Wild
Wild Adj. ‘wild, unkultiviert’ ist zum schwdt. Adj. wild, im Wallis auch wilt, ahd. wildi, mhd. wilde, in FlN ‘entlegen, unwirtlich, karg’ auch ‘naturbelassen, unkultiviert’ und wdt. wilt ‘wild, ungestüm’ (ID. 15, 1498 ff.; GRICHTING 1998, 239) zu stellen. Das Substantiv schwdt. Wild n. ‘freilebendes, jagdbares Tier’ und wdt. Wilt ‘Wild’ (ID. 15, 1536; GRICHTING 1998, 239) ist davon abgeleitet. Eine zweite Ableitung ist das Abstraktum Wildi, Wilti f., Pl. -enen ‘Unwirtlichkeit; einsame, öde, unerschlossene Gegend, Brachland, überwachsenes Kulturland bes. ungepflegtes Rebland’ und ‘Magerwiese bes. in höchster Lage, zur Gewinnung von Wildheu’, mhd. wilde f. und wdt. Wildi ‘Oedland (unbebaut)’ (ID. 15, 1529 ff.; SDS 1, 165; GRICHTING 1998, 239).
Das Adjektiv wild, auch wilt tritt attributiv flektiert und unflektiert zu den Grundwörtern Äbi, Acher, Bodu, Esch, Fura, Güet, Grund, Grüeba, Höu, Ledi, Löuwina, Mad, Matta, Ranft, Rigg, Schluocht, Stadel, Stüde, Wang, Weid und Wier. Komplexer sind an den Wilden Kamer Knubel ‘an den wilden Hügel beim Chammer (vermutlich Chammergraben des Kelchbachs)’ (1736, Naters), Wilti Chrieschmatte ‘die Wiesen bei den wilden Kirschbäumen’ (FLNK, Eischoll).
Zweigliedrige Komposita mit dem Adjektiv wild / wilt als Bestimmungswort sind der Wildstrubil ‘der Wildstrubel (Gipfel- und Gebirgsname, LT Wildstrubel)’ (Leukerbad) (cf. HL STRUBEL), dazu der Wildstrubilgletscher ‘der Gletscher unter dem Wildstrubel (LT Wildstrubelgletscher)’ (Leukerbad), und der Wiltbodo ‘der wilde Boden (Boden, der nicht kultiviert ist)’ (Eggerberg).
Das Nomen Wild kommt im Bestimmungskompositum Wildhieter ‘Wildhüter’ in Wildhieterhitta ‘die Hütte der Wildhüter’ (FLNK, Ferden; LT Wildhüterhütte) und in Steiwildpfad ‘der Pfad für das Steinwild’ (FLNK, Saas-Balen) vor.
Wildi f. ‘das unfruchtbare, unkultivierte Gebiet’ ist sehr häufig. Das Simplex im Singular ist als t Wildi / t Willdi ‘das unfruchtbare, unkultivierte Gebiet’ (Ausserberg und vierzig weitere Belege), je zweimal als uf der Wildi ‘auf dem unfruchtbaren, unkultivierten Gebiet’ (Hohtenn, Saas-Fee), in der Wildi (Wiler, zweimal) und je einmal t Wiudi (Blitzingen) und t Wildin (Blatten), sowie historisch als die Wÿldin (1576, Unterbäch), in der Wildi (1800, Steg), aŭf der Wilten (1652 u. später, Oberems) und variierenden Schreibweisen in fünfzehn weiteren Gemeinden und in allen Bezirken gut belegt. Der Plural des Simplex ist dagegen wenig bezeugt: in den Wildenen (1845, Glis), t Wildinä (Blatten, Wiler), t Wildini (Bratsch) und t Willdini (Erschmatt). Als Diminutiv sind belegt: das Wildilin ‘das kleine unfruchtbare Gebiet’ (1719 u. später, Simplon) und jm Wildilli ‘im kleinen unfruchtbaren Gebiet’ (1639, Saastal).
Mit attributiven Adjektiven kommt das HL wie folgt vor: Änggischer Wildi ‘das unfruchtbare Gebiet bei Engersch’ (Erschmatt; ursprünglich Genitiv Plural), Breitu Wildi ‘das breite unfruchtbare Gebiet’ (Mörel), die Finster Wildi ‘das finstere unfruchtbare Gebiet’ (1751 u. später, Simplon), (lat.: communem) Wildin ‘das unfruchtbare Gebiet, das der Gemeinde gehört’ (1448, Naters), die Gmeine Wÿlde ‘das unfruchtbare Gebiet, das der Gemeinde gehört’ (1731, Brigerbad), di Grossi Wildi ‘das grosse unfruchtbare Gebiet’ (Hohtenn), in der (e)Riichu Wildi ‘im reichen unkultivierten Gebiet’ (Ferden) und Voder Wildi ‘das vordere unfruchtbare Gebiet’ (Randa).
