Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Eie

Eie f., auch Eia f. ‘Aue’ ist zum schwdt. Ei, Eie f., entrundete Form zu Au, Äu, Äue f., Dim. Eielti, ahd. ouwa f., zur Bezeichnung einer Insel oder Halbinsel und wdt. Eija, Eijä (Goms), Eiju ‘Magerland (strauch-bewachsen)’ zu stellen (ID. 1, 5 f. und 18; RÜBEL 1950, 9; ZINSLI 1984, 56; GRICHTING 1998, 64). In unserem Namengut meist ‘am Wasser gelegene Wiese; niedriges, feuchtes Uferland’ auch ‘am Wasser liegendes Gesträuch oder Gehölz’ oder ‘abgelegene unbewohnte Gegend’. Das HL kommt in rund 350 Namen vor. In einigen Fällen ist nicht zwischen Eie und Eiche zu unterscheiden (z. B. Eyholz ‘der Auenwald / der Eichenwald’). Inhaltlich geht es in den meisten Fällen um eine Aue im Talgrund des Rotten, die vor der Korrektion weite Bereiche überschwemmte; ähnliche Auen befinden sich an Seitenflüssen, wie etwa an der Vispe. Die Formen Oww und Oya sind teilweise älter, teilweise nicht umgelautet, gehören aber meist hieher; Ausnahmen dazu sind Formen wie ouwe usw., die für das weibliche Schaf (Aue) anzuführen sind (cf. HL EISCHT).

Das Simplex im Singular erscheint lebend in der Form t Ei ‘die Aue’ (Lax), dann t Eie (mit Schwa am Schluss) im Goms rund 10 Mal, weiter auch als üf der Eie (Münster), uf der Eie (Selkingen) und in der Eie (Fiesch, Geschinen). t Eie (mit /e/ am Schluss) ist sicher in St. Niklaus belegt; in Randa und Agarn ist ein Plural gemeint. t Eia kommt rund zwölf Mal vor – von Niederwald bis Oberems. Eiu ‘Aue’ ist der Name einer Alpe in Saas-Almagell (FLNK Eiju). in der Eiun (Blatten, zwei Mal) ist nur hier lebend belegt. Die Namen der FLNK enthalten meistens die Form Eija oder ähnlich. Einen Sonderfall stellt inner Oww ‘in der Aue’ (Eyholz) dar, das eine nicht entrundete Form, eventuell unter dem Einfluss des folgenden /w/, enthält; historisch ist es 1544 in der Owi und 1690 in der Ow belegt; dazu kommt Ouw (FLNK, Visp). Historisch ähnlich ist das 1539 in Bellwald als jn der Ouͤ ‘in der Aue’. Die ältesten historischen Belege vor der Entrundung sind dỳ Oỳa (1424, Baltschieder, aber 1475 als Eien), an der oͤyen (1431, u. später, Niedergesteln, später entrundet), in der oͤyun (1438 u. später, Steg, später entrundet), oͤyun (1450 u. später, Visp, später entrundet) und einige andere. Unklar ist der älteste Beleg Oyez (1391, Eischoll; 1443 als jn der oͤýun). Zu vermuten ist ein Schreibfehler von 1391, da der Gemeindename Eischoll in den ältesten Belegen als Oselz (11??), Oiselz (1219), Oysez (1267–1276) erscheint und vermutlich auch 1391 gemeint ist; dieser Name wird eher zu kelt. Uxellos ‘Anhöhe’ gestellt (cf. HL EISCHOLL). Ein ungewöhnlich früh entrundeter Beleg jn der Eÿun (1468, Ernen) könnte auf eine spätere Kopie hinweisen, die sich jedoch am Fundort (Pfarrei-Archiv Mörel) nicht überprüfen liess (nach PH. KALBERMATTER, p. c.).

Das Simplex Singular im Diminutiv ist das Eÿgeltin ‘die kleine Aue’ (1594 u. später, Fiesch), im Eÿgiltin ‘in der kleinen Aue’ (1696 u. später, Bürchen), ts Eii ‘die kleine Aue’ (Raron), ts Eiilti (Gampel, Raron, Unterems), in dem Eÿeltin ‘in der kleinen Aue’ (1754 u. später, Steg), Eijilti (FLNK, Steg), Eijulti (FLNK, Randa), Eijuti (FlNK, Blitzingen), ts Eiuti (Binn, Fieschertal), das Eÿelti (1733, Biel), in dem Eÿelti (1765, Oberwald), im Eyeltin (1627 (ca.), Niedergesteln) und das agglutinierte Zeiuti ‘die kleine Aue’ (Blitzingen). Für den Plural ist nur t Eiiltini ‘die kleinen Auen’ (LT, Baltschieder; FLNK Eijiltini) belegt.

