Gufer
Gufer n. ‘Steingeröll’ ist zu (Berg-)schwdt. Gufer, wdt. Ggufer n., m. ‘Geröll, Schutt aus Kies, Erde und Steinen, als Produkt von Überschwemmungen, Verwitterung, Felsstürzen, bes. an wilden Bergabhängen; (Gletscher-) Moräne’ (ID. 2, 132; GRICHTING 1998, 92) zu stellen. In den Ortsnamen ist, soweit überhaupt erkennbar, das Genus Neutrum, während ID. als Genus Maskulin und Neutrum angibt. ZINSLI (1945, 322) gibt ebenfalls beides an, desgleichen URNB (2, 99) und BENB (1, 2, 133 f.). Zu vermuten ist, dass Gufer m. im Oberwallis einen einzelnen, meist kleinen Stein meint, während Gufer n. ein Kollektiv ist, das hier als ‘Steingeröll’ gedeutet wird. Wenn in den Beschreibungen der Namen nichts anderes steht, ist diese Deutung gegeben; im Einzelfall kann es sich aber um grössere Steine handeln, ähnlich wie beim HL STEI. Zur Komplexität des Ausdrucks siehe auch ZINSLI (1945, 156 u. passim). Lautlich auffällig ist die seltsame Form di Guifrä (Ferden), vermutlich ein Fem. Sg., die langes, geschlossenes /u:/ voraussetzt, das sonst nie für Gufer belegt ist; vermutlich gehört diese Form und die zu ihr gehörenden der Guiferwald und di Guiferweid (beide Ferden) zum HL GÜÜFRA ‘Abgrund’. Das HL GUFER ist in rund 190 Namen belegt.
Das Simplex ts Gufer, auch als im Gufer, ist rund zwanzig Mal belegt. Das Simplex Guferli ‘kleines Gebiet mit Steingeröll’ vierzehn Mal. Eine unsichere Lesung ist 1664 für Filet mit in den Gufer(linen?) ‘in den kleinen Gebieten mit Steingeröll’ belegt; sonst fehlen Plurale durchwegs.
Attributive Adjektive zu Gufer sind vor allem ts Blaaw Gufer ‘das blaue Steingeröll’ (Zermatt), ts Graaw Gufer ‘das graue Steingeröll’ (vier Belege), ts Grie Gufer ‘das grüne Steingeröll’ (Oberwald), ts Grooss Gufer ‘das grosse Gebiet mit Steingeröll’ (etwa zehn Belege), ts Rosaatgufer ‘das rosarote Steingeröll’ (Grächen), ts Rot Gufer ‘das rote Steingeröll’ (acht Belege), einmal im Plural ze Rote Gufru ‘bei den roten Steinen’ (Saas-Almagell) und ts Wiiss Gufer ‘das weisse Steingeröll’ (vier Belege), also Farbe des Gesteins und Grösse. Daneben gibt es relative Lagen ts Üsser Gufer ‘das äussere Steingeröll’ und ts Inner Gufer ‘das innere Steingeröll’ (beide Saas-Balen), ts Hogufer ‘das hochgelegene Steingeröll’ (Ernen, Grengiols) (unsicher ist 1469 in Ernen an tho Gŭffer, das aber zum lebenden Beleg passt). Weitere sind etwa ts Gaalt Gufer ‘das unfruchtbare Gebiet mit Steingeröll’ (Baltschieder), zem Lenggufer ‘beim langen Gebiet mit Steingeröll’ (Kippel) und ts Lägund Gufer ‘das eben verlaufende Gestein’ (Grächen), ein Partizip Präsens also. Historisch belegt ist 1562 jm Gmeinen Gufer ‘im Steingeröll der Gemeinde’ (Brig). Auf einen alten Genitiv Plural geht Geimergufer ‘das Steingeröll bei Geimen (Weiler von Naters)’ (Naters) zurück, der heute als Adjektiv verstanden wird.
