Zug
Zug m. ‘der Zug’ (Plural Zig, Diminutiv Zugji, Zigji) ist zu schwdt. Zug m. aus ahd. zug, mhd. zuc, zug m., gebildet zum Verb ahd. ziohan, ziehen, und wdt. Zug ‘Zug, Aushauchen’ mit der Bedeutung ‘Vorgang des Ziehens, gezogene Linie, Landstrich’ (URNB 3, 1064 ff.; LUNB 1, 2, 1207; ZINSLI 1945, 341; GRICHTING 1998, 251) zu stellen. In den rund 130 Flurnamen ist meistens eine Art Hangrinne gemeint, durch die Wasser, Schnee oder Murgänge fliessen; in einigen Fällen bedeutet der Name einen (Holz-)Schleif, oder generell ein Gelände, wo etwas hinauf, hinunter oder auch eben gezogen werden kann.
Das Simplex im Singular ist belegt als der Zug (St. Niklaus; hier Lawinengraben), zum Zug (Täsch; Bereich im Fallzug), sowie historisch im Zug (1737, Staldenried), in dye Zug (1452, Glis; Artikel legt Plural nahe, Nomen nicht).
Der Plural des Simplex kommt vor als ine Zigu ‘in den Zügen’ (Bürchen, Stalden), historisch als dye Zuge (1360 u. später, Visperterminen; 1540 in den Zigen).
Ein Diminutiv des Simplex findet man in Zugi ‘der kleine Zug’ (Saas-Balen), laut Karte eine kleine Hangrinne. Das in Komposita vorkommende Zigji ‘der kleine Zug’ ist als Simplex nicht belegt.
Mit attributiven Adjektiven finden sich: ts Äng Zigji ‘der enge kleine Zug (Graben)’ (St. Niklaus), der Glatt Zug ‘der glatte Zug (glatter, steiler Felszug)’ (Stalden), ts Gufrig Zigji ‘der kleine, mit Steingeröll versehene Zug (Bachlauf)’ (Randa), der Jung Zug ‘der junge (wohl: neu bebaute) Hangstreifen’ (Unterbäch), an den Nassen Zugen ‘der nasse Zug (Hangrinne mit Wasser)’ (1668, Brig), der Breit Zug ‘der breite Geländezug’ (Reckingen), im Breitu Zug ‘im breiten Zug’ (Visperterminen), ts Rot Zigji ‘der kleine rote (Lawinen-)Zug’ (St. Niklaus, zweimal, FLNK Rotzigji), der Rot Zug ‘der rote (Lawinen-)Zug’ (Zermatt, LT Roter Zug), ts Schreejund Zigji ‘der kleine Zug (Bach) mit einem Wasserfall’ (Randa), in den ŭntren Zŭgen ‘im unteren Teil der Züge (Hangrinnen)’ (1832, Geschinen), das Vordrest Ziggi ‘der vorderste kleine Zug (aus der Kellen)’ (1699, St. Niklaus), der Wiiss Zug ‘der weisse Zug (Lawinenzug)’ (Zermatt) und t Wiissu Zig ‘die weissen Züge (Felsbänder)’ (Ried-Mörel).
Vorangestellte Genitive kommen nicht vor; komplexer ist in Martis Erbzug ‘der Zug (Graben) beim Erbe des Martin / der Familie Marti’ (1827, Turtmann).
Als Grundwort kommt das HL sehr häufig vor. Am häufigsten vertreten ist das HL Löuwina in Belegen wie im Lauwen Zug ‘im Lawinenzug’ (1759, Gluringen), der Löübizug ‘der Lawinenzug’ (Ried-Mörel, Saas-Fee), an den Loŭwizug ‘an den Lawinenzug’ (1677, Greich), der Lowwizug ‘der Lawinenzug’ (Hohtenn, Niedergesteln, St. Niklaus), Lowwizig ‘die Lawinenzüge’ (FLNK, Grächen, LT Lowizig), ts Löuwwezugji ‘der kleine Lawinenzug’ (Steinhaus), der Löüwwizug ‘der Lawinenzug’ (Selkingen). Weiterbildungen dieses Typs sind der Harlowenuzug ‘der Schlammlawinenzug / der Zug bei der Harlowena’ (Täsch) und der Heloibizug ‘der hohe Lawinenzug’ (Saas-Almagell), Schutzlowwizigji ‘der kleine Zug mit der schnellen Lawine’ (FLNK, Randa), der Schutzlowwizug ‘der Zug (Bach) der steilen, schnellen Lawine’ (Randa), der Seelowwizug ‘der schöne Lawinenzug (‘See’ ist wohl eine falsche Notation)’ (Grächen, LT Schelowizig; FLNK Scheelowwizug), der Steilowwizug ‘der Zug (Graben) des Steinrutschgebietes’ (St. Niklaus).