Vorangestellte Genitive zum HL als Besitzer- oder Nutzernamen sind: Aldärschwildi ‘das unfruchtbare Gebiet der Familie Alder’ (Wiler), aŭf Bachers Wildi ‘auf dem unfruchtbaren Gebiet der Familie Bacher / des Bäckers’ (1844, Eyholz), in Barbillu Wildi ‘im unfruchtbaren Gebiet der Barbilla (PN)’ (1732, Lalden), Bonero Wildi ‘das unfruchtbare Gebiet der Familie Boner’ (1651, Mund), an Baltschiederro Wyldy ‘am unfruchtbaren Gebiet der Leute von Baltschieder’ (1708, Baltschieder), Baŭmgarttero Wyldÿ ‘das unfruchtbare Gebiet der Familie Baumgartner / der Leute vom Baumgarten’ (1637, Raron), Briggero Wildi ‘das unfruchtbare Gebiet der Familie Brigger’ (1691, Staldenried), die Bŭrgerwildi ‘das unfruchbare Gebiet der Burger’ (1858, Mund), die Kŭonen Wilde ‘das unfruchtbare Gebiet der Familie Kuonen / des Kuoni’ (1854, Glis), ts Grüebersch Wildi ‘das unfruchtbare Gebiet der Familie Gruber’ (Goppisberg), in Keisrigo Wildi ‘im unfruchtbaren Gebiet der Familie Kaiser’ (1673, Zwischbergen), ts Leetschisch Wildi ‘das unfruchtbare Gebiet des Lötschers / der Familie Lötscher’ (Hohtenn), dr Lengigen Wildi ‘das unfruchtbare Gebiet der Familie Lengen’, ts Lügisch Wildi ‘das unfruchtbare Gebiet der Familie Luggen’ (Bitsch), aúff Mosersch Wilde ‘auf dem unfruchtbaren Gebiet der Familie Moser’ (Eyholz), Pfaffigo Wildi ‘das unfruchtbare Gebiet der Familie Pfaffen / der Leute des Pfaffen’ (1664, Mund), Rÿttlerro Wildin ‘das unfruchtbare Gebiet der Familie Ritler’ (1664, Blatten), in Schmiddo Wildi ‘im unfruchtbaren Gebiet des Schmieds / der Familie Schmid’ (1696, Ausserberg), an Schnÿdrigo … Wildi ‘am unfruchtbaren Gebiet der Familie Schnidrig’, t Wiingaartnerwildi ‘das unfruchtbare Gebiet der Leute von Weingarten / beim Weingarten’ (Naters) und der Zylffen Wildi ‘das unfruchtbare Gebiet bei der Zilfa’ (1598, Zwischbergen) – hier ist eine nahegelegene Flur gemeint.
Zweigliedrige Komposita mit dem HL als Grundwort beziehen sich sonst meist auf nahegelegene Fluren wie z. B. t (e)Räbwildi ‘das unfruchtbare Gebiet bei den Reben’ (Visperterminen), t Ägerduwildi ‘das unfruchtbare Gebiet bei der Ägerda (Brachland)’ (Ausserberg), die Badwildi ‘das unfruchtbare Gebiet beim (Briger) Bad’ (1736, Brigerbad), di Gschteiwildi ‘das unfruchtbare Gebiet im Gestein’ (Mund) und viele andere. Komplexer sind etwa Grossmattuwildi ‘das unfruchtbare Gebiet bei der grossen Wiese’ (Lalden), Hoflüowildi ‘das unfruchtbare Gebiet bei der hohen Fluh’ (Visperterminen), Holzgraben Wilde ‘das unfruchtbare Gebiet beim Holzgraben’ (1853, Glis), t Undru Nässjuwildine ‘die unteren wilden (unfruchtbaren) Gebiete bei Ze Nässju (bei den Nesseln)’ (Hohtenn), t Unner Warbfliewildi ‘das unfruchtbare Gebiet bei den unteren Wartflühen (Flühe mit Aussichtspunkt)’ (Mund) und andere mehr. Eine noch komplexere Fügung zeigen ts Voodruscht der Wildi ‘zuvorderst des unfruchtbaren Gebietes’ (Randa) und t Wildi unner dum Güod ‘das unfruchtbare Gebiet unter dem Gut (als Guod eigener Name)’ (Brigerbad).