Vorangestellte Genitive kommen vor, sind aber schwer zu deuten: Lau(b)scherrenguffer (1506, Saas-Almagell) enthält wohl einen Genitiv Plural, der sich auf einen FaN oder einen Herkunftsnamen Laub beziehen kann. zuͦLerchisgufer (1469, Ernen) hat einen Genitiv Singular zum Nomen Lerchi ‘das kleine Gebiet mit Lärchen’. Wanigo Guffer (1782, Mund) hat einen Genitiv Plural, der sich auf einen PN Wani/Wano oder auf den Flurnamen Wanni beziehen kann. Da es daneben in Birgisch ein Wannigufer gibt, könnte aber auch ‘das Steingeröll bei der Wanne’ gemeint sein. Komplexer ist ts Bäärtschuwiisisch Gufer ‘das Steingeröll des Alois Bäärtschi’ (Randa).
Gufer ist als Grundwort sehr häufig. Die Bestimmungswörter beziehen sich meistens auf ein grösseres Gebiet wie ts Fliägufer ‘das Steingeröll bei den Flühen’ (Blatten), das sich neben einer Reihe weiterer Namen mit Fliä ‘Flühe’ befindet. Einige sind schwerer zu deuten, so das Abc-Gufer oder Abetzegufer (Saas-Almagell), das wohl aussieht wie die Abc-Tafel eines Schülers (genauere Hinweise fehlen). Manchmal sind in den Bestimmungswörtern Pflanzen erwähnt, wie in ts Dischtelgufer ‘das Steingeröll mit Disteln’ (Zermatt), oder Tiere wie in im Figgschegufer ‘im Steingeröll mit Füchsen’ (Münster) und ts Fuggsgufer ‘das Steingeröll mit Füchsen / der Familie Fux’ (Eisten), wobei wie immer auch ein FaN gemeint sein kann. Das Gaalgigufer ‘das Steingeröll beim Gaalgi (unfruchtbares Gebiet)’ (Baltschieder) hat ein Bestimmungswort, das von einem Adjektiv abgeleitet ist. ts Fiirholzgufer ‘das Steingeröll beim Gebiet vor dem Holz (Waldsaum)’ (Saas-Fee) bezieht sich auf ein Für-Holz, also eine Stelle zu Beginn des Waldes und nicht auf das Feuerholz. In einigen Fällen ist die Deutung nicht klar: ts Ofugufer (Naters) kann sowohl ein Steingeröll mit Ofensteinen, wie einen Stein in der Form eines Ofensteins meinen. Und ts Rindergufer ‘das Steingeröll, in dem die Rinder weiden’ (Blatten) (auf ca. 2480 m) kann eine Alpweide für Rinder meinen, braucht es aber nicht. Ganz unsicher ist das zweimal belegte, aber sich am gleichen Ort befindliche Santigufer (Eyholz, Visp). Während sonst Santi sonst nur für Santigläis u. ä. verwendet wird, kann das hier kaum zutreffen; zu vermuten ist eher eine Ableitung zu Sand ‘Sandgebiet’: ‘das sandige Steingeröll’ – aber das ist eine unsichere Hypothese. Es gibt eine Reihe weiterer Konstruktionen, die hier nicht besprochen werden können. Einen Sonderfall stellt ts Zwäregufere ‘bei den quer laufenden Steingeröllen’ (Reckingen) dar – es handelt sich um einen Plural Gufere, der mit zwär ‘quer, schief’ (ID. 15, 1825 s. v. twërch) verbunden ist.
Komplexere Bildungen sind eher selten, etwa ts Ober und ts Unner Reschtigufer ‘der obere und der untere Teil des Steingerölls bei der Resti (Raststelle)’ (Oberems) oder ts Gwautshabergufer ‘das Steingeröll, das der Gewaltshaber (heute: Gemeindepräsident) nutzen durfte’ (Ritzingen).
Selten und etwas unerwartet ist Gufer im vorangestellten Genitiv wie in ts Guferschmatte ‘die Wiese beim Steingeröll’ (Gluringen, Reckingen, Saas-Almagell) – es kann sich dabei kaum um einen PN oder FaN handeln (es finden sich dafür keine Belege), sondern offenbar um einen Genitiv eines Flurnamens.
Weniger häufig als als Grundwort ist Gufer als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita. Die Grundwörter sind Acher, Balm, Biina, Bodu, Egg(a), Graat, Lamma, Matta, Schiir, Schnitta, Tiri, Tola, Tschugge, Wald, Wang und Weid.
