemeint sein kann. In Naters ist 1601 der Annún belegt, also das Besitztum der Anna. Als Besitzerin oder Nutzerin ist weiter eine Anna in üf Anneacher (Fieschertal) und Annaweidji (FLNK Erschmatt) belegt. Unsicher ist Anunmatta ‘die Wiese der Ahnen (Vorfahren, Grossmutter) / der Anna’ (1305, Lalden; 1306 Annen Matta); der spätere Beleg deutet eher auf eine Besitzerin Anna hin. Unklar ist der Beleg Gravenanne (Grengiols), der als ‘des Grafen Anne’ gedeutet wird, was eher unwahrscheinlich ist; vermutlich liegt eher ein FaN Graven (AWWB 2, 115) vor; der Name gab Anlass zur Sage von der Gräfin Anna (GUNTERN 1963, 91). Auch Anues Matta (1301, Eischoll) ist unklar – der Beleg kann auch als Annes Matta gelesen werden. Der starke Genitiv würde eher den männlichen Namen Anno nahelegen (cf. HL ANNO). Ob der Flurname Aana hieher gehört, ist unklar (cf. HL AANA).

VSNB, Bd. 1, Sp. 116

Vorkommen

anna

anne

annun (Anna)

anues

anun