Stüde
Stüde f. ‘Staude’ ist zu schwdt. Stūd, Stūden, wdt. Schtüüda, Schtüüdä (Goms), Schtuida (Lötschental), Stüüdu f. wesentlich wie nhd. ‘Staude; holziger Busch, Strauch’, dazu kollektiv G(e)stüd, wdt. entrundet G(e)stid n. ‘Gestäude, Jungholz’ zu stellen. Davon abgeleitet FaN Studer, Stüder (ID. 10, 1342 f.; ID. 10, 1362 f.; GRICHTING 1998, 185). Das HL ist in rund 130 Flurnamen vertreten. Das ähnliche HL STUTT m. ‘Pfahl, Säule’ kann in Einzelfällen mit Stüde f. verwechselt werden. Auffällig ist, dass in vielen Namen ein Singular erscheint; es wurden wohl nicht nur eigentliche Staudengebiete, sondern auch einzelne Stauden benannt.
Das Simplex ist im Singular als Stüda ‘die Staude’ (FLNK, Steinhaus), biner Stüda ‘bei der Staude’ (Bellwald; Gwp. spricht von <Schluckistauden>), hinder der Stude ‘hinter der Staude’ (1679, Biel), bÿe der Studen ‘bei der Staude’ (1531 u. später, Münster), beÿ der Stúden ‘bei der Staude’ (1786, Oberwald), wider der Studen ‘wider (gegenüber) der Staude’ (15??, Reckingen), zer Stúden ‘bei der Staude’ (1630, Ritzingen), zer Stüdu ‘bei der Staude’ (Visperterminen), (lat.: de) von Studun ‘vom Gebiet mit Stauden’ (1388, Ried-Mörel, unsicherer Beleg mit mehreren Namen de Riede, de Telle, de Studun).
Das Simplex im Plural ist belegt in t Stüde ‘das Gebiet mit Stauden’ (Binn, Fieschertal, Mund, Randa, Selkingen, Zermatt), Stüde ‘das Gebiet mit Stauden’ (FLNK, Ausserbinn), an den Studen (1528 u. später, Ernen), in den Stúden ‘im Gebiet mit Stauden’ (1620, Bürchen; 1736, Embd; 1303, Grächen; 1699 u. später, Raron), in den Stúdenn ‘im Gebiet mit Stauden’ (1584, Naters) und inne Stüdu ‘im Gebiet mit Stauden’ (Törbel).
Das Diminutiv im Singular ist beÿ dem Stüdelti ‘bei der kleinen Staude’ (1699 u. später, Obergesteln), beÿ dem Vndren Stidelti ‘bei der unteren kleinen Staude’ (1711 u. später, Obergesteln), im Stüdi ‘im Gebiet der kleinen Staude’ (Bellwald; FLNK Stüda) belegt.
Den Plural des Diminutivs findet man in Stidjini ‘das kleine Gebiet mit Stauden’ (FLNK, Bratsch), in de Stidjinu ‘im kleinen Gebiet mit Stauden’ (Niedergesteln) und t Stüdjini ‘die kleinen Gebiete mit Stauden’ (St. Niklaus).