Mit adjektivischen Erstgliedern sind folgende Komposita belegt: der Hozug ‘der hohe Zug (Wassergraben)’ (St. Niklaus), der Mittelzug ‘der mittlere Lawinenzug’ (Zermatt), der Ängizug ‘der Zug (Graben) bei der engen Stelle’ (St. Niklaus).
Die häufigsten Bildungen mit dem Grundwort beziehen sich auf andere Fluren: ts Acherzigji ‘der kleine (Lawinen-)Zug bei den Äckern’ (St. Niklaus), ts Enguzigji ‘der kleine Zug (Graben) von der Engi herunter’ (Eisten), der Fallzug ‘der Zug (Schleif) mit einem Felsabfall’ (Täsch), der Fallzug ‘der Zug (Graben) mit Wasserfall’ (St. Niklaus), der Grittelzug ‘der Zug (Graben) hinunter zum Grittelbodu (Boden bei der Geländegabelung)’ (St. Niklaus), ts Bacheluzigji ‘der kleine Lawinenzug oberhalb der Bachela (Wasserrinne)’ (Täsch) und viele andere mehr.
In einigen Fällen sind Pflanzen beteiligt: der Aarbzug ‘der Zug (Graben) mit Arven’ (Zermatt), der Birchuzug ‘die Eintiefung im Gebiet Birche (Birkengehölz)’ (Eisten), ts Hollernuzigji ‘der kleine Zug (Graben) mit vielen Holunderstauden (FLNK Hollerzigji)’ (Randa), ts Holzzigji ‘der kleine Zug (Felsrinne) beim Holz (Wald)’ (St. Niklaus) und andere.
Manche Belege beziehen sich auch auf den Zug selbst: der Greefzug ‘der Greef-Zug (der Zug (Graben), der einem Trag-Reff gleicht)’ (St. Niklaus), ts Straalzigji ‘der kleine Zug, wo Strahlen (Bergkristalle) gefunden wurden’ (St. Niklaus), Wässerzigji ‘der kleine Zug (Felsrinne) zum Wässern’ (St. Niklaus, mit Wasser zum Wässern der Felder).
Einige Belege sind unklar: der Gugerzug ‘der Gugerzug’ (Stalden) – zwar weisen auch andere Namen in Stalden Guger auf, doch scheint das HL so nicht bekannt zu sein. Id. (2, 189) verweist unter Gugger IV auf mehrere Ortsnamen, die sich aber alle nicht im Wallis befinden; eine Deutung wird nicht gegeben.
Komplexere Konstruktionen sind z. B.: ts Geissbalmuzigji ‘der kleine (Lawinen-)Zug bei der Geissbalma (überhängender Fels für Ziegen)’ (Randa), der Glatt Zugwald ‘der Wald beim glatten Zug (glatter Felszug)’ (Stalden), der Holzzigjigletscher ‘der Gletscher beim Holzzigji (kleiner Holzzug, Schleif)’ (St. Niklaus), der Häischalpjizug ‘der Zug (Holzschleif) vom Heischalpji (kleine Alpe des Hans) herunter’ (Visperterminen), ts Chalchofuzigji ‘der kleine Zug (Graben) beim Kalkofen’ (Randa) und andere.
Die Komposita am Abzŭgs Graben ‘der Graben, mit dem das Wasser abgezogen wird (wohl Entwässerungsgraben)’ (1872, Eyholz) und der Üszug ‘der Ort, wo man das Holz herausziehen musste’ (Biel), im Üsszug ‘am Ort, wo man das Holz herausziehen musste’ (Blitzingen), unner em Üsszug ‘unter dem Ort, wo man das Holz herausziehen musste’ (Ritzingen), hinder dem Aúszúg ‘hinter dem Ort, wo man das Holz herausziehen musste’ (1760, Münster) und das komplexere der Üüszugsschleif ‘der Schleif, durch den das Holz herausgezogen werden musste’ (Visp) werden mit den Verbpartikeln ab und üüs gebildet.
Als Bestimmungswort verbindet sich das HL mit folgenden Grundwörtern zu zweigliedrigen Komposita: Gassa, Fad, Matta und Wald. Komplexer ist der Zugmattwald ‘der Wald oberhalb der Zugmatta (Wiese bei der Bahnlinie)’ (St. Niklaus), wo Zug sich auf die Eisenbahn in St. Niklaus bezieht; diese Verwendung des HL ZUG ist sehr selten. Einige komplexere Formen wurden oben aufgeführt.
