Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Tritt

Tritt m. ‘Tritt’ ist zu schwdt. Tritt m., Dim. Trittli, Trittji bzw. Triggji, Tritti, wdt. Tritt ‘Tritt, Stufe’, in FlN ‘Felsstufe, enger steiniger Weg’, mhd. trit ‘Fussspur, Weg’ (ID. 14, 1504 ff.; GRICHTING 1998, 198; ZINSLI 1984, 587) zu stellen. In einigen Fällen kann auch ein Muster eines Fussabdrucks (Geisstritt, Hännutrittji) gemeint sein (vgl. ID. 14, 1525 s. v. Geiß-, Hennen-Tritt).

Das HL ist in rund 120 Namen belegt. Das Simplex im Singular Tritt m. ist zehnmal belegt, der Plural Tritta (Simplon) nur einmal. Das Diminutiv erscheint im Singular als Trigli (1701 u. später, Leuk), Trigy (1680, Betten; 1772, Bister; 1661, Ulrichen), ts Trittji neun Mal; im Plural als di Trittjini (Täsch), Ze Trittjinu (Zermatt) und beÿ den Tritÿnen (1771, Simplon). Einen Sonderfall stellt zum Tritt Ambrüüf ‘zum Tritt hinauf’ (Saas-Almagell) dar, der eine Stelle auf dem Weg zu einem Durchgang hinauf meint.

Mit einem attributiven Adjektiv ist vor allem der Typ der Beesch Tritt ‘der böse Tritt’ fünfzehn Mal belegt, einmal als Plural ze Beesche Trittu (Glis). Die übrigen Belege sind: der Eng Tritt ‘der enge Tritt’ (Baltschieder), zem Heejen Tritt ‘zum hohen Tritt’ (Ferden), der Chaalt Tritt ‘der kalte Tritt’ (Naters), bim Leide Tritt ‘beim schwierigen Tritt’ (Ritzingen, zu leid ‘unschön, hässlich’), dr Mittluscht Tritt ‘der mittlere Tritt’ (Ferden), der Obruscht Tritt ‘der oberste Tritt’ (Ferden), im (e)Rotun Tritt ‘im roten Tritt’ (Naters), an den Roth Tridt ‘an den roten Tritt’ (1576, Zwischbergen), der Undruscht Tritt ‘der unterste Tritt’ (Ferden) und t Unner Trittjini ‘die unteren kleinen Tritte’ (Täsch).

Vorangestellte Genitive zum HL sind: Gappisdrÿt ‘der Tritt des Gappi / der Familie Capi’ (1444, Obergesteln), Cappis Tritt ‘der Tritt des Gappi / der Familie Capi’ (1623, Ulrichen), ts lami Rootsch Tritt ‘des lahmen Rot(en) Tritt’ (Ferden, wohl Übername) und zem Tiifelschtritt ‘zum Teufelstritt (Spur des Teufels nach einer Sage)’ (Blatten). Komplexer ist ts Walkärsch Diäschttritt ‘der Diescht-Tritt der Familie Walker’ (Ferden).

Zweigliedrige Komposita mit dem HL als Grundwort werden mit Tiernamen gebildet: Eschultritt ‘Tritt für Esel’ (Grächen), Fuggstritt ‘Tritt für Füchse’ (Ausserberg, Naters), Fuggsutritt ‘Tritt für Füchse’ (Glis), Geisstritt ‘Tritt für Ziegen’ (Bürchen), dr Geistritt (Ferden, Wiler), Hännutrittji ‘der kleine Tritt der Hennen (hier wohl die Form der Weggabelung in der Rottenebene)’ (Agarn), der Chatzutritt ‘der enge Tritt (eigentlich: der Katzentritt)’ (Mund), dr Bäruntritt ‘der Durchgang bei der Bärufluä’ (Ferden), der Wolftritt ‘der Tritt für Wölfe’ (Naters, Hohtenn), der Wolfstritt (Leukerbad), t Wolftritta ‘die Tritte für Wölfe’ (Steg). Diese Tiernamen als Teil von Flurnamen sind im Einzelfall verschieden zu deuten und unterscheiden sich auch von den lexikalischen Bedeutungen, die im ID. etwa für Geißtritt (ID. 14, 1525) und andere aufgeführt sind.

Seltener sind Pflanzennamen als Bestimmungswörter, manchmal komplex: dr Edelwistritt ‘der Tritt mit Edelweiss (LEONTOPODIUM ALPINUM)’ (Ferden), der Hosefitritt ‘der Tritt bei den Hosefine (hohe Sefinen (JUNIPERUS SABINA))’ (Raron), ts Larschitrittji ‘der kleine Tritt oberhalb des Larschi (frpr. für Lärche)’ (Inden), der Birchtritt ‘der Tritt (steiler Felsdurchgang) im Bereich Birchi (Birkengehölz)’ (Naters) und ts Tannutrittgi ‘der kleine Tritt mit Tannen’ (Glis). Die Pflanzennamen für LEONTOPODIUM ALPINUM und JUNIPERUS SABINA sind in LAUBER / WAGNER / GYGAX (52014, 2059 und 92) belegt.

Die meisten Komposita weisen den Namen einer benachbarten Flur auf, z. B. t Fadtritta ‘die Tritte beim Felsband’ (Randa), ts Folljerettrittji ‘der kleine Durchgang oberhalb der Alpe Folljeret’ (Leukerbad), ts Jeiziltrittji ‘der kleine Tritt beim Jeizil’ (Steg) und viele andere. Komplexer sind etwa ts Holzmeistrittji ‘der kleine Tritt beim Holzmeiss (Holzschlag)’ (Gampel), der Ober Jegitritt ‘der obere Tritt in der Jegi (Jagdgebiet, Felsbänder)’ (Niedergesteln), dr Schwarz Balmuntritt ‘der Tritt beim schwarzen überhängenden Felsen’ (Ferden) und andere. Ein seltsamer Beleg ist der Namejesustritt ‘der Name-Jesus-Tritt’ (Glis) - soweit erkennbar, ist dort weder ein Bildstock noch eine Kapelle - ob es sich um ein Notgebet beim schwierigen Durchgang oder gar um einen Fluch handelt, ist unklar.

Als Bestimmungswort tritt das HL zusammen mit folgenden Grundwörtern auf: Bodu, Grabu, Pletscha, Schleif und Wäg. Komplexer sind etwa der Beeschtrittgrabo ‘der Graben beim bösen Tritt’ (Visperterminen) und t Beeschtrittschlüecht ‘die Geländeeinbuchtung beim bösen Tritt’ (Blitzingen).

VSNB, Bd. 4, Sp. 380

Vorkommen

drit

trigli

trigy

trip

trit

tritji

tritt

tritta

tritte

trittgi

trittji

trittjini

trittjinu

trittli

trittu

trittynen