Attributive Adjektive zum HL finden sich wie folgt: beÿ der Faul Studen ‘bei der faulen Staude’ (1701, Niederwald), wo eventuell ein Faulbaum (FRANGULUS ALNUS) gemeint sein kann, t Friiu Stüde ‘die freien Stauden (laut Gwp. Freilassung von Angeklagten, die hieher gelangten)’ (Unterbäch), (lat.: super) den Gemeynen Studun ‘über dem Gebiet mit Stauden, das der Gemeinde gehört’ (1448, Ried-Brig), in den Gmeinen Studen ‘in den Gebieten mit Stauden, das der Gemeinde gehört’ (1765, Naters), beÿ der Grossen Stúden ‘bei der grossen Staude’ (1765, Oberwald), Grossi Stüde ‘das grosse Gebiet mit Stauden’ (FLNK u. LT, Ulrichen), zer Grossu Stüdu ‘bei der grossen Staude’ (Törbel), t Heeju Stide ‘die hohen Gebiete mit Stauden’ (Raron), beÿ der Hochen Studen ‘bei der hohen Staude’ (1772, Obergesteln), t Indru Stüde ‘die inneren Stauden (laut Gwp. Erlengebüsche)’ (Eisten), zer Lengen Studen ‘beim langen Gebiet mit einer Staude’ (1527, Ernen), beÿ der Oberen Stúden ‘bei der oberen Staude’ (1756, Ritzingen), beÿ der Runden Stŭden ‘beim runden Gebiet mit einer Staude’ (1832, Blitzingen), biner Rund Stüde ‘beim runden Gebiet mit einer Staude’ (Münster), t Schwarzu Stuide ‘das schwarze Gebiet mit Stauden’ (Simplon; laut Gwp. Legföhren), t Üssru Stüde ‘die äusseren Gebiete mit Stauden’ (Eisten), t Wilte Stüde ‘die wilden (unfruchtbaren) Gebiete mit Stauden’ (Oberwald) und von der Züreten Stúden ‘vom bebauten (gezierten) Gebiet mit Stauden’ (1712, Obergesteln; 1712 Oberwald).
Vorangestellte Genitive sind selten: beÿ der Giretschen Stúden ‘bei der Ebereschen-Staude’ (1792, Ulrichen; unklar, ob Genitiv oder Kompositum), zer Heynlichen Studen ‘bei der Staude des Heinlich (Heinrich?)’ (1463, Eischoll), beÿ der sogenannten Melkien Stauden ‘bei der Staude mit Mälchiä (nicht genauer bestimmte Beerenstaude)’ (1810, Feschel; unklar, ob Genitiv), Roossero Stúde ‘die Stauden der Familie Roosser’ (1709 u. später, Filet), tsch Sturzlisch Stüde ‘das Gebiet mit Stauden der Familie Zurbriggen, die <ts Sturzlisch> genannt wurde’ (Eggerberg).
Mit dem Grundwort fallen zunächst zweigliedrige Komposita auf, welche die Stauden durch Früchte oder Beschaffenheit näher bestimmen: beÿ der Dorenstuden ‘bei der Staude mit Dornen’ (Oberems), beÿ den Dornstauden ‘bei den Stauden mit Dornen’ (1783, Ernen), beÿ der Haselstauden ‘bei der Haselstaude’ (1812, Mund), (lat.:) a parte superiori der Haselstudon ‘vom oberen Teil der Haselstaude’ (1452, Glis), zer Haselstuden ‘bei der Haselstaude’ (1399, Naters), ze der Haselstudun ‘bei der Haselstaude) (1299 u. später, Visperterminen), zer Helfstuden ‘bei der Hagebuttenstaude’ (1354, Ulrichen), in der Holderstaŭde ‘im Gebiet mit Holderstauden’ (1849, Steg), ob der Hollerstuden ‘oberhalb der Holunderstaude’ (1573 u. später, Münster), bÿ der Holler Studen ‘bei der Holunderstaude’ (1575, Geschinen), zer Klestuden ‘bei der Staude mit Klee (?)’ (1771, Oberems; wohl eine Fehlangabe zu Schlehstuden), zer Loibstuidu ‘bei der Laubstaude’ (Ferden), t Löübstüde ‘die Laub-Stauden (Erlengebüsche)’ (Saas-Almagell), t Mälchstüde ‘die Stauden mit Mällchiä (sonst eher Mehlbaumbeeren, hier wohl andere)’ (Gampel), zer Melchstuden ‘bei der Staude mit Mälchiä (nicht näher bestimmte Beerenstaude)’ (1564 u. später, Guttet), beÿ der […] Melkien Stauden ‘bei der Staude mit Mälchiä (nicht genauer bestimmte Beerenstaude)’ (1810, Feschel), zer Schleestuden ‘bei der Schlehenstaude’ (1530, Leuk), zer Schleestüdu ‘bei der Schlehenstaude’ (Oberems), zer Schlestuden ‘bei der Schlehenstaude’ (1554, Unterems).
