Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Läg

Läg und davon abgeleitete Varianten sind zum schwdt. Adj. läg, lēg ‘liegend, sanft geneigt, fast eben, flach, von Dächern, Treppen; Gras, Getreide (am Boden liegend)’, mhd. laege ‘niedrig, flach’ zu stellen; daraus schwdt. Läg, wdt. Lägi f. ‘(schiefe) Ebene’ und schwdt., wdt. glegnen und lägend ‘flach liegend, eben’, daraus das Substantiv schwdt. Lägendi, wdt. Lägni, Lägendi (Goms), Lägi (Lötschtal), Lägundi f. ‘ebenes Land, Ebene’ (ID. 3, 1166, ZINSLI 1945, 329; GRICHTING 1998, 125) gestellt werden.

Die Ableitungen Lägi (Raron, Wiler) und Lägni (Binn, Steinhaus, Oberwald) sind als Simplizia belegt, der historische Beleg Lägen (erstmals 1649, Ernen) ist laut FLNK zu Lägni zu stellen. Als Grundwort ist das HL als di Bellwaldlägi ‘die Ebene der Familie Bellwald’ (Blatten), t Cholerlägi ‘die Lägi (Ebene) im Cholerwald, wo Kohle gebrannt wurde’ (Hohtenn), t Eigelägni ‘das ebene Grundstück, das Eigengut ist’ (Grengiols), t Rooslägi ‘die ebene Roosse (Röstplatz für Hanf und Flachs)’ (Wiler), t Schindellägi ‘der Ort, wo man Schindeln lagerte (?)’ (Kippel), di Trischtälläginä ‘die Ebenen beim Heustock’ (Wiler), di Tschorrillägi ‘die Ebene bei den Tschorrini (kleine Felsen)’ (Ferden) belegt. Einen Sonderfall stellt t Nazleenerlägi (Kippel) dar: der Eigenname Ignaz Lehner bezieht sich auf jemand, der dort verunfallt ist. Lägni ist als Grundwort nur mit Eige (Grengiols) (siehe oben) und in die obren Brŭnnen Lägnÿ ‘das ebene Land bei den oberen Brunnen / Quellen’ (1610, Ried-Mörel) vertreten.

Attributive Adjektive zum komplexen HL sind etwa t Mittluscht, t Obruscht und t Undruscht Horilägi ‘der mittlere, der obere und der untere Teil der Ebene beim Horn’ (Ferden), t Ober und t Under Bellwaldlägi ‘der obere und der untere Teil der Ebene der Familie Bellwald’ (Blatten), t Ober und t Under Chrindällägi ‘der obere und der untere Teil der Ebene in der Chrindällun (Ritze, Spalte)’ (Blatten).

Als Bestimmungswort tritt Lägi in Lägiacher (Hohtenn) auf.

Das Adjektiv Läg erscheint als Bestimmungswort in Läghoru / Läghorn (Niedergesteln, Steg; Gipfel auf rund 2877 m; auf LT auch Inners und Üssers Läghorn). Als flektiertes Adjektiv kommt es in ts Lägu Gand ‘der ebene Platz mit Felsgeröll’ (Randa) und t Lägun Achra ‘die ebenen Äcker’ (Blatten) vor.

Das Partizip Präsens Lägund (historisch auch Legend) wird als Attribut häufig verwendet, mit Nomina wie Biel, Bodu, Gang, Graat, Gufer, Matta, Moos, Schleif, Tschugge, Treije, Wäg, Wald und Wasser (hier: Bach). Das Partizip Perfekt Glegnen ist als Glegnen Wald ‘der eben gelegene Wald’ (1525, Stalden) und als G’legnen Waldt ‘der eben gelegene Wald’ (1525, Grächen) belegt.

VSNB, Bd. 3, Sp. 35

Vorkommen

glegnen

läg

lägen

lägend

lägendi

lägi

läginä

lägni

lägu

lägun

lägund

lägundi

lägundu

leeg

legend

legendt