Als Bestimmungswort tritt das HL in zweigliedrigen Komposita zu folgenden Grundwörtern: Acher, Bodu, Chi, Egg(a), Gassa, Grabu, Grund, Hitta, Hooru, Löuwina, Matta, Schiir, Spitz, Suon, Teiff, Wald und Wasser. Komplexere Konstruktionen sind t Ober und t Under Wildinbletscha ‘der obere und der untere Teil der Bletscha (Ebene) in der Wildin (unfruchtbares Gebiet)’ (Blatten), ts Schmidowildicheer ‘der Kehr beim unfruchtbaren Gebiet der Familie Schmid / des Schmieds’ (Ausserberg) und andere.
VSNB, Bd. 4, Sp. 567
Vorkommen
wild
- Steiwildpfad Saas-Balen
- Wild Maad Kippel
- Wild Wang St. Niklaus
- Wildhieterhitta Ferden
- Wildiwald Bratsch
- Wildstrubil Leukerbad
- Wildstrubilgletscher Leukerbad
wilden
- Wilden Acker Saas Grund
- Wilden Boden Unterems
- Wilden Bodo Törbel
- wilden Chammerchnubol Naters
- Wilden Grund Gampel
- Wilden Matta Grächen
- Wilden Matten Feschel
- Wilden Matten Guttet
- Wilden Stadol Törbel
wildenen
- Wildenen Glis
wildi
- (e)Riederwildi Ried-Brig
- (e)Riichu Wildi Ferden
- Ägerduwildi Ausserberg
- Aldärschwildi Wiler
- Änggischer Wildi Erschmatt
- Bachers Wildi Eyholz
- Badwildi Brigerbad
- Barbillu Wildi Lalden
- Biälwildi Kippel
- Bonero Wildi Mund
- Böümgarttero Wildi Raron
- Breitu Wildi Mörel
- Briggero Wildi Ausserberg
- Burgerwildi Mund
- Chüonuwildi Glis
- Gemeine Wildi Naters
- Gmeine Wildi Brigerbad
- Gross Wildi Acher Hohtenn
- Grossi Wildi Hohtenn
- Grossmattuwildi Lalden
- Grüebersch Wildi Goppisberg
- Gschtepfwildi Eggerberg
- Gsteiwildi Mund
- Haaltjiwildi Brigerbad
- Hobielwildi Brigerbad
- Holzgrabo Wildi Glis
- Keisrigo Wildi Zwischbergen
- Leetschisch Wildi Hohtenn
- Lehnfuren Wildi Ried-Brig
- Lowwi Wildi Ried-Brig
- Lügisch Wildi Bitsch
- Mosersch Wildi Eyholz
- Ober Wildi Randa
- Ober Wildibodu Bratsch
- Pfaffigu Wildi Mund
- Risetwildi Eggerberg
- Schmido Wildi Ausserberg
- Schmidowildicheer Ausserberg
- Schnydrigo Wildi Mund
- Stepfwildi Eggerberg
- Tüübiwildi Mund
- Undru Wildiachra Bürchen
- Unner Warbfliewildi Mund
- Unner Wildi Staldenried
- Unner Wildi Randa
- Unner Wildibodu Bratsch
- Unneri Wildi Saas-Fee
- Voder Wildi Randa
- Warbfliewildi Mund
- Warth Flüo Wildi Brigerbad
- Wiingaartnerwildi Naters
- Wildi Filet
- Wildi Ried-Mörel
- Wildi Staldenried
- Wildi Mörel
- Wildi Zeneggen
- Wildi Saas-Balen
- Wildi Termen
- Wildi Brigerbad
- Wildi Embd
- Wildi Brigerbad
- Wildi Brigerbad
- Wildi Brigerbad
- Wildi Bürchen
- Wildi Mund
- Wildi Bitsch
- Wildi Steinhaus
- Wildi Randa
- Wildi Randa
- Wildi Eyholz
- Wildi Naters
- Wildi Kippel
- Wildi Betten
- Wildi Betten
- Wildi Unterems
- Wildi Ausserberg
- Wildi Glis
- Wildi Eischoll
- Wildi Greich
- Wildi Raron
- Wildi Eggerberg
- Wildi Steg
- Wildi Blitzingen
- Wildi Täsch
- Wildi Visp
- Wildi Hohtenn
- Wildi Unterbäch
- Wildi Fura Greich
