Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Chüe

Chüe ‘Kuh’ ist zu schwdt. Chue, Pl. Chüe, wdt. Chüe, Chüä (Goms), Chüä (Lötschtal), Chüö f. ‘Kuh’ (ID. 3, 85 ff.; GRICHTING 1998, 55), mhd. kuo, Pl. küeje, ahd. chuoi zu stellen. Nach RÜBEL (1950, 24) wird ein Tier erst zur Chüe, wenn es schon ein zweites Kalb geworfen hat; vorher heisst es Rind (Pl. Rinder / Rinner) oder Meischi (Pl. Meischini).

Als Simplex tritt Chüe nur zwei Male auf: Uf der Chüe ‘Auf der Kuh’ (Bellwald) und Roti Chüe ‘rote Kuh’ (Ausserberg) – in beiden Fällen wird wohl die Geländeform als einer Kuh ähnlich gedeutet. Einmal ist ein Genitiv der Besitzerin mit dem Diminutiv verbunden: ts Marjibaabisch Chieli ‘die kleine Kuh (Felsblock) der Maria Barbara (PN)’ (Hohtenn). Vergleichbar sind die Komposita Chiähoren ‘Küh-Horn’ (Blatten), Name eines Gipfels, der Kühen gleicht, Chietosse ‘Felsblock, der einer Kuh gleicht’ (Münster, Ulrichen) und Chieture ‘Felsturm, der Kühen gleicht’ (Fieschertal). In den meisten Fällen ist Chüe, häufig im Plural Chie, ein wörtlich gemeintes Bestimmungswort zu Grundwörtern wie Alpa, Blatta, Bodu, Fad, Mad, Matta, Mettla-Mettja, Schiir, Sita, Stafel, Stelli, Tal, Twära, Wang, Wäg und Weid – zumeist Flächen oder Gebäude, auf oder in denen Kühe gehalten werden oder weiden. Ein Namennest findet sich um den Weiler Kühmad (Chiemad) in Blatten: Hier bildet der Weilername das Bestimmungskompositum zu den Grundwörtern Bodu, Bord, Flüö und Wang. Ein zweites Namennest bilden zwei Alpen Chietal (Obergesteln und Münster, Ulrichen) mit Bach, Bochten, Chäller und Nolle.

Komplexere Konstruktionen sind möglich, etwa Chüolimatturüüs ‘die Wasserleite von der / zu der Chüölimatta (Wiese für die kleinen Kühe)’ (Brigerbad) oder der Inder Chiämettlun Bopem ‘der innere Boden bei der Chiämettlu (Mettle für die Kühe)’ (Blatten). Formal sind weiter interessant Bildungen mit Chien- (Plural mit n), teilweise assimiliert zu Chiem-, wie in Chienbodu (Saas-Balen) oder Chiembobmu (Staldenried).

Schwer zu deuten schliesslich ist der historische Beleg Wiss Kuͤÿ Sewlin (Guttet) – wörtlich ‘das weisse Küh-Seelein’; unklar ist insbesondere, ob sich ‘weiss’ auf ‘Küh-’ oder auf ‘Seelein’ bezieht.

VSNB, Bd. 1, Sp. 376

Vorkommen

chiä

chie

chieli

chiem

chien

cho

chüe

chuo

chüoli

khyen

kie

kien (Chüe)

ku

küe

kue

küe

kuei

küh

kuh

kün (Chüe)

kuo

küoli