Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Ahore

Ahore ‘Ahorn’ ist zu schwdt. Ahorn, amhd. ahorn aus lat. ACERNUS ‘Ahorn’ (ID. 1, 161; KLUGE / SEEBOLD 252011, 23 ist unsicher, ob Ahorn ein Erbwort oder ein Fremdwort ist) zu stellen. Zu der Form mit Nasal Anhorn siehe SONDEREGGER (1958, 11). Die Form mit langem /o/ und getilgtem /n/ wird gleich behandelt wie das hdt. Horn, wdt. Hoore / Hooru. Das Genus ist, sofern erkennbar, das Neutrum; es geht also um ein Kollektiv, das als ‘Ahorngehölz’ wiedergegeben wird. Der Ahorn wird auch als Massholter(baum) bezeichnet (cf. HL MASSHOLTER). Beim Diminutiv ts Ahori, ts Ahorili oder ts Ahornli ist nicht klar, ob ein kleiner Ahorn oder ein kleines Ahorngehölz gemeint ist. Öfters ist notiert, dass die Gwp. am Ort mit diesem Namen keine Ahorne mehr kennen; manchmal deuten sie den Namen auch als ‘am Horn’. Zu vermuten ist, dass es am so benannten Ort früher Ahornbäume oder -sträucher gab.

Das Simplex im Singular ist als ts Ahore ‘das Ahorngehölz’ (Ausserbinn und fünf weitere Gemeinden), bim Ahore ‘beim Ahorngehölz’ (Binn), am Ahoren (1482, Visp), im Ahoren (1718, Obergesteln; 1307 u. später, Unterems), an den Ahorn ‘an den Ahorn’ (1733, Ried-Mörel), jm Ahorn (1634, Ausserberg), am Anhoren (1661 u. später, Stalden), imm Ahornä (Ferden), ts Ahorne (Oberems), am Ahorne (1463, Raron), an Ahornen (1530, Leuk) und ts Ahoru (Eisten, Naters, Ried-Brig) belegt.

Der Diminutiv erscheint als ts Ahori (Zwischbergen und drei weitere Gemeinden), das Ahorilli (1542, Mund), ts Ahorli (Visperterminen, zweimal), im Ahorli (1820, Eggerberg), ts Ahorni (Oberwald). Der Plural ist nur einmal belegt als aúff den Anhorlinen ‘auf den kleinen Gebieten mit Ahornen’ (1771, Staldenried).

Mit attributiven Adjektiven in zweigliedrigen Konstruktionen sind belegt: im Ändru Ahorne ‘im jenseitigen Ahorngehölz (Weiler von Oberems)’ (Oberems), ts Ober und ts Unner Ahorne ‘im oberen und im unteren Teil des Ahorngehölzes’ (Oberems), ts Ober Ahoru ‘der obere Teil des Ahorngehölzes’ (Eisten), am Vndren Ahoren ‘am unteren Teil des Ahorngehölzes’ (1619, Eisten), am Obren Anhoren ‘am Oberen Ahorngehölz’ (Ergisch).

Als Bestimmungswort tritt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern auf: Balma, Bach, Bodu, Brunnu, Fad, Lee, Loch, Schluocht, Stafel, Tschugge, Wäg und Wald. Komplexer ist an Ahornern Bachtela ‘an der Wasserrinne im Weiler Ahorn’ (1550, Naters), das wohl einen Genitiv Plural enthält. Das gilt auch für Ahornerro Guͤter ‘die Güter der Leute von Ahorn (Weiler von Naters)’ (1383, Naters) und Ahornerro Len ‘das Lehen der Leute von Ahorn (Weiler von Naters)’ (1383, Naters). Attributive Adjektive enthalten t Chlei Ahoruschlüocht ‘die kleine Geländeeinbuchtung bei Ahorn’ (Glis) und di Gross Ahoruschüocht ‘die grosse Geländeeinbuchtung bei Ahorn’ (Glis).

In einigen wenigen Fällen ist ein Bezug zum FaN Imahorn, Im Ahorn, Im Ahoren (AWWB 128) nicht ausgeschlossen.

VSNB, Bd. 1, Sp. 81

Vorkommen

ahore

ahoren

ahori

ahorilli

ahorli

ahorn

ahornä

ahorne

ahornen

ahorneri

ahornern

ahornerro

ahorni

ahoru

anhoren

anhorlinen

anhorn