Eine Ableitung mit dem kollektiven Präfix GI- kommt als Gigufer in Oberems, Ried-Brig und Zwischbergen vor, wobei das Simplex nur in Zwischbergen belegt ist (JORDAN 2006, 184 kennt Ggúfär und S. 290 als Variante zu Ggärisch auch Ggufär; weiter hat er Ggúfärbalma, Ggú- färbodu, Ggúfärmättulti und Ggúfärschtälli) (Register S. 530). Grossgigufer ‘das grosse Gebiet mit Steingeröll’ ist in Zwischbergen belegt (auch bei JORDAN 2006, 316 Groossgiggúfär). In Ried-Brig ist ts (e)Rot Gigufer ‘das rote Steingeröll’ belegt. Oberhalb von Brig kann Gi-Gufer zu Gufer assimiliert werden, nach Tilgung des Vokals, sodass nicht zwischen der kollektiven Bedeutung der Ableitung und dem Simplex unterschieden werden kann. JORDAN (2006, 284) kennt Ggúfär und Gigguffär, Ggúfär und Ggúfärschtälli (JORDAN 2006, 351), Ggufärbalma (JORDAN 2006, 186), Ggúfärbodu (JORDAN 2006, 89) und Ggú- färmättulti (JORDAN 2006, 205). Es zeigt, sich auch hier, dass Gufer als ‘Steingeröll’ eine weite Verbreitung hat.
Das Adjektiv gufrig ‘zum Steingeröll gehörig, steinig’ kommt zweimal in Randa vor: die Gufrig Balma ‘der überhängende Fels mit Steingeröll unterhalb’ und ts Gufrig Zigji ‘der kleine Zug (Schleif) mit Steingeröll’.
VSNB, Bd. 2, Sp. 400
Vorkommen
cuferlon
- Cuferlon Glis
ggufer
- Hoggunggufer Kippel
- Lenggufer Kippel
gigufer
- (e)Rot Gigufer Ried-Brig
- Brichgigufer Zwischbergen
- Gigufer Zwischbergen
- Grossgigufer Oberems
- Grossgigufer Zwischbergen
- Grossgiguferwald Oberems
- Waligigufer Zwischbergen
gufär
- Gufärspitz Bratsch
gufer
- (e)Rot Gufer Eisten
- Abc Gufer Saas-Almagell
- Bäärtschuwisisch Gufer Randa
- Birchgufer Blatten
- Blaaw Gufer Zermatt
- Bobmugufer Saas Grund
- Dischtelgufer Zermatt
- Färichgufer Eisten
- Fellgufer Täsch
- Figgschegufer Münster
- Figgschegufer Münster
- Fiirholzgufer Saas-Fee
- Fliägufer Blatten
- Fuggsgufer Eisten
- Gaalgigufer Baltschieder
- Gaalt Gufer Baltschieder
- Gandgufer Randa
- Geimergufer Naters
- Gletschergufer Naters
- Gmeinen Gufer Brig
- Golmbachgufer Kippel
- Graaw Gufer Zermatt
- Graaw Gufer Zermatt
- Graaw Gufer St. Niklaus
- Grabugufer Randa
- Grabugufer St. Niklaus
- Graw Gufer Täsch
- Grie Gufer Oberwald
- Griegufergraad Oberwald
- Griesgufer Bellwald
- Grissgufer Eisten
- Gross Gufer Eisten
- Gross Gufer Randa
- Gross Gufer Visperterminen
- Gross Gufer Embd
- Gross Gufer Visperterminen
- Gross Gufer Visperterminen
- Grosses Gufer Betten
- Grossu Gufer Embd
- Gufer Bratsch
- Gufer Baltschieder
- Gufer Bitsch
- Gufer Goppisberg
- Gufer Staldenried
- Gufer Ferden
- Gufer Randa
- Gufer Törbel
- Gufer Naters
- Gufer Zermatt
- Gufer Raron
- Gufer Betten
- Gufer Eggerberg
- Gufer Ritzingen
- Gufer Fieschertal
- Gufer Ausserberg
- Gufer Mund
