Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Statt

Statt f. ‘Stätte, Stelle’ ist zu schwdt. Stat(t), Stād f., Dim. Stettli, Stettji ‘Stätte, Stelle, Platz’ und wdt. Schtatt ‘Stadt’ (ID. 11, 1676 ff.; GRICHTING 1998, 181) zu stellen, wobei GRICHTING nur die jüngere Bedeutung ‘Stadt’ kennt (vgl. KLUGE / SEEBOLD 252011, 874 s. v. Stadt). Das Nomen ist in Ableitungen wie Gadestatt, Hostatt häufig eher Suffixoid als eigenständiges Nomen.

Das Simplex im Singular kommt als t Statt ‘die Alpe Statt (im Saflischtal)’ (Grengiols), t Statt ‘die Stelle, Dorfteil von Raron’ (Raron) und an der Statt ‘an der Stelle’ (1618, Unterbäch). Die letzten beiden sind vermutlich identisch mit am Gstadt (1578, Raron; 1653 auch an der Gstaadt), an der Gstaat (1658 u. später, Ausserberg) und an der Gstatt (1653, Unterbäch). Faktisch ist hier unklar, ob damit das Gestade der Überschwemmung in der Rottenebene gemeint ist, aus dem sich Felsen wie an einem Strand erheben; dagegen spricht das Genus Feminin (vgl. ID. 10, 1327 ff. s. v. Stad m. und ID. 11, 1661 ff. s. v. Stāt), das am ehesten für eine Ableitung aus Statt (ID. 11, 1676 ff.) spricht, wo allerdings die Form mit präfigiertem /GE-/ nur im Aargau belegt ist.

Der häufigste Typ Hofstatt, auch Hofstett ist auch im Artikel Hof behandelt (cf. HL HOF). Wie schon GRICHTING (1998, 108 s. v. Hofschtatt, Hoschtatt) mit der Deutungsangabe ‘Fundament, Fundamentruine, Hofstatt’ zeigt, sind hier meistens Wüstungen gemeint, also Spuren früherer Bebauungen. Hofstatt als ‘Bauerngut’ oder ‘Hauswiese’ sind seltener. Wir gehen hier auf diesen Typ und komplexere Formen davon nicht ein (vgl. auch ID. 11. 1728 ff. s. v. Hofstatt).

Ein zweiter, häufiger Typ ist t Stafelstatt (St. Niklaus, Termen; 1553 Ulrichen), t Stafolstatt (Mund, Naters), Stafulstatt (LT Binn), t Stafustatt (Bellwald, Binn, Gluringen) - gemeint ist jeweils eine Stelle mit / bei einem Stafel (cf. HL STAFEL), also einer Alpstufe. Nicht so häufig ist Gadestatt (LT, FLNK Obergesteln), also das Gut mit einem Gaden (im Goms ein Stall), historisch auch 1480 in Binn und 1552 in Ernen belegt, 1500 in Fieschertal als Gadenstetli ‘die kleine Stelle mit dem Gaden’. ID. (11, 1725 ff.) kennt Gade(n)statt ‘Stelle, worauf ein Stall steht; Wiese mit Stall; Berggut; freistehende Vieh- oder Heustall’ (ID. 11, 1725 ff.).

Der Typ Chääserstatt ‘Stelle, wo Käse gemacht oder gelagert wurde’ ist in Mühlebach ein Alpkeller, der in Ernen seit 1527 als Cheserstat belegt ist. t Kääserstatt (Binn) hat wohl den anlautenden Artikel agglutiniert, während 1529 in Ritzingen Keserstatt belegt ist. Seltsam sind die Umbildungen: Ferden hat Chäschärstatt neben dem seltsamen in der Chähärstatt und dem dazu gehörenden t Ober Chähärstatt, das erste bei der Faldumalp, das zweite und dritte bei der Restialp – es dürfte sich um Umbildungen zu Chäserstatt handeln. Das gilt wohl auch zum sonst unerklärbaren Chäferstatt (FLNK, Ausserberg), das sich oberhalb der Siedlung Leiggern befindet. Zu vermuten ist, dass der Sinn von Chääserstatt nicht mehr verstanden wurde.

In einigen Fällen ist beim Typ Gartstatt ein Garten gemeint; in Visperterminen ist lebendes di Garstatt historisch als Gartstatt (1587) überliefert; dazu kommen historisch Gartstette (1372, Ernen), jn dien Gartstetten (1301, Bürchen), die Gartstette (1300–1330, Münster). Garten ist traditionell ein eingezäuntes Stück Land mit Gemüse und – seltener – Blumen.

