Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

Datenbank (Webversion)
Hauptlemma

Braatsch

Braatsch ist zunächst der Name einer früher selbständigen Gemeinde am Nordhang des Rottentals auf ca. 1100 m; es gehört heute zur Gemeinde Gampel-Bratsch. Die ältesten Belege haben 1228 und 1242 Praes, 1300 und 1309 Prahcs und danach wieder Praes und Varianten bis 1388 Bratz, dem weitere Belege folgen. Bratsch leitet sich aus lat. prātum ‘Wiese’ ab (OETTLI 1945, 94), genauer aus der Pl.-Form lat. *PRĀTAS > *PRĀDES ‘Wiesen’, welche in den hist. Belegen sowohl in der romanischen Form, mit Schwund des intervokalischen -d- (> praes), wie auch in deutsch geprägter Weiterentwicklung mit Schwund des Auslautvokals und Verhärtung des -d- vor -s (> *prads > prats > brats > bratsch), überliefert ist. Die mit -g- geschriebenen Formen (Prages) von 1408 und 1530 reflektieren eine frpr. Aussprache mit [j]. Das urspr. lat. Schluss /-s/, das sich in Teilen des Oberwallis zu [š] entwickelte, wird bewahrt. Da die Germanisierung von Bratsch nicht vor dem 15. Jh. abgeschlossen war, muss die deutschsprachige Form als Oberwalliser Exonym etwa im 9. Jh. entstanden sein, d. h. zu einer Zeit, als das romanische /-d-/ noch nicht geschwunden war (nach KRISTOL ET AL. 2005, 181).

Die übrigen Belege enthalten das HL als Bestimmungswort. Verbunden ist es mit Acher, Bach und Wäg, wobei Letzteres auch 1663 zwischen dem Niwen vndt Alten Bratschwäg erscheint. In Gampel ist der Braatschwäg ‘der Weg von / nach Bratsch’ (LT Bratschweg, FLNK Bratschwäg) belegt, der vom Tal (Gampel) hinauf nach dem westlicher gelegenen Bratsch führt.

VSNB, Bd. 1, Sp. 265

Vorkommen

braatsch

bratsch