Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Ab

Ab ‘hinunter’ ist zu schwdt. Adv. ab ‘hinab, herab, den Abhang hinunter’ (ID. 1, 29 f.) zu stellen. Da ab- auch als Verbpartikel (DUDEN GRAMMATIK 72005, Nr. 1061, S. 705) verwendet wird, kann es in Verbalsubstantiven des Typs Abbruch, Abschlacht usw. erscheinen; in einigen Fällen auch mit einem Nomen.

Belegt sind der Abärg ‘die steile Alpe (abfallender Berg)’ (St. Niklaus, LT Abberg, FLNK Abbärg) mit der Bedeutung von Berg als Alpe, dazu gehörend der Abärggletscher ‘der Gletscher oberhalb des Abärg (steile Alpe)’ (St. Niklaus; LT u. SK Abberggletscher, FLNK Abbärggletscher); der Ober und Uner Abbode ‘der obere und der untere Abboden’ (Mund), wobei wohl der abfallende Boden gemeint ist; t Abbrucheiu ‘die Abbruch-Eie (Aue im vom Wasser abgebrochenen Gebiet)’ (Agarn, Leuk), die Aue ist heute von der Kantonsstrasse überbaut; t Abräche ‘die Anbruchstellen für Lawinen oder Geröll)’ (Münster, auch FLNK); zer Abschaaltu ‘bei der Abschaltstelle (Stelle zur Ableitung des Wassers)’ (Visperterminen) ist zu Abschalten f. ‘Abzugskanal’ (ID. 8, 1710) zu stellen, hier als Schleusenvorrichtung zum Ableiten des Wassers einer Wasserleitung (früher wohl t Niwa ‘die Neue’), formal abgeleitet vom Verb abschalten ‘fliessendes Wasser ablenken, ableiten’ (ID. 8, 714); mehrfach belegt ist t Abschlacht ‘die Stelle, wo das Wasser abgeleitet wurde’ (St. Niklaus und weitere sieben Gemeinden), das zu schwdt. Abschlacht als Flurname und wdt. Abschlacht ‘Wässern (Beendigung)’ (ID. 9, 21; GRICHTING 1998, 20; BELLWALD / WÜRTH 2006, s. v. Abschlacht) mit erweiterten Grundwörtern wie Matta, Rüüs und Tschugge; Abschlag ‘der Abschlag (laut Dokument Üewand (Magerwiese))’ (1832, Saas-Balen), wohl eine Baumrodung; t Abzweigig ‘die Abzweigung (Weggabelung)’ (Grengiols), am Abzůgs Graben ‘der Graben, mit dem das Wasser abgezogen wird (wohl Entwässerungsgraben)’ (1872, Eyholz).

Mit attributiven Adjektiven belegt sind zum Grossu Abschutz ‘bei der grossen Abschuss-Stelle (wo Holz hinuntergelassen wird)’ (Niedergesteln) mit dem attributiven Adjektiv Gross konstruiertes Abschutz zum Verb abschiessen ‘hinabwerfen’ (ID. 8, 1378, Bed. 2b) und der Gemeine Abrus (Unterems); anders als im ID. (6, 1150) handelt es sich hier um eine Ableitung aus einer Wasserleitung, die der Gemeinde gehört. Das seltsame die Gemeine Abschecht (1731, Zeneggen) wird zu Abschlacht gestellt; es handelt sich laut Dokument um ein Stück Land, von dem unklar ist, ob es zu einer Wasserleitung gehört. Ober Abbodo und Under Abbode ‘der obere und der untere abfallende Boden’ (beide EK, Mund) und t Oberi und t Unneri Abschlacht ‘der obere und der untere Teil der Abschlacht (Stelle, wo das Wasser abgeleitet wird)’ (Leuk, auch LT) sind weitere Unterscheidungen. Komplexer sind Gmeine Wasserabschlacht ‘die abgeleitete Wasserleitung, die der Gemeinde gehört’ (1730, Oberems) und di Gieschsüüeabschlacht ‘die Stelle, wo die Giesch-Suon (Wasserleitung nach Giesch) abgeleitet wird’ (Hohtenn).

Sichere Belege mit ab als Adverb sind zu finden in zwei voneinander getrennten Namen va Hinnerab ‘von hinten hinunter’ (Bratsch, Gampel); gemeint sind Gebiete, die von der jeweiligen Gemeinde aus gesehen unten auf einer Hinterseite gelegen sind.

VSNB, Bd. 1, Sp. 63

Vorkommen

a(b)

ab