Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Eischt

Eischt m. ist zu ahd. awist, ewist, sekundär ouwist ‘Schafstall’, eigentlich ‘Aufenthaltsort für Schafe’, zu idg. ouis ‘Schaf’, schwdt. Au, mhd. ouwe, ow, ahd. awi, ‘weibliches Schaf’ und wdt. Owwji, Öiwi (Saastal), Oiw (Lötschental), Owwa (Schattenberge), Oibji (Leuker Berge), Öüwji ‘Mutterschaf’ (SONDEREGGER 1958, 46; ZGNB 1, 922 f.; ID. 1, 5; RÜBEL 1950, 4, 102; GRICHTING 1998, 148) zu stellen. Die Ableitung ist entrundet zu Eischt, in einigen Fällen auch zu Eisch. Der Gemeindename Eisten oberhalb der Saaser Vispe ist hieher zu stellen.

Das Simplex ist im Singular als vff der Eÿsch ‘beim Schafstall’ (1587, Grächen), Eischt ‘der Schafstall’ (FLNK, Ried-Brig; LT Eist, SK Eisten), der Eischt ‘der Schaftstall’ (Baltschieder, Saas-Balen), am Eist ‘am Schafstall’ (1548 u. später, Eggerberg), t Eischta ‘der Schafstall’ (Blitzingen, Niederwald; an beiden Orten historisch als Plural Eisten usw.) belegt.

Häufiger ist der Plural des Simplex, wobei hier ‘Schafställe’ kaum zutrifft; wir geben den Namen als ‘das Gebiet beim Schafstall’ wieder. Belegt sind zen Oysten (1306 u. später, Törbel), apud Oýsten (1389 u. später für FLNK Eischt, Ried-Brig), an den oͤysten (1473 u. später für t Eischta, Blitzingen; 1470 Brig), an oͤysten (1491 u. später, Biel), in den Eisten (1617 u. später für t Eischta, Niederwald), t Eischte (Filet), zen Eischtu (Eisten), Eischten (FLNK, Blatten; LT u. SK Eisten), an den Eysten (1547, Ernen; 1592, Ritzingen).

Einige Diminutive im Singular sind belegt: ts Eischterli (Martisberg, Ried-Brig), ts Eischtli (Ferden, Wiler), ts Eischtje (Zermatt) und Eischtje (FLNK, Zermatt).

Mit attributiven Adjektiven tritt das HL vor allem lokal auf: apud dien Jndren Oysten ‘bei den inneren Gebieten mit Schafstall’ (1299, Eisten), Ober Eist (Alpe) (EK, Baltschieder, EK Eggerberg), t Obru und t Undru Eischt (Voralpen) (Ried-Brig), Unner Eist (Alpe) (EK, Baltschieder), ze dien Vsseren Oysten (1304 u. später, Eisten). Einen Sonderfall mit einer Präposition stellt unner Zen Eischtu ‘unter Zen Eisten’ (Eisten) dar, wo eine Flur unterhalb des Dorfteils Zen Eisten gemeint ist.

Nur einmal ist ein vorangestellter Genitiv zu finden: in des Millers Eÿsten ‘im Gebiet des Schafstalls des Müllers / der Familie Müller’ (1724, Niederwald).

Als Grundwort scheint das HL nur in ts Bätuleischtu (Ried-Mörel) belegt zu sein. Der historische Beleg Bätten=Leÿsten (1610) teilt den Namen in die Bestandteile Bätten ‘Beten’ und Leisten ‘Leiste’ auf; letzteres kommt sonst nie in Namen vor. Anzunehmen ist, dass es sich um Bätul ‘Bettel’ und Eischtu ‘Schafställe’ handelt, also ‘die armselige Ansammlung von Schafställen’. Die Flur befindet sich im Wald nördlich von Ried-Mörel, wo sich früher eine Lichtung befand (vgl. SK).

In den meisten andern Fällen ist das HL Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita mit den Grundwörtern Acher, Äbnet, Bach, Bicki, Biel, Blatta, Bodu, Bord, Dorf, Egg(a), Fäld, Flüö, Gassa, Haalta, Hüs, Matta, Schluocht, Suon, Wald und Wasser.

Komplexer sind das obere Eischtbachfell ‘das obere Gefälle (?) am Eistbach’ (1833, Grächen), ts Inder Eischtbord ‘das innere (taleinwärts liegende) Bord (Abhang, Böschung) bei Eisten’ (Blatten), t Indrun Eischtbebem ‘die inneren (taleinwärts liegenden) Böden bei Eisten’ (Blatten) und andere.

Einen Genitiv Plural enthält dr Äischtnärru Schgguisär ‘der Durchfall der Leute von Eisten’ (Blatten), wo im Frühjahr tagsüber mehrere kleine Lawinen niedergehen. Wohl ebenfalls einen Genitiv Plural enthielt ursprünglich ts Eischter Üowand ‘die Magerwiese der Leute von Eisten’ (Saas-Balen).

Ein seltsames Adjektiv enthält im Eisinen Boden (1671, Ausserberg), das wohl einen Verschreiber für ‘im Boden von Eisten’ darstellt; in Ausserberg ist sonst kein Adjektiv zu Eisin bekannt.

VSNB, Bd. 2, Sp. 60

Vorkommen

äischtnärru

eisch

eischen

eischt

eischta

eischte

eischter

eischterli

eischtje

eischtli

eischtu

eisinen

eist

eisten

eysten

eysteri

oeysten

oys

oyst