Mit attributiven Adjektiven zum HL erscheinen: dvͥ Dika Oỳa ‘die dicke (dicht bewachsene) Aue’ (1303, Lalden), der Gekauften Eien ‘die gekaufte Eie (Aue)’ (1852, Steg), die Gemeine Eyen ‘die Aue, die der Gemeinde gehört’ (1810, Fieschertal und mehrere andere, teilweise die Gmeine Eÿen oder ähnlich), di Gros Eia ‘die grosse Aue’ (Baltschieder und mehrere andere mit Varianten), t Hinner Eia ‘die hintere Aue’ (Niederwald, sowie Münster und Fiesch mit Varianten), t Honeia / t Honeie ‘die hohe Aue’ (Fieschertal und drei weitere), in den Indren Eÿen ‘in den inneren Auen’ (1767, Wiler), das klein Öyilti ‘die kleine Aue’ (1460, Fiesch), Lengú Oya ‘die lange Aue’ (1396 u. später, Raron), t Mitleri Eiu ‘die mittlere Aue’ (Salgesch), jn dien Nideren Oyon ‘in den niederen (unteren) Auen’ (1306, Lalden), in der Niwen Eÿen ‘in der neuen Aue’ (1709, Agarn), t Niwwi Eiu ‘die neue Aue’ (Turtmann), t Ober Eie ‘die obere Aue’ (Gluringen (zwei Belege), Oberwald, Reckingen und mehrere historische Belege), t Obri Eiu ‘die obere Aue’ (Salgesch, Turtmann), t Pmei Eie ‘die Aue, die der Gemeinde gehört’ (Obergesteln, zwei Belege), t Rundeia ‘die runde Aue’ (Raron), t (e)Rundi Eiu ‘die runde Aue’ (Turtmann), Schibochten Eyen ‘die runde, scheibenförmige Aue’ (1717, Obergesteln), Tuchen Oyun ‘die Aue, die überschwemmt wird (unsicher)’ (1309, Raron), t Undri Eiu ‘die untere Aue’ (Salgesch), t Unner Eie ‘die untere Aue’ (Gluringe, Oberwald), ts Unner Eii ‘die untere kleine Aue’ (Raron), in der Aussern Eije ‘in der äusseren Aue’ (1853, Eisten), t Vorder Eia ‘die vordere Aue’ (Täsch), in der Wissen Eÿen ‘in der weissen Aue’ (1790, Glis).

