Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Sunna

Sunna f. ‘Sonnseite’ ist zu schwdt. Sunn, Sonn, Sun(n)a f. in der älteren Sprache auch m. ‘Sonne’, nach der Sonne bestimmte Lage, Richtung’, ahd. sunna, mhd. sunne und wdt. Sunna, Sunnä (Goms), Sunu (Saastal), Sunnu ‘Sonne’ (ID. 7, 1092 ff.; GRICHTING 1998, 190), in FlN Geländestücke, die von der Sonne (besonders Morgensonne) gut beschienen und gewärmt werden und daher guten Ertrag liefern, meist Südlage, exponierte oder erhöhte Stellen (TGNB 2, 2, 589), zu stellen.

Von den rund 80 Belegen befinden sich die grösste Zahl im Bezirk Visp; die anderen Bezirke weisen nur vereinzelte Belege auf und Westlich-Raron gar keinen.

Das Simplex im Singular ist als t Sunna (Eisten, Emdbd, Visperterminen und Zeneggen), t Sunu (Saas-Balen (3 Belege), Saas-Fee, Saas-Grund), historisch an der Sohnen (1686, Grächen), in der Sonnen (1621, Saastal) und in der Sunnen (1644, Grächen) belegt. Im Plural erscheint es als t Sunne (Staldenried) und in den Sŭnnen (1647, Stalden).

Die Diminutive sind im Singular: das Sonnili (1699, Randa; 1669, Täsch; gleicher Beleg); ts Sunnilli (Törbel), im Súnnilti (1831, Brigerbad). Im Plural sind die Diminutive: t Sunnetjini (Bitsch (FLNK Sunneggini), t Sunnetjini (Ried-Mörel), t Sunnilini (Eisten), t Sunillini (Embd), Sunnini (FLNK, Visperterminen), t Sunnini (Staldenried, FLNK Sunnili).

Mit attributiven Adjektiven ist das HL belegt als: di Gmeinu Sunna ‘das sonnseitig gelegene Grundstück, das der Gemeinde gehört’ (Eisten), t Hinndru Sunnini ‘die hinteren kleinen sonnseitig gelegenen Grundstücke’ (Visperterminen), t Inner Sunnu ‘das innere, sonnseitig gelegene Grundstück’ (Visperterminen), t Obru und t Undru Sunnini ‘die oberen und die unteren kleinen sonnseitig gelegenen Grundstücke’ (Visperterminen), die Úndern Sonnen ‘das untere sonnseitig gelegene Grundstück’ (1836, Saas-Grund), in den Wÿssen Sonnen ‘in den weissen sonnseitig gelegenen Grundstücken’ (1732, Zeneggen).

Mit dem HL als Grundwort sind eine Reihe von zweigliedrigen Komposita belegt, die meist eine nahegelegene Flur bezeichnen: in der Bielti Sonnen ‘im sonnseitig gelegenen Grunstück beim kleinen Hügel’ (1792, Visperterminen), di Bodusunna ‘das sonnseitig gelegene Grundstück unterhalb des Boden’ (Randa), di Brannsunna ‘das sonnseitig gelegene Grundstück beim brandgerodeten Gebiet’ (Grächen. FLNK Brandsunna), di Gallgesunna ‘das sonnseitig gelegene Grundstück bei der Galgera’ (Eisten) und viele andere mehr. Auffallend sind t Jagobjisunna ‘das sonnseitig gelegene Grundstück des kleinen Jakob’ (Visperterminen) (wobei hier unklar ist, worauf sich Jagobji bezieht: ein lokaler Übername oder ein Bildstock?) und t Kapolusunna ‘das sonnseitig gelegene Grundstück bei der (Dreifaltigkeits-)Kapelle’ (Visperterminen). Zwar klar, aber dennoch ungedeutet sind di Barmilisunna (Visperterminen) und jn der Bermülinsonnen (1628, Visp) in beiden kommt der Flurname Barmili vor, der seinerseits undeutbar ist. Weitere komplexe Konstruktionen fehlen.

Als Bestimmungswort kommt das HL mit folgenden Grundwörtern vor: Brand, Egg(a), Grabu, Haalta, Hitta, Matta, Richti, Schiir, Sita, Stadel, Wäg und Wald. Komplexer ist an den Sonnen Matten Rús ‘der Wasserlauf von / zu der Sonnenwiese’ (1749, Visp).

Das Adjektiv sunnig ‘sonnig’ (ID. 7, 1103) tritt auf mit den Grundwörtern Flüö, Gletscher, Graat, Hooru, Nacke, Pass und Sita. Dabei fällt auf, dass um das Sunighoru ‘Sonnighorn’ (Saas-Almagell, LT Sonnighorn; it. Pizzo Bottarello) ein Nest mit der Suniggraad, der Sunigpass, Sunniggletscher (alle Saas-Almagell) existiert, das wahrscheinlich auf einer späteren Benennung durch Alpinisten beruht. Der Bergname Bottarello ist so weder bei OLIVIERI (1965), noch sonst belegt.

VSNB, Bd. 4, Sp. 285

Vorkommen

sohnen

sonne

sonnen

sonnige

sonnili

sun

sunig

sunna

sunne

sunnen

sunnetjini

sunnig

sunnige

sunnigu

sunnilini

sunnilli

sunnillini

sunnilti

sunnini

sunnu

sunu