Folla
Folla f. ‘Trichter’ ist zu schwdt. Follen f. ‘trichterartiges Gefäss, durch welches die frischgemolkene Milch geseiht wird’ (ID. 1, 786), wdt. Folla, Follä (Goms), Follu ‘Blechtrichter’ (GRICHTING 1998, 80) zu stellen; in FlN übertragen als ‘trichterförmige Vertiefung’ (ZINSLI 1946, 318). Laut EGLI (1982, 292) gehört Folla f. den schweizerdt. Bergmundarten an; seine Etymologie ist nicht geklärt. In der Datenbank normalerweise als ‘trichterförmiges Gebiet’ bezeichnet; die Funktion des Siebes ist eventuell beim Folligrabo (Mund), Foljigrabe (Ulrichen) mitgemeint.
Das Simplex im Singular erscheint als Folla (Fiesch, Ferden), Pfolla (Eyholz, Zwischbergen) mit agglutiniertem Artikel, aber in beiden Fällen nach Präposition als van der Follu ‘vom trichterförmigen Gebiet’, inner Folle ‘im trichterförmigen Gebiet’ (Martisberg, Münster, Selkingen), historisch als in der Follen (1637 Ritzingen; 1850, Biel), zer Follon (1346, Turtmann, 1785 als ob der Follen). Unsicher ist das 1363 in Oberems belegte zer Wollon; es gehört aber am ehesten hieher. Der Plural erscheint nur einmal 1736 auff den Follen (Gampel). Ein Diminutiv im Singular ist Folli n. (Ergisch, Oberems) und historisch 1742 im Folli (Ausserberg), sowie ts Foli (Zermatt) und ts Folji (Blitzingen).
Mit einem attributiven Adjektiv ist 1796 in Ergisch im Finsteren Folli belegt. Ganz unsicher ist ein Beleg von 1448 in Zermatt in superiori Vyolun ‘im oberen trichterförmigen Gebiet’, wo rein lautlich auch ein Zusammenhang mit dem Pflanzennamen Viōla ‘Veilchen’ (ID. 1, 633 f., im Wallis als Vīli) bestehen könnte.
Einmal ist das HL als vorangestellter Genitiv Follins Byfang ‘das eingehegte Stück Land im Bereich Folli’ (1516, Ergisch) bezeugt; vermutlich handelt es sich um einen Genitiv zum Lokalnamen Folli (Ergisch); ein FaN ist kaum gemeint.
Die übrigen Belegen enthalten das HL als Bestimmungswort, in einigen Fällen wohl als ehemaligen schwachen Genitiv (Follen) mit folgenden Grundwörten in zweigliedrigen Komposita: Bach, Bodu, Brigga, Chäschera, Grabu, Hooru, Matta, Steg, Stutz, Tschugge, Wald und Weid. Komplexer ist Follutschuggukapälli ‘die kleine Kapelle auf dem Follutschuggu (Fels in der Form eines Trichters)’ (Oberems). In einigen dieser Fälle kann der Bezug auf das Wort Fole m., f. ‘Zuchthengst, Stute’ (ID. 1, 785 f.) vorhanden sein, etwa bei t Folluweide ‘die Weiden für den Zuchthengst / die Weiden beim trichterförmigen Gebiet’ (Oberems).
VSNB, Bd. 2, Sp. 172
Vorkommen
fol
- Folachra Naters
foli
- Foli Zermatt
foll(a)
- Follen Käschern Betten
folla
folle
follen
- Follen Biel
- Follen Ritzingen
- Follen Gampel
- Follen Turtmann
- Follen Briggen Oberems
- Follen Briggen Turtmann
- Follenbach Oberems
- Follenbach Turtmann
folli
- Finsteren Folli Ergisch
- Folli Oberems
- Folli Ausserberg
- Folli Ergisch
- Folligrabo Mund
- Follistutz Zermatt
follini
- Follini Mund
follins
- Follins Bifang Ergisch
follji
- Follji Blitzingen
- Folljigrabe Ulrichen
follu
- Folluhoru Termen
- Follumattu Hohtenn
- Follutschuggu Oberems
- Follutschuggukapälli Oberems
- Folluwaldji Naters
- Folluweide Oberems
foue
- Fouestutz Blitzingen
fyolun
- Ober Fyolun Zermatt
pfolla
vollen
- Vollenbach Unterems
- Vollensteg Ergisch
- Vollenweid Ergisch
wollon
- Wollon Oberems