Mit vorangestellten Genitiven zum HL sind belegt: Balscheija ‘die Aue des Balz (Balthasar?)’ (FLNK, Blitzingen; 1592 Poltzeÿen, 1872 des Balz=Eien), wobei der historische Beleg von 1592 auch einen PN Bolz nahelegt, dvͥ Buͤlerra Oỳga ‘die Aue, die der Familie Bieler gehört’ (1303, Lalden) (könnte auch die Leute vom Biel bezeichnen; der Genitiv Plural ist unsicher), in Bieliger Eie ‘in der Aue der Leute von Biel’ (1685 u. später, Biel), an die Brügereÿen ‘die Aue der Briger (Leute von Brig)’ (1729, Naters; 1732 als Brigeru Eÿen), ad insulam Brunnero ‘(lat.) bei der Aue der Familie Brunner’ (1509 (?), Brigerbad), an der Kilchen Eÿenn ‘an der Aue, die der Kirche gehört’ (1594, Münster), in der Kirchen Eÿen ‘in der Aue, die der Kirche gehört’ (1824, Oberwald), in der Gertschigen Eÿa ‘in der Aue der Familie Gertschen’ (1711, Münster), ts Gelisch Eielti ‘die kleine Aue der Familie Geli (Gely)’ (Baltschieder), di Gieschereiu ‘die Aue, die den Leuten von Giesch gehört?’ (Niedergesteln), di Grantscheiä ‘die Auen der Familie Grand’ (Steg), Gwalthaber Eÿe ‘die Aue, deren Ertrag dem Gewalthaber (Gemeinde-vorsteher) zukam’ (1832, Geschinen), t Hansieie ‘die Aue des Hans’ (Ulrichen), des Herren Eya ‘die Aue des (Pfarr-)Herrn’ (1815, Oberwald), t Hereeie ‘die Aue des (Pfarr-)Herrn’ (Münster), in Jagesŭoeÿe ‘in der Aue des Jaaggi (PN Jakob)’ (1729, Leuk), t Jaggesseiu ‘die Aue des Jaaggi (PN Jakob)’ (Turtmann), Jans Graphun Eÿa ‘die Aue des Jan Graven’ (1545, Vispertminen), in der Jostigen Eÿen ‘in der Aue der Familie Jost’ (1721, Obergesteln), ts Irisch Eie ‘die Aue des Iri (PN?)’ (Oberwald), ts Kaplaasch Eie ‘die Aue, die dem Kaplan gehörte’ (Münster), ts Maartischeiu ‘die Aue des Martin / der Familie Marti’ (Turtmann), Matters Eÿa ‘die Aue der Familie Matter’ (1531, Brigerbad), ts Michutisch Eie ‘die Aue der Leute des kleinen Michael (Übername einer Familie Biderbost)’ (Ritzingen), Nuntzen Eÿen ‘die Aue des Nuntz (PN?)’ (1608 u. später, Ried-Brig), Mörisch Eÿeltin ‘die Auen des Mörisch / der Familie Mörisch’ (1794, Naters), in Parnisch Eÿen ‘die Aue der Familie Parni / des Parni (wohl: Perrin)’ (1757, Agarn), in Perinis Eyen ‘in der Aue der Familie Perrini’ (1711, Agarn), in Perrigen Eÿen ‘die Aue der Familie Perrig’ (1717, Leuk), in der Pfaffen oͤyen ‘in der Aue des Pfarrers / der Familie Pfaffen’ (1431, Niedergesteln), di Pulligueiu ‘die Aue bei Pulligu (Ort der Leute des Pullo)’ (Leuk), jn Randiers Eÿen ‘die Aue der Familie Randier’ (1663 u. später, Turtmann), in Riedigen Eyen ‘in der Aue der Leute vom Ried’ (1716, Visp), t Ritzigereie ‘die Aue der Leute von Ritzingen’ (Ritzingen), ad insulam sarquenensium ‘(lat.) bei der Aue der Leute von Salgesch’ (1640, Salgesch; unklar, ob Name oder Appellativ), in Schuͦmachrigo Eÿen ‘die Aue der Familie Schuhmacher / der Leute des Schuhmachers’ (1592, Visp), in der Seitter Eÿgen ‘in der Aue der Leute von Seit’ (1603, Ritzingen), Selkiger Eije ‘die Aue der Leute von Selkingen’ (Selkingen), Suters Eÿa ‘die Aue der Familie Suter’ (1548 u. später, Baltschieder), Theyllerseÿe ‘die Aue der Familie Teiler’ (1774, Ernen), in das Ursers Eÿen ‘in der Aue des Mannes aus dem Urserntal (UR)’ (1718, Oberwald), ts Weibelsch Eia ‘die Aue des Weibels’ (Geschinen), jn Wÿdigen Eigen ‘in den Eien (Auen) der Familie Wyden’ (1597, Visp), dez Wirtz Oya ‘die Aue des Wirtes / des Wirt (PN)’ (1369, Raron), Zittersch Eia ‘die Aue der Familie Sitter / Schitter’ (Baltschieder). Diese Genitive bezeichnen häufig die Besitzer der Auen. Die alten Genitive auf /-ER/ (z. B. Ritziger ‘der Leute von Ritzingen’) wurden hieher genommen, obwohl sie heute oft als Adjektive analysiert werden.

Als Grundwort in zweigliedrigen Komposita ist das HL mit Tiernamen verbunden: di Blageia ‘die Aue, wo verendete Tiere begraben wurden’ (Glis, Visp), ts Geiseii ‘die kleine Aue für die Ziegen’ (Baltschieder, 2 Belege), ts Geiseielti ‘die kleine Aue für die Ziegen’ (Oberwald), t Haneia ‘die Aue für die Hähne’ (Fieschertal, aber unsicher, laut Gwp. auch Honeia), t Kalbereia ‘die Aue für die Kälber’ (Brigerbad), t Kalbereie ‘die Aue für die Kälber’ (Geschinen), im Plageỳiltÿ ‘die kleine Aue, wo verendete Tiere begraben wurden / die minderwertig sind’ (1862, Turtmann), t (e)Rosseia ‘die Aue für die Pferde’ (Brigerbad), in der Ross Eyen ‘in der Aue für die Pferde / mit dem Röstplatz für Hanf und Flachs’ (1664, Geschinen; Ross ist unklar), in der Ros Eÿen ‘in der Aue für die Pferde’ (1808, Münster; 1678 insulam Equinam ‘die Ross-Aue’), t Wolfeia ‘die Aue der Familie Wolf (liegt in Rottenebene, wo kaum Wölfe zu erwarten sind)’ (Raron). Nicht alle Belege sind sicher; typischerweise wurden Auen als Ziegenweide gebraucht.

