Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Chumma

Chumma ist ein häufig belegtes Lemma, das zu schwdt. Kum, Gumm m., Chumme(n), wdt. Chumma, Chummä (Lötschtal) Chummu f. ‘wellenförmig gekrümmte Bodenfläche, bes. enge, mulden- oder kesselförmige, geschützte, mit Pflanzenwuchs bedeckte Ausbuchtung im Gebirge, entweder im Hintergrund von Tälern oder in den Abhängen, wo sich dann etwa Alpenwege hinaufschlängeln; Bergwinkel, Vertiefung, Höhle, Engpass zwischen Felsen, kleinere Seitenschlucht (Viele dieser Chummen sind beliebte Alpstafel)’; ‘tiefe Wassergrube, eine Art Zisterne, Wasserbehälter im Freien’; Kum(p) ‘enger Verschlag aus Latten und Stäben, zur Aufbewahrung von Heu oder Unterbringung von Hühnern und jungen Ziegen’; ‘Hügel, Bergkopf’ zu stellen ist. Im Walliser Kontext kann es direkt aus frz. combe, frpr. comba ‘kleines Tal , Bergschlucht’ entlehnt sein (cf. HL COMBE) (ID. 3, 290; GRICHTING 1998, 55); es ist aber auch als Lehnappellativ im Alemannischen belegt. Die spät verschobene Form Gumma kommt nur einmal in Griesgumma (Zermatt) vor, ist dort aber unsicher. In den Deutungen wird es regelmässig als ‘Mulde’ benannt – auch wenn im Einzelfall eine andere Umschreibung zutreffender sein könnte.

In einigen Fällen sind die FaN Kummer oder Inderkummen nicht auszuschliessen (cf. HL KUMMER (FAN)); wenn kein Entscheid getroffen werden kann, sind in der Datenbank beide HLL angegeben.

Das Simplex Chumma (auch: Chumme, Chummu, Chummä) im Singular und Plural (dann: Chumme) ist häufig; Diminutive im Singular (Chummi, Chummelti, Chummutji, Chummetli, Chummilti, Chummetji) und Plural (Chummini, Chummeltini, Chummutjini, Chummetlini, Chummiltin, Chummetjini) ebenfalls. Besonders auffällig sind die Bildungen vom Typ Chummetji in Ergisch und Unterbäch – es handelt sich dabei um die gleiche Gegend (die Gemeinden grenzen dort aneinander). Ein Einfluss eines frpr. Combetta ist hier möglich (zum Thema /-ETLI/ siehe HOFER 2012, 13–87).

Adjektivische Attributbildungen sind etwa Roti Chumma (Baltschieder, Betten, Eggerberg, Leukerbad, Mund, Ried-Mörel, St. Niklaus, Simplon), Scheeni Chumma (Betten, Hohtenn, Niedergesteln, Unterbäch, Bürchen), Arvi Chumma (Betten, Filet, Ried-Mörel), Steinig Chumma (Bellwald, Blatten, Reckingen), Blindi Chumma (Gampel, Bratsch), Wiit Chumma (Erschmatt, Ferden, Ried-Brig, Ulrichen) und andere. Genitive als Besitzer oder Nutzer sind ebenfalls belegt: Bruoders Chumma (Binn), Eischtersch Chumma (Greich), Litschchumme (Reckingen), Manders Chumma (Betten), Martisch Chumma (Simplon), Niggigo Chumma (Ried-Mörel), Peroldo Kummen (Guttet), Tschoolisch Chummu (Unterems, Turtmann), Üerlicher Chumm (Ulrichen). Der letzte Beleg lässt sich auch als Adjektiv deuten. Unsicher ist Peischchumma (Ausserberg) – das Bestimmungswort Peisch sieht zwar wie ein Genitiv aus, es ist aber unklar, zu welchem Personennamen.

