Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Läger

Läger ‘Lagerstätte für das Vieh’ ist zu schwdt., wdt. Läger n. ‘Lagerstelle für das Vieh im Stalle oder im Freien’, mhd. lëger n. ‘Lager (u. a. der Tiere)’, dazu kollektiv G(e) läger und wdt. Läger, Lägr (Lötschtal), Lägär ‘Ruheplatz (Vieh)’ (ID. 3, 1169 ff.; ZINSLI 1945, 329; GRICHTING 1998, 125) zu stellen. Das Lemma kommt in rund 150 Flurnamen vor. Es bezeichnet ebene Flächen, meist auf den Alpen, die den Tieren Platz zum Sich-Hinlegen bieten, in wenigen Fällen sind auch Wildtiere gemeint. Im Einzelfall ist damit aber auch einfach eine ebene Fläche bezeichnet, die als Läger geeignet ist.

Das Simplex Läger kommt rund fünfzigmal vor, meist im Singular, selten im Plural. Sehr selten ist ein Diminutiv Lägerli belegt, das nie als Simplex, wohl aber in Komposita vorkommt wie in ts Schlegillägerli ‘die kleine Lagerstätte für das Vieh bei den Schlegeln (Schlaghämmer der Wasserleitung)’ (Törbel).

Mit attributiven Adjektiven verbundene Konstruktionen sind Aut Läger (Blitzingen, mit /l/-Vokalisierung), ts Erscht Läger (Ergisch), ts Erschtuscht Läger (Ergisch), ts Grie Läger ‘die grüne Lagerstätte für das Vieh’ (Ausserberg), ts Gross Läger (Betten und andere), ts Hinner Läger (Fieschertal, Binn), ts Holäger (Visperterminen), ts Mittluscht Läger (Ergisch), ts Ober Läger (Leukerbad und andere), ts (e)Rot Läger (Naters), ts Stotzund Läger ‘die steile Lagerstätte für das Vieh’ (Törbel), ts Under Läger (Ferden und andere) und ts Voder Läger (Binn, Fieschertal). Vorherrschend sind relative Lagebezeichnungen.

Bei den Komposita mit Läger als Grundwort sind zunächst die Kategorien der Tiere für das Läger zu nennen: ts Chalberläger ‘die Lagerstätte für die Kälber’ (Naters, Staldenried), ts Chieläger ‘die Lagerstätte für die Kühe’ (Ulrichen), ts Geisläger ‘die Lagerstätte für die Ziegen’ (Ried-Mörel, Eyholz), ts Hienerläger ‘die Lagerstätte für die (Birk-)Hühner’ (St. Niklaus), ts Oggsoläger ‘die Lagerstätte für die Ochsen’ (Visperterminen), ts Rinnerläger ‘die Lagerstätte für die Rinder’ (Filet und andere), ts Schaafläger ‘die Lagerstätte für die Schafe’ (Blatten und andere), ts Schaafuläger ‘die Lagerstätte für die Schafe (Plural)’ (Mund), ts Stiärläger ‘die Lagerstätte für die Stier(kälber)’ (Blatten). Unklar ist das in Oberems und Ergisch vorkommende Gaagguläger ‘die Lagerstätte für das Vieh mit Krähen / Raben’. Das Bestimmungswort Ggaagge (u. Varianten; GRICHTING 1998, 87) bezieht sich normalerweise auf Krähen, Raben oder Bergdohlen; der Zusammenhang mit Läger bleibt unbestimmt.

Die zweite, häufig belegte Gruppe benennt die Alpe oder Flur, zu der das Läger gehört: ts Egguläger ‘die Lagerstätte für das Vieh bei der Ecke’ (Ried-Mörel), t Flüeläger ‘die Lagerstätten für das Vieh auf der Flüe-Alp’ (Leukerbad), ts Füosläger ‘die Lagerstätte für das Vieh bei den Fusshörnern’ (Naters), Galläger ‘die Lagerstätte für das Vieh bei der Alpe Galn (Galen)’ (Blatten) und viele weitere derartige.

Komplexere Formen sind selten: ts Indruscht Dischligläger ‘die innerste Lagerstätte für das Vieh der Alpe Distligen (wo es Disteln hat)’ (Blatten) oder im Undru Stockwaldläger ‘in der unteren Lagerstätte für das Vieh im Stockwald’ (Niedergesteln).

Als Bestimmungswort kommt Läger sehr selten vor, etwa in Lägerflühe ‘die Flühe bei der Lagerstätte für das Vieh’ (1772, Fieschertal; ähnlich 1584, Steinhaus) und das komplexere Holägerwald ‘der Wald beim Holäger (hochgelegene Lagerstätte für das Vieh)’ (Naters).

Zwei Sonderfälle: in Saas-Balen ist Lägert (FLNK) belegt. Zwar kennt ID. (3, 1171) Lägeret, Lägret, Legert mit zwei Bedeutungen ‘Wiege’, ‘Felsbank’ (nur im Walserort Alagna), doch dürfte hier dennoch das Gleiche wie bei Läger gemeint sein. Das zweite Problem: in Blitzingen ist Autleger (mit einem neutralen /e/ und /l/-Vokalisierung) belegt; allerdings kennt FLNK Aut Läger ‘die alte Lagerstätte’ sodass hier von einer Notationsunsicherheit ausgegangen werden kann.

VSNB, Bd. 3, Sp. 36

Vorkommen

lägär

läger

lägerli

lägert

lägre

lägru

leger