VSNB, Bd. 4, Sp. 620
Vorkommen
zig
- Lochzig Grächen
- Lowwizig Grächen
- Mäszig Unterbäch
- Meiggerzig Unterbäch
- Wiissu Zig Ried-Mörel
- Ziggässi Randa
ziggi
- Hoflüoziggi Eisten
- Sattilziggi St. Niklaus
- Steiziggi Eisten
- Vordrest Ziggi St. Niklaus
zigji
- Acherzigji St. Niklaus
- Äng Zigji St. Niklaus
- Bacheluzigji Täsch
- Bärgzigji St. Niklaus
- Bielzigji St. Niklaus
- Blagzigji Täsch
- Chalchofuzigji Randa
- Chelchzigji St. Niklaus
- Enguzigji Eisten
- Geissbalmuzigji Randa
- Gufrig Zigji Randa
- Hollernuzigji Randa
- Holzzigji St. Niklaus
- Holzzigjigletscher St. Niklaus
- Mälchflüezigji Randa
- Mettelzigji Täsch
- Nagelzigji St. Niklaus
- Riedzigji St. Niklaus
- Rosswangzigji Randa
- Rot Zigji St. Niklaus
- Rot Zigji St. Niklaus
- Schreejund Zigji Randa
- Schutzlowwizigji Randa
- Stolluzigji Randa
- Straalzigji St. Niklaus
- Teelzigji St. Niklaus
- Wasmuzigji Randa
- Wässerzigji St. Niklaus
zigu
zug
- Aarbzug Zermatt
- Ängizug St. Niklaus
- Auszug Münster
- Baanhofzug Visperterminen
- Bärgjizug Stalden
- Beni Zug Eyholz
- Bielzug Täsch
- Bielzug Eischoll
- Birchuzug Eisten
- Bleessizug Eisten
- Blössizug Grächen
- Breit Zug Reckingen
- Breitu Zug Visperterminen
- Chalchofuzug St. Niklaus
- Chalchuzug St. Niklaus
- Chännulzug St. Niklaus
- Chatzuzug St. Niklaus
- Erbezug Bürchen
- Fallzug Täsch
- Falzug St. Niklaus
- Glatt Zug Stalden
- Glatt Zugwald Stalden
- Greefzug St. Niklaus
- Grittelzug St. Niklaus
- Gugerzug Stalden
- Haaltuzug Saas-Almagell
- Häischalpjizug Visperterminen
- Harlowenuzug Täsch
- Heloibizug Saas-Almagell
- Holzzug Staldenried
- Hozug St. Niklaus
- Jung Zug Unterbäch
- Leerchacherzug Eischoll
- Lichblattunzug Stalden
- Liechtbielzug Stalden
- Löübizug Saas-Fee
- Löübizug Ried-Mörel
- Löuwi Zug Gluringen
- Löuwizug Greich
- Löuwwizug Selkingen
- Lowizug St. Niklaus
- Lowwizug Hohtenn
- Lowwizug Niedergesteln
- Mälizug Staldenried
- Martis Erbzug Turtmann
- Mäslowwizug Staldenried
- Mettelzug Täsch
- Millasszug Stalden
- Mittelbärgzug St. Niklaus
- Mittelzug Zermatt
- Nachtzug Niedergesteln
- Niwschiirzug Stalden
- Reschtizug Stalden
- Rot Zug Zermatt
- Sattelzug St. Niklaus
- Schinndelzug Täsch
- Schmidenwaldzug Stalden
- Schopfzug Täsch
- Schutzlowwizug Randa
- Seelowwizug Grächen
- Sparuzug St. Niklaus
- Spisszug St. Niklaus
- Steigelzug Naters
- Steilowwizug St. Niklaus
- Tennelzug St. Niklaus
- Uifzug Ferden
- Unter Lerchenzug St. Niklaus
- Üszug Blitzingen
- Üszug Ritzingen
- Üszug Biel
- Üüszugschleif Visp
- Wangzug Täsch
- Wiichelzug Täsch
- Wiiss Zug Zermatt
- Wurzuzug Stalden
züg
- Züg Visp
zug
- Zug Staldenried
- Zug Visperterminen
- Zug St. Niklaus
- Zug Täsch
- Zug Matte Ried-Brig
- Zugfett Randa
- Zugflüo Naters
- Zugmatte Visperterminen
- Zugmatte St. Niklaus
- Zugmatte Raron
- Zugmattwald St. Niklaus
- Zugmetteltj Fieschertal
- Zugmettilti Grächen
zugen
- Nassen Zugen Brig
- Unner Zugen Geschinen
zuggji
- Löuwwezuggji Steinhaus
zugi
- Zugi Saas-Balen
zugji
- Mäschlerzugji Leuk
zügji
- Rosszügji Randa
zugs
- Abzugs Grabo Eyholz
zuug
- Uifzuug Kippel
zygin
- Blatten Zygin Embd