Die meisten Komposita beziehen sich auf eine nahegelegene Flur oder einen Weiler. Einige davon sind: di Bietschistüde ‘das Gebiet mit Stauden beim Bach (Bietschi)’ (Raron), di Birchstuidä ‘die Stauden im Bereich Birch (Birkengehölz)’ (Blatten), di Birchustüde ‘die Stauden beim Weiler Zer Birchu’ (Leukerbad), di Brustuide ‘die Stauden beim Gebiet Bru (Quelle / Brunnen)’ (Simplon), Eggerstüde ‘das Gebiet mit Stauden oberhalb von Eggen’ (FLNK, Eggerberg), di Gärtjistüde ‘die (Hasel-) Stauden bei den kleinen Gärten’ (Hohtenn) und viele andere mehr. In einigen Fällen ist nicht klar, worauf sich der Name bezieht, etwa bei beÿ der Caggenstauden ‘bei den Stauden mit / bei den Krähen / Raben’ (1703, Salgesch), wo aber auch ein sonst unbekannter Name für Beeren gemeint sein kann; t (e)Rüätzistüdä ‘die Stauden beim Rüetzi (unklar)’ (Gampel), wo unklar ist, ob ein PN zu Grunde liegt, die Hanffgarten Studen ‘die Stauden beim Hanfgarten’ (1747, Niederwald), wo zwar klar ist, was ein Hanfgarten ist, aber unklar, welche Staude(n) dort stehen; t Lismerstüde ‘das Gebiet mit Stauden, die wie von einem Mann gestrickt aussehen (unklar)’ (Naters), wo Lismer ‘ein strickender Mann’ heissen kann, aber nicht muss, t Wingestüde ‘die Stauden im engen Tal’ (Ulrichen) erscheinen historisch 1593 als die Twingen Stŭdenn und beziehen sich dort wohl auf die enge Talstelle der Ägene, und andere mehr.
Komplexer sind etwa t Hosandstüde ‘die Stauden im hohen Sandgebiet’ (Ulrichen), t Landboimstüde ‘die Stauden beim Landboim’ (Ergisch), wobei Landboim ‘Landbaum’ wohl eine Umdeutung eines romanischen Lampon ist, t Oberdorfstüde ‘das Gebiet mit Stauden beim Oberdorf (Wiesen oberhalb Laden)’ (Hohtenn), die Drielackerstuden ‘die Gebiete mit Stauden bei den Trieläckern (Äcker bei der Traubenpresse)’ (Eyholz) und andere.
Als Bestimmungswort kommt das HL mit folgenden Grundwörtern vor: Acher, Cheer, Egg(a), Gartu, Gassa, Grabu, Grund, Haalta, Matta, Stadel, Wald und Wier.
Komplexer sind der Foder und der Hinner Stüdeblätz ‘der vordere und der hintere Teil des mit Stauden bestandenen Stückes Land’ (Ulrichen) und dem Undresten Studenwier ‘der untereste Weiher beim Gebiet mit Stauden’ (1712, Visperterminen, Dativ konstruktionsbedingt).
Das kollektive Gschtid ‘das Gebiet mit Stauden (kollektiv)’ ist in ts Gschtid (Ritzingen), der Gschtidwaud ‘der Wald mit Stauden’ (Lax) und Gstitt ‘das Gebiet mit Stauden (kollektiv)’ (FLNK, Lax) belegt.
Eine Ableitung auf -ERA für Wasserleitungen findet sich in t Ober und t Unner Stüdera ‘die obere und die untere Wasserleitung von / zu den Stauden’ (Randa); u. U. kann auch der FaN Studer hier zu Grunde liegen.
Das Adjektiv stuidig ‘staudenbestanden’ kommt nur in t Stuidig Weid ‘die Weide mit Stauden (heute wohl Wald)’ (Kippel) vor.
