Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Platz

Platz m. ‘Platz’ ist zu schwdt. Platz, Blatz m. wie nhd. ‘Platz (in Städten und Dörfern); freier Platz vor Häusern; Weideplatz; Stelle, Ort’, mhd. platz m. und wdt. Plazz ‘Platz, Raum’ (ID. 5, 254 ff.; GRICHTING 1998, 153) zu stellen. Die von ZINSLI (1984, 78) erwähnte Deutung von Platz als “der Hauptort des Tales” ist für das Oberwallis so nicht belegt. Das HL kommt aber in rund 130 Namen vor.

Das Simplex im Singular der Platz, ufem Platz ‘auf dem Platz’ (Zermatt und weitere zehn lebende, sowie drei historische Belege) meint häufig den Dorfplatz, manchmal auch den Teil des Dorfes um diesen Platz herum. Das Diminutiv im Singular ist als das Platzgÿ (1636, Brigerbad, als Alternative steht Hängärtlÿ, cf. HL GARTEN und HL HEIM), ufum Platzji (Oberems), Platzji (Lax), Plazzji (Eggerberg) und uf dem Platzÿn (1707, Ried-Brig) belegt; auch hier sind meistens der Dorfplatz oder ein Teil des Dorfes gemeint. Der Plural des Diminutivs des Simplex ist nur in aúff den Platzgÿnen (1735, Törbel) belegt.

Attributive Adjektive zum HL sind: ufem Chlein Platz ‘auf dem kleinen Platz’ (Kippel) und an den Gemeinen Blatz ‘der Platz, der der Gemeinde gehört’ (1485, Kippel).

Vorangestellte Genitive sind selten: Hotschplatz ‘der Platz der Familie Hotz’ (Naters, FLNK Hotzplatz), ts Hunzikersch Platz ‘der Platz, wo der Herr Hunziker Schiefer, Kalk und Giltsteine ausbeutete (Gwp.)’ (Stalden), ts Michligsch Platz ‘der Platz der Familie Michlig’ (Ausserbinn), Sankt Martiniplatz ‘der Platz vor der Kirche St. Martin’ (FLNK, Visp), ufum Sebaschtiansplatz ‘auf dem Platz bei der Kapelle des hl. Sebastian’ (Brig), der Zeichnigsplatz ‘der Platz, wo das Vieh gekennzeichnet wird’ (Turtmann). Ein komplexer Fall ist ts Schülliersch Chollplatz ‘der Platz, wo ein Mann namens Julier Kohle gebrannt hat’ (Gampel).

Von den zweigliedrigen Komposita mit dem HL als Grundwort ist primär der Typ der Chollplatz ‘der Platz, wo Kohle gebrannt wurde’ (Stalden) zu erwähnen, der (einschliesslich historischen Belegen, Diminutiven und /l/-Vokalisierung zu Chou ‘Kohle’) rund 45 Mal belegt ist – es handelt sich durchwegs um Orte, an denen Holzkohle gebrannt wurde. Dazu kommen komplexe Formen wie ts Cholbrännerplatzji ‘der kleine Platz für das Brennen von Kohle’ (Oberems), der Ober Chouplatz und der Unner Chouplatz (beide Ausserbinn; Gwp. meint allerdings, es sei im unteren Kohlplatz Kalk gebrannt worden), sowie der Reckiger Cholplatz ‘der Platz, wo die Leute von Reckingen Kohle gebrannt haben’ (Ulrichen). Fünf Mal belegt ist der Märtplatz ‘der Marktplatz’ (Brig, Naters, Stalden, Turtmann, Visp), wozu in Visp noch der Chöüfplatz ‘der Kaufplatz (Platz in der Visper Altstadt mit Läden)’ (FLNK) kommt. der Dorfplatz ‘der Dorfplatz’ (Grächen, Naters, Reckingen, Termen) kommt vier Mal vor. Mit sportlichen oder spielerischen Tätigkeiten kommen vor: der Füesballplatz ‘der Fussballplatz’ (Oberwald, Varen), der Ischplatz ‘der Platz mit Eis (Eisbahn)’ (Grächen), zum Chegelplatz ‘beim Kegelplatz (Platz, auf dem gekegelt wurde)’ (Varen), Marfulplatzji ‘der Platz, wo man mit Murmeln spielen kann’ (Birgisch), Olympiaplatz ‘der Olympiaplatz (unklar)’ (Wiler) (auf 2400 m gelegen, wohl ein Ort für den Skirennsport bei Olympischen Spielen), dr Schwingplatz ‘der Schwingplatz’ (Ferden), der Sportplatz ‘der Sportplatz’ (Embd, Randa, Stalden). der Zältplatz ‘der Zeltplatz (ebener Platz am Rhonegletscher, der aussieht wie ein Zeltplatz)’ (Oberwald) ist – im Gegensatz zu der Ggampingplatz ‘der Campingplatz’ (Ulrichen) – gerade kein Zeltplatz, sondern sieht nur so aus. Mit dem Essen haben der Früestuckplatz ‘der Platz, wo man das Frühstück eingenommen hat’ (Randa) und der Früestucksplatz ‘der Platz, wo man das Frühstück eingenommen hat’ (Leukerbad) zu tun, beide Plätze liegen hoch auf dem Weg zu den Gipfeln. der Paläntuplatz ‘der Platz, wo man Polenta (Gericht aus Maismehl) kochte’ (Gampel) wurde beim Holzschlagen besucht. Mit dem Bergsteigen hat auch der Schlaafplatz ‘der Platz zum Schlafen (für die Bergsteiger vor dem Bau der Mischabelhütte)’ (Saas-Fee) zu tun. Gebäude, an denen ein Platz liegt, sind in Namen wie Chirchplatz ‘der Kirchplatz’ (FLNK, Zermatt), der Bildjiplatz ‘der Platz mit einem kleinen Bild (Kreuz an einem Speicher)’ (Visperterminen), der Schuelhuisplatz ‘der Schulhausplatz (in Gondo)’ (Zwischbergen), der Schüelhüsplatz ‘der Schulhausplatz’ (Brig), ufum Wäginerplatz ‘der Platz beim Haus der Familie Wegener’ (Brig), der Zollplatz ‘der Platz beim Zollamt (in Gondo)’ (Zwischbergen) belegt. Einen mythischen Sinn hat wohl t Seelunplatzjini ‘die kleinen Plätze für die (Armen) Seelen’ (Eggerberg), die sich wohl auf die Erzählungen von den Seelentagen (WALLISERSAGEN 1872, 211) beziehen. Einer Reihe weiterer Bestimmungswörter nennen nahegelegene Fluren, Pflanzen oder Tätigkeiten, auf die bei den einzelnen HLL eingegangen wird. Ausser den schon erwähnten Fällen gibt es nur einen komplexen Beleg: den alten Bleüwe Platz ‘der Platz bei der alten Hanf- oder Flachsmühle’ (1860, Glis).

Als Bestimmungswort ist das HL mit nur zwei Grundwörtern in zweigliedrigen Komposita belegt: Gassa und Matta. Dazu kommt das komplexe Platzwasserleiten ‘die Wasserleitung vom / zum Platz’ (1849, Martisberg).

VSNB, Bd. 3, Sp. 376

Vorkommen

blatz

platz

plätz

platz

plätz

platz

plätz

platz

plätzen

platzgy

platzi

platzini

platzji

platzjini

platzli

platzÿn

plazzji

pletz