Chumma kommt auch als Grundwort von Komposita vor. Häufig ist der Typ Öugschtchumma ‘Chumma, die erst im August bestossen wird’ in rund zehn Gemeinden. Von den übrigen bezeichnen einige Besitzer oder Nutzer wie Bättmerchumma (Grengiols), Bobmerchumma (Blitzingen), Färdan Chummun (Ferden), Herchumme ‘die Chumma des Pfarr-Herrn’ (Reckingen), Munder Chumma (Mund), Rarenkummen (Raron) und andere. In einigen Fällen sind die Tiere genannt, die auf der Chumma gealpt werden: Rinderkumma (Salgesch), Rinnärchummu (Gampel), Rinnerchummu (Varen), Rosschumma (Täsch) und Ochsenkumme (Visperterminen); unklar ist Moorechumme ‘Chumma für die Alpung von Schweinen’ (Grengiols). In manchen Fällen sind benachbarte Alpen oder Fluren erfasst wie in Urschgechumme (Reckingen), Rachartchummu (Wiler), Hellchummu (Salgesch) und Gorweichummu (Varen). Auch komplexere Bildungen sind möglich wie Gross Öugschtchumma (Raron, Termen), Längi Ängschti Chumma ‘(wohl) die lange Chumma der Familie Engschen’ (Raron), das später in ‘engste’ umgedeutet wurde, und weitere. Komplexer sind etwa Zweit Chummelegi ‘die zweite Sperre bei der Chumma’ (Reckingen) oder Witzi Chummugrabu ‘der Graben bei der Witzichummu’ (Ergisch), wobei in Witzi ein alter, romanischer PN (Wittenzon) steckt.

Als Bestimmungswort ist Chumma (auch Chumm-) verbunden mit Acher, Alpa, Bach, Blatta, Bloos, Bodu, Bord, Brigga, Chlei – Chlii, Dorf, Egg(a), Fall, Fad, Furgga, Gol (hier: Goletta), Graat, Grabu, Haalta, Hooru, Hubel, Hüs, Legi, Licka, Lischa, Loch, Mällich, Port, Ranft, Räbe, Ritz, Runs, Sand, Schiir, Schleif, Schluocht, See, Sidel, Stiia, Stadel, Stafel, Steg, Tiri, Tola, Tschugge, Ture, Wäg, Wald, Wasser und Weng. Häufig sind die Komposita zu Chumma als Alpname gebildet. Zusammengesetzt sind Abeweid und Wasserleita.

Als Ableitung ist Chummerra ‘Wasserleite, die an der Chumma vorbeiführt’ (Raron) mehrfach belegt; er enthält eine /-ERRA/-Ableitung (SONDEREGGER 1958, 471 ff.). Einen anderen Typ zeigt Kumberro ‘die Leute von der Chumma, die Familie Kummer’ (Bürchen, Raron), der einen Genitiv Plural aufweist.

Die vielen Flurnamen mit Chumma zeigen, dass die Geländeform, die mit ‘Mulde’ wiedergegeben wird, als geschütztes und deswegen gut benutzbares Alp- und Nutzgebiet geschätzt wurde.

VSNB, Bd. 1, Sp. 377

Vorkommen

chumm

chumma

chummä

chumma

chummä

chumma

chummär

chumme

chummelti

chummeltinen

chummeltini

chummen

chummer (Chumma)

chummera

chummerra

chummerru

chummet

chummetji

chummettji

chummi

chummilti

chummini

chummju

chummu

chummulti

chummun

chummuti

chump

cummen

gumma

kum

kumben

kumberro

kumbi

kumbiltin

kumbiltinen

kumbon

kumbun

kumby

kumen

kumilti

kuminen

kumm

kumma

kummä

kumma

kummä

kumma

kumme

kummele

kummelti

kummeltin

kummem

kummen

kummera

kummeten

kummetten

kummettjini

kummi

kummilti

kummiltin

kummiltini

kumminen

kummini

kumminu

kummje

kummliger

kummu

kummun