Äbu
Äbu ‘eben’ ist als Adjektiv belegt und meint in Flurnamen flache Flächen. Das Adjektiv tritt als lebendes Attribut oder als Bestimmungswort normalerweise mit /ä/ auf; als historisches Attribut oder Bestimmungswort erscheint es mit /e/. In beiden Fällen ist es als attributives Adjektiv auch mit der Endung /-nd/ belegt. Zu stellen ist es zu schwdt. Adj. eben, ä(ä)ben, ahd. ëpan, mhd. ëben, wie nhd. ‘eben, geebnet, flach’ und wdt. äbu, äbä (Goms), äbm (Lötschtal) ‘eben’ (ID. 1, 43; GRICHTING 1998, 22)).
Bezeugt ist es in lebenden Belegen wie folgt: ts Äbehee ‘die hochgelegene Ebene’ (Fieschertal, auch FLNK; FLNK, Ernen; Steinhaus), t Äbelecher ‘die ebenen Löcher’ (Binn), Äbuland ‘das ebene Land’ (FLNK, Bürchen)’, der Äbunacher ‘der ebene Acker’ (Unterbäch, auch FLNK; auch Filet und Hohtenn), ts Äbuneggi ‘die kleine ebene Ecke’ (Mund), Äbunä Weg ‘der ebene Weg’ (FLNK, Erschmatt). Die Form mit /-nd/ erscheint in ts Äbend Bärgji ‘das ebene, kleine Berggebiet’ (Binn), der Äbund Stei ‘der ebene Stein’ (Mund) und der Äbund Wäg ‘der ebene Weg’ (Niedergesteln, FLNK Äbunde Wäg).
Die historischen Belege zum Adjektiv enthalten jeweils eben und ebend: Eben Acker ‘der ebene Acker’ (1200, Binn), jm Ebennen Acher ‘im ebenen Acker’ (1567 u. später, Betten; 1567, Greich; 1570, Mörel), in der Ebenen Bodinen ‘auf dem ebenen Boden’ (1844, Naters; der Plural ist unkar), im Ebenen Wald ‘im ebenen Wald’ (1701, Gampel), eine Form mit anlautendem /h/ ist wohl romanisch: Hebene Wege ‘der ebene Weg’ (1200, Binn). Mit auslautendem /-nd/ erscheinen zum Ebenden Weg ‘zum ebenen Weg’ (1771, Hohtenn), zum Ebenden Zuggen ‘beim Fels mit der Ebene’ (1540, Embd).
Als Bestimmungswort tritt das HL wie folgt auf: Ebenaker ‘der ebene Acker’ (1277, Lalden), im Ebenacher ‘der ebene Acker’ (1691 u. später, Steg), der Ebenberg ‘der ebene Berg’ (1525, Grächen). Eine Ableitung auf /-I/ ist die Ebenbergerrj ‘die Wasserleitung, die vom / zum Ebenberg führt’ (1634 u. später, Eisten).
Eine weitere romanische Form ist wohl illis de Hebeneccen ‘(von den Leuten von der) Ebenecke’ (1254, Naters).
Mit einem weiteren Adjektiv ist belegt aúff den Obren Ebenhee ‘auf dem oberen Teil der ebenen Höhe’ (1680 u. später, Fieschertal) und mit einer Erweiterung die Ebenackerwasserleite ‘die Wasserleitung vom / zum ebenen Acker’ (1838, Mörel).
Lateinische Formen sind: super planum collem ‘auf dem ebenen Hügel’ (1650, Salgesch) und apud planum lapidem ‘bei dem ebenen Stein’ (1475, Visp). Beide Belege sind lateinisch und möglicherweise keine Namen, sondern Appellativa.
VSNB, Bd. 1, Sp. 70
Vorkommen
äbe
- Äbehe Steinhaus
- Äbehee Ernen
- Äbehee Fieschertal
- Äbelecher Binn
- Ober Äbehee Fieschertal
äbend
- Äbend Acher Binn
- Äbend Bärgji Binn
- Äbend Wäg Binn
äbu
- Äbu Tschugga Randa
- Äbuland Bürchen
äbun
- Äbunacher Hohtenn
- Äbunacher Unterbäch
- Äbunacher Filet
- Äbunacherchriz Unterbäch
- Äbuneggi Mund
äbund
- Äbund Hubil Salgesch
- Äbund Stei Visp
- Äbund Stei Mund
- Äbund Wäg Niedergesteln
äbune
- Äbune Acher Betten
- Äbune Acher Goppisberg
bebnen
- Schmitten Bebnen Raron
eben
- Ebenacher Steg
- Ebenacher Lalden
- Ebenbärg Grächen
- Ebenbergeri Eisten
ebenden
- Ebenden Tschuggo Embd
- Ebenden Wäg Hohtenn
- Ebenden Weg Erschmatt
ebenen
- Ebenen Acher Greich
- Ebenen Acher Mörel
- Ebenen Bodini Naters
- Ebenen Wald Gampel
- Ebenenacherwasserleita Mörel
hebenn
- Hebennecen Naters