- Wildi Grüebe Glis
- Wildi Grund Glis
- Wildi Ledi Glis
- Wildi Lowwi Ried-Brig
- Wildi Matta Bürchen
- Wildi Unner Dum Güod Brigerbad
- Wildi Wier Visperterminen
- Wildiacherli Hohtenn
- Wildiachra Glis
- Wildiachra Ausserberg
- Wildiachra Bratsch
- Wildichi Randa
- Wildigassa Glis
- Wildigrabe Grengiols
- Wildigrabe Martisberg
- Wildigrabo Embd
- Wildigrabo Eyholz
- Wildihoru Hohtenn
- Wildikin Randa
- Wildimättelti Glis
- Wildischiir Wiler
- Wildispitz Blatten
- Wildisüo Unterbäch
- Wilditeiffi Hohtenn
- Zilfen Wildi Zwischbergen
wildili
- Wildili Simplon
wildilli
- Wildilli Saastal
wildin
- Bielacher Wildin Hohtenn
- Ober Wildinbletscha Blatten
- Ryttlerro Wildin Blatten
- Under Wildinbletscha Blatten
- Wildin Blatten
- Wildingrabem Blatten
wildinä
wildine
- Nässjuwildine Hohtenn
- Obru Nässjuwildine Hohtenn
- Undru Nässjuwildine Hohtenn
wildinerro
- Wildinerro Bodu Niedergesteln
wildini
- Wildini Bratsch
wildt
- Wildt Howwete St. Niklaus
wildu
- Wildu Waldy Naters
willdi
- (e)Räbwilldi Visperterminen
- Fiischter Willdi Simplon
- Häluwilldi Simplon
- Hoflüowilldi Visperterminen
- Lengigen Willdi Simplon
- Loibwilldi Simplon
- Ober Willdi Visperterminen
- Obru Willdi Saas-Fee
- Obru Willdiachra Bürchen
- Senggwilldi Simplon
- Unner Willdi Randa
- Üsseru Willdi Saas-Fee
- Willdi Wiler
- Willdi Wiler
- Willdi Wiler
- Willdi St. Niklaus
- Willdi Embd
- Willdi Embd
- Willdi Embd
- Willdi Saas-Fee
- Willdi Saas-Fee
- Willdi Zermatt
- Willdi Zermatt
- Willdi Zermatt
- Willdi Simplon
- Willdi St. Niklaus
- Willdi St. Niklaus
- Willdi Grächen
- Willdi Grächen
- Willdi Gampel
- Willdi Grächen
- Willdi Visperterminen
- Willdi Visperterminen
- Willdi Visperterminen
- Willdi St. Niklaus
- Willdi Saas-Almagell
- Willdi Törbel
- Willdi Brand Visperterminen
- Willdi Houweten Embd
- Willdi Howwete Visperterminen
- Willdihittä Wiler
- Willdimattä Bratsch
- Willdiwaldji Grächen
willdini
- Willdini Erschmatt
willt
- Willt Äbi St. Niklaus
- Willt Grindji Turtmann
willta
- Willta Bratsch
willtu
- Willtu Matte Zeneggen
- Willtu Wengen Zeneggen
wilt
- Wilt (e)Rääfji Eggerberg
- Wilt Äbi Baltschieder
- Wilt Guot St. Niklaus
- Wilt Ledi Termen
- Wilt Maad Wiler
- Wilt Mad Unterbäch
- Wilt Matta Baltschieder
- Wilt Mattu Turtmann
- Wilt Rigg St. Niklaus
- Wilt Schlüecht St. Niklaus
- Wiltbodo Eggerberg
wilte
- Wilte Stüde Oberwald
wilten
- Wilten Oberems
- Wilten Matta Ried-Mörel
- Wilten Matten Raron
- Wiltengrund Turtmann
wilti
- Wilti Äbi Raron
- Wilti Chrieschmatte Eischoll
wiltu
- Wiltu Matte Oberems
wiltun
- Wiltun Esch Hohtenn
- Wiltun Matte Eischoll
- Wiltun Matte Agarn
- Wiltun Weide Eischoll
wiudi
- Wiudi Blitzingen
- Wiudieg Blitzingen
- Wiudiwasser Blitzingen
wyldin
- Wyldin Visp
wyldy
- Baltschieder Wyldy Baltschieder
wylt
- Wylt Howetta Eisten