Eine Reihe von Pflanzennamen treten ebenfalls auf: die Bännereia ‘die bänderförmige Aue’ (Turtmann), t Bircheya ‘die Aue beim Weiler Birch (Birkengehölz)’ (Fiesch), ts Doorueii ‘die kleine Aue mit Dornengesträuch’ (Raron), zen Doroien ‘bei den Auen mit Dornengesträuch’ (1303, Niedergesteln), di Doreia ‘die Aue mit Dornengesträuch’ (Visp), t Flaggseie ‘die Aue mit Flachs’ (Ulrichen), in der Flaxeien ‘in der Aue mit Flachs’ (1741, Ritzingen), in der Flax=Eÿen ‘in der Aue mit Flachs’ (Münster), in der Holtz Eÿen ‘die Eie (Aue) mit Holz (Wald)’ (1675, Turtmann), t Lärcheie ‘die Aue beim Lärchenwald’ (Ulrichen), in die Peschereye ‘die Aue mit Erbsenfeld (sofern überhaupt Aue!)’ (1706, Salgesch), t Runeia ‘die Aue mit Baumstöcken’ (Blatten, sofern nicht das Adjektiv rund enthalten ist). Die Form der Aue spielt eine Rolle in t (e)Radeia ‘die Aue beim Gebiet Rad (radförmiges Gebiet, in Brigerbad)’ (Lalden), t Rundeia ‘die runde Aue’ (Raron), Rÿemen Eÿen ‘die riemenförmige Aue’ (1562 u. später, Brigerbad; 1530 Rymen Eyun). Bei einer Reihe von Komposita ist wohl eine nahegelegene Flur oder ein Gebiet gemeint, so etwa bei t Abbrucheiu ‘die Abbruch-Eie (Aue im vom Wasser abgebrochenen Gebiet?)’ (Agarn, Leuk), in der Baneÿen ‘in der Aue beim Banngebiet’ (1594, Visp), in der Banneyen ‘in der Aue beim Banngebiet’ (1663, Baltschieder), in der Berggeÿen ‘die Aue beim bergwärts liegenden Gebiet’ (1677, Turtmann), in der Bergeÿen ‘die Aue beim bergwärts liegenden Gebiet’ (1634, Bürchen), ts Bärgeiji ‘die kleine Aue beim Gebiet, das bergwärts ansteigt’ (Raron), in der Fureye ‘in der Aue bei der Furche’ (1663, Biel), Mosoya ‘die Aue im Moos (sumpfiges Gebiet)’ (1427, Niedergesteln; 1307, Raron), Santhoỳa ‘die Aue beim Sandgebiet’ (1303, Raron), Sant Eÿa ‘die Aue beim Sandgebiet’ (1548 u. später, Baltschieder), Santhoyunt ‘die Aue beim Sandgebiet’ (1300 u. später, Niedergesteln), jn der Stegoyun ‘in der Aue beim Steg’ (1306, Lalden), ts Steineii ‘die kleine Aue beim Gebiet zum Stein’ (Raron, LT Steineji, FLNK Steneiji), di Taleia ‘die Aue beim Tal’ (Baltschieder, Eggerberg, Lalden und historische Beleg in Brigerbad und Visp; alle wohl für den gleichen Ort), Wereija ‘die Aue beim Wehr (Wehrbau der Vispe)’ (FLNK, Visp; LT Wehreye), dazu t Forder Wereia ‘die vordere Aue beim Wehr (Wehrbau der Vispe)’ (Visp; LT Vordere Wehreye), t Unner Wereia ‘die untere Aue beim Wehr (Wehrbau der Vispe)’ (Visp, LT Untere Wehreye). In einigen Belegen wird die Zuordnung der Aue zu einer Gemeinde oder einem Weiler ausgedrückt: t Laaldeia ‘die Auen, die zu Lalden gehört’ (Visp), in den Laldeÿen ‘in den Auen, die zu Lalden gehören’ (1768, Lalden), Laleija ‘die Aue, die zu Lalden gehört’ (FLNK, Eyholz), Turtigeiju ‘die Aue, die zu Turtig (Weiler von Raron) gehört’ (FLNK, Niedergesteln; LT Turtigeiu), in Turtigeÿen ‘in der Aue, die zu Turtig (Weiler von Raron) gehört’ (1507, Raron).