Eine Reihe weitere Bildungen ist nur teilweise durchsichtig: Brvchstatt ‘die Stelle mit einem Bruch (Steinbruch?)’ (1346, Visperterminen), t Chollstett ‘die Stätten, wo Kohle gebrannt wurde’ (Wiler), ts Hagstettji ‘die kleine Stette (Hofstatt) mit dem Zaun’ (Naters), Heistette ‘die Heimstätte / die höhe Stätte (Alpe oder Voralpe)’ (Blitzingen) mit dem zugehörigen Heistettwald, t Höütstatt ‘die Stätte für die Rinder / die wichtigste Stätte (?)’ (Blitzingen), Milistatt ‘die Stelle bei der Mühle’ (Zermatt) mit bÿ der Althun Milistatt ‘bei der Stelle bei der alten Mühle’ (1588, Eisten; 1588 Staldenried), zer Saagstatt ‘bei der Stelle, wo das Holz gesägt wurde’ (Ferden), t Schmidstett ‘die Stelle des Schmiedes / der Familie Schmid’ (Niederwald), zer Schmitstatt ‘bei der Stelle des Schmiedes / der Familie Schmid’ (1528, Ernen), zer Walkstat ‘bei der Stelle mit einer Walkmühle’ (1392, Glis), an die Werchstett ‘an die Stelle, wo Werg (Flachs und Hanf) wuchs / wo Werg bearbeitet wurde’ (1508 u. später, Termen).

Neben einigen oben genannten sind auch attributive Adjektive zu finden wie zer Altun Brúckstat ‘bei der alten Brückenstelle’ (1438, Visp), t Ober Gadestadt ‘die obere Stelle mit einem Gaden’ (Obergesteln), t Ober und t Unner Mäuchstatt ‘der obere und der untere Teil der ertragreichen Stelle / des Ortes, wo gemolken wurde’ (Binn), t Ober und t Unner Staferstatt ‘der obere und der untere Teil der Stelle beim Stafel (LT Stafulstatt)’ (Binn).

Zwei Bildungen sind schwierig zu erklären: di Bigstatt (Ausserberg) und dazu der Bigstattschleif ‘der Schleif zur Bigstatt hinunter’ (Ausserberg), sowie di Gaaristett (Ferden). Bigstatt scheint eine Reanalyse von bi Gstatt ‘bei der Statt’ zu sein; es handelt sich um einen Dorfteil von Ausserberg beim Trogdorf, dem Hauptteil des Dorfes. Der Weg von bi Gstatt zu di Bigstatt ist jedoch unklar und nicht belegt. Noch unsicherer ist Gaaristett. Die Beschreibung sagt, es handle sich um eine Aufforstung, früher sei hier ein ‘Rinderchrumm’ gewesen. Gaari ist nicht belegt. Am nächsten kommt ihm laut ID. (2, 404 s. v. Gërrisch) der Name für die Pflanze ‘Meisterwurz’ (PEUCEDANUM OSTRUTHIUM), die laut ID. im bernischen Saanen Gār hiess; allerdings findet sich für die Oberwalliser Pflanzennamen kein entsprechender Hinweis. Gemeint wäre dann eine Stelle mit viel Meisterwurz (vgl. LAUBER / WAGNER / GYGAX (52104, 986) s. v. PEUCEDANUM OSTRUTHIUM, dt. Meisterwurz).

Als Bestimmungswort ist das HL nur in der Statgarte ‘der Garten in der Statt’ (Obergesteln) belegt. Gemeint ist wohl ein Garten im Bereich Statt von Obergesteln (historisch ist die Hofstatt der Podmer ‘die Hofstatt der Familie Bodmer’ (1826) belegt; es könnte sich auch um die Leute im Boden (Rottenebene) handeln).

Eine seltsame Form ist schliesslich in Turtmann 1454 als die Steder belegt. Der Kontext ist unklar, was eine Deutung unmöglich macht.

Zum konkurrierenden Stadt cf. HL STADT.

VSNB, Bd. 4, Sp. 223

Vorkommen

gstadt

gstatt

stat

statt

stätten

stattere

steder

stedjini

steggini

steggjini

steggjinu

stegini

stet

steten

stetjini

stetli

stetlinon

stett

stette

stetten

stettenn

stetter

stettji

stettjine

stettjinu

stettler

stettlini

stettu