VSNB, Bd. 4, Sp. 270
Vorkommen
gschtid
- Gschtid Ritzingen
- Gschtidwaud Lax
gstitt
- Gstitt Lax
staude
- Holderstaude Steg
stauden
- Caggenstauden Salgesch
- Dornstauden Ernen
- Melkien Stauden Feschel
stid
- Stidwaalji Ausserbinn
stide
- Heeju Stide Raron
stidelti
- Stidelti Obergesteln
stidjini
- Stidjini Bratsch
stiidjinu
- Stiidjinu Niedergesteln
stud
- Studacher Ried-Brig
stüd
stud
- Studhaalte Oberwald
stüdä
- (e)Rüätzistüdä Gampel
stüda
- Stüda Steinhaus
stüde
- Bietschistüde Raron
- Birchustüde Leukerbad
- Bordstüde Obergesteln
- Brummilstüde Hohtenn
- Cholerstüde Eggerberg
- Eggerstüde Eggerberg
- Foder Stüdeblätz Ulrichen
- Friiu Stüde Unterbäch
- Gärtjistüde Hohtenn
- Gillustüde Ausserberg
- Giretschen Stüde Ulrichen
- Goorbstüde Ulrichen
- Grabestüde Oberwald
- Gräicherstüde Greich
- Gross Stüde Oberwald
- Grosse Stüde Ulrichen
- Haselstüde Mund
- Helfstüde Ulrichen
- Hinner Stüdeblätz Ulrichen
- Ho Stüde Obergesteln
- Hollerstüde Münster
- Hosandstüde Ulrichen
- Hostüde Reckingen
- Inndru Stüde Eisten
- Landboimstüde Ergisch
- Lismerstüde Naters
- Löübstüde Saas-Almagell
- Mälchstüüde Gampel
- Mosstüde Oberwald
- Oberdorfstüde Hohtenn
stude
- Roossero Stude Filet
stüde
- Rund Stüde Münster
- Stüde Fieschertal
- Stüde Zermatt
- Stüde Mund
- Stüde Bellwald
- Stüde Randa
- Stüde Ausserbinn
- Stüde Münster
- Stüde Raron
- Stüde Binn
- Stüde Oberwald
- Stüde Biel
- Stüde Reckingen
- Stüde Selkingen
- Stüdematta Mund
- Sturzlisch Stüde Eggerberg
- Tabelstüde Oberwald
- Tufetschstüde Turtmann
- Üssru Stüde Eisten
- Wangstüde Eggerberg
- Wilte Stüde Oberwald
- Wingestüde Ulrichen
- Züreten Stüde Oberwald
- Züreten Stüde Obergesteln
stüdelti
- Stüdelti Obergesteln
studen
- Dorenstuden Oberems
- Faul Studen Niederwald
- Gmeinen Studen Naters
- Hanfgarten Studen Niederwald
- Haselstuden Naters
- Heynlichen Studen Eischoll
- Holler Studen Geschinen
- Iolistuden Niedergesteln
- Klestuden Oberems
- Leng Studen Ernen
- Melchstuden Guttet
- Muoler Studen Glis
- Ober Studen Ritzingen
- Runden Studen Blitzingen
- Schleestuden Leuk
- Schlestuden Unterems
- Studen Bürchen
- Studen Grächen
- Studen Ernen
- Studen Embd
- Studen Ritzingen
- Studenackern Randa
- Studenstadol Bürchen
- Trielacherstuden Eyholz
studenn
- Studenn Naters
stüdera
- Ober Stüdera Randa
- Unner Stüdera Randa
stüdi
- Stüdi Bellwald
stüdjini
- Stüdjini St. Niklaus
stüdu
- Grossu Stüdu Törbel
- Haselstüdu Visperterminen
- Schleestüdu Oberems
- Stüdu Törbel
- Stüdu Visperterminen
- Stüduegga Visperterminen
- Stüdugrund Brigerbad
- Stüduwaldji Visperterminen
- Stüduwier Visperterminen
- Undru Stüduwier Visperterminen
studun
- Gemeinen Studun Ried-Brig
- Studun Ried-Mörel
stuid
- Stuidwald Blatten
stuidä
- Birchstuidä Blatten
- Brustuidä Simplon
stuide
- Schwarzu Stuide Simplon
stuidig
- Stuidig Weid Kippel
stuidu
- Loibstuidu Ferden
- Mittstuidu Ferden
stütten
- Rosenstütten Blitzingen
stüüdu
- Stüüducheer Törbel
- Stüüdugäärtu Feschel