Einen Sonderfall stellt das mehrfach belegte, zweitbetonte Tscharei mit Varianten dar. ZIMMERMANN (1968, 41 f., s. v. Scharei) stellt es zu Eie und deutet Schar als eine Uminterpretation von zer. Dagegen spricht, dass auch Inden (di) Tschareie kennt und dass deswegen vermutlich eine frpr. Form von lat. CARRUS ‘Karren’ (FEW 2, 426 ff.; GPSR 3, 385 s. v. charray) oder ähnlich vorliegt (cf. HL TSCHAREI).

Komplexere Formen mit dem HL als Grundwort sind etwa: Getschhauteeije ‘die Aue unterhalb der steilen Halde / der Halde oberhalb des Morastes’ (Ritzingen), in den Grimpeil Eÿen ‘in den Grindbiel (Hügel, der wie ein Felskopf (Grind) aussieht’ (1626 u. später, Glis) (Grindbiel kann auch zu Grund gestellt werden; die ältesten Belege dieses Kompositums in Glis enthalten jedoch schon ein /i/ (z. B. 1270 (ca.) Crinpuil, 1279 Grimpuel, 1299 Grimpuele usw.). Es gibt allerdings auch ein Grundbiel (z. B. 1339 zem Grvnt Buͦle), das als Typ besser belegt ist. Entsprechend sind auch an die Grundbuͤleyen ‘die Aue beim Grundbiel (Hügel im Grund)’ (1622, Glis) und in den Neŭen Gliser Grŭndbieleÿen ‘die neue Aue in den Grundbielen (Hügeln im Grund) von Glis’ (1858, Glis) bezeugt. Unsicher ist auch Klein Brotgien Eÿa ‘die Aue, die wie ein kleines Brot aussieht’ (1617, Filet). in der Nüwen Ausgetheilten Eÿen ‘in der neuen, zugeteilten Aue’ (1717, Turtmann) zeigt, dass Auen im Rottengrund den Burgern neu zugeteilt wurden.

Als Bestimmungswort ist das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern verbunden: Alpa, Biina, Brigga, Brunnu, Chriz, Fääsch, Gassa, Haalta, Grabu, Licka, Los, Matta, Sand, Schleif, Schluocht, Straas, Stutz, Tola, Tschugge, Wald, Wasser und Weid. Komplexere Formen sind etwa di Turtigeiuleesser ‘die zugeteilten Grundstücke bei der Aue bei Turtig (Ortsteil von Raron)’ (Niedergesteln), in den Vndren Eÿmatten ‘in den unteren Wiesen bei der Aue’ (1739, Turtmann), t Wereiuleesser ‘die zugeteilten Grundstücke bei der Aue bei der Weri (Wehrbau bei der Vispe)’ (Visp) und t Indru und t Üssru Eiutola ‘die innere und die äussere Mulde bei der Aue’ (Eisten) und andere mehr.

Zur Form Ow / Oue (kann sowohl zu Eie wie zu Aue (Schaf) gehören) stellen sich Jn der Owmattun ‘in der Aumatte / in der Schafmatte’ (1580, Guttet) und in Owlandschboden ‘im Boden des Eiland(?)’ (1779, Staldenried), wobei der Genitiv auch zu einem PN gehören kann, der sonst nicht belegt ist. Auch ts Öuchumm ‘das Chumm (Mulde) mit einer Aue’ (Münster, zwei Belege) und der Öuchummsee ‘der See bei der Chumma (Mulde) mit der Aue’ (Münster) sind hieher zu stellen.

VSNB, Bd. 2, Sp. 50

Vorkommen

ei

eia

eiä

eia

eiä

eia

eiä

eia

eie

eielti

eieltin

eien

eige (Eie)

eigen (Eie)

eii

eiilti

eiiltini

eija

eije

eiji

eijilti

eiju

eijulti

eijuti

eili

eiu

eiultini

eiun

eiuti

eji

ey (Eie)

eya

eye

eyelti

eyeltin

eyen

eys

eyun

öü

oue

ow

oww

oya