- Gufer Ried-Mörel
- Gufer Byne Glis
- Gufer Matte Törbel
- Guferacher Bratsch
- Guferacher Bellwald
- Guferachra Zeneggen
- Guferegga Binn
- Guferegga Grengiols
- Gufergraad Oberwald
- Guferlamme Oberwald
- Gufermatta Naters
- Gufermatta Zeneggen
- Gufermatta Stalden
- Guferschir Saas-Balen
- Guferschnitte Embd
- Gufertirlin Naters
- Gufertola Saas Grund
- Gufertschuggi Mund
- Guferwald Goppisberg
- Guferwald Betten
- Gwautshabergufer Ritzingen
- Hanugufer St. Niklaus
- Hogufer Ernen
- Hogufer Grengiols
- Horengufer Ferden
- Höüschbielgufer Randa
- Hubelgufer Randa
- Inner Gufer Saas-Balen
- Lägund Gufer Grächen
- Lärchisgufer Ernen
- Laubscherrengufer Saas-Almagell
- Leitigufer Eyholz
- Leitiguferschleif Eyholz
- Medelgufer Randa
- Mettelgufer Münster
- Miligufer Grächen
- Mittlere Gufer Münster
- Mossgufer Saas-Almagell
- Näschgufer Blatten
- Näschtgufer Blatten
- Nollugufer Randa
- Ober Reschtigufer Oberems
- Ofugufer Naters
- Reschtigufer Oberems
- Rindergufer Blatten
- Roossegufer Ritzingen
- Rosaatgufer Grächen
- Rot Gufer Blatten
- Rot Gufer Saas-Almagell
- Rot Gufer Randa
- Rot Gufer Randa
- Rot Gufer Täsch
- Rot Gufer Ried-Mörel
- Rufigufer Saas-Almagell
- Rufigufer Saas-Fee
- Saagugufer Mund
- Santigufer Visp
- Santigufer Eyholz
- Schrootugufer Randa
- Schwaalgufer Wiler
- Schwarz Gufer Blatten
- Spitzgufer Saas-Almagell
- Stadilgufer Eggerberg
- Stamppachgufer Blatten
- Steinetgufer Grächen
- Stelingufer Blatten
- Tääl Gufer Gassa Glis
- Täälgufer Glis
- Täschgufer Täsch
- Teiff Gufer Mund
- Tschonggufer Embd
- Tuntschigufer Eggerberg
- Twärgufer Randa
- Twärgufer Täsch
- Unner Reschtigufer Oberems
- Üsser Gufer Saas-Balen
- Wallbinungufer Wiler
- Wanigo Gufer Mund
- Wannigufer Birgisch
- Wannigufer Birgisch
- Weis Gufer Obergesteln
- Wiiss Gufer Hohtenn
- Wiiss Gufer Oberwald
- Wiiss Gufer Reckingen
- Wuscht Gufer Naters
gufer(linen?)
- Gufer(linen?) Filet
gufere
- Zwäregufere Reckingen
guferli
- Guferli Bratsch
- Guferli Raron
- Guferli Obergesteln
- Guferli Täsch
- Guferli Ried-Brig
- Guferli Naters
- Guferli Betten
- Guferli Münster
- Guferli Ulrichen
- Guferli Binn
- Guferli Gluringen
- Guferli Niederwald
- Guferli Ried-Mörel
- Guferli Reckingen
- Guferliwäg Niederwald
- Oberguferli Münster
- Stralguferli Münster
- Unnerguferli Münster
guferr
- Guferr Niedergesteln
gufersch
- Gufersch Bodo Embd
- Gufersch Matte Reckingen
- Gufersch Mattu Saas-Almagell
- Guferschmatte Gluringen
guffer
- Gross Guffer Turtmann
- Guffer St. Niklaus
guffers
- Guffersmatten Saastal
gufrig
- Gufrig Balma Randa
- Gufrig Zigji Randa
gufru
- Rote Gufru Saas-Almagell
guifer
- Guiferwald Ferden
- Guiferweid Ferden
guifrä
- Guifrä Ferden
kuffer
- Kuffereggen Turtmann