Züü
Züü m. ist zu schwdt. Zuun, wdt. Züü, Zuin (Lötschenal) oder Ziini ‘Zaun, Hecke, Schranke’, amhd. zūn, in FlN zur Bezeichnung der Umzäunung und des umzäunten Grundstücks (GRWB 31, 406 ff.; LUNB 1, 2, 1207; GRICHTING 1998, 251) zu stellen. Mit dem Zaun (für Uster) hat sich schon BOESCH (1946, wiederabgedruckt in BOESCH (1961)) beschäftigt: der Zaun ist Ausdruck einer Grenzziehung. Das gilt auch für Orte, wo heute keine Zäune mehr zu finden sind.
Das Simplex erscheint im Singular als der Zü ‘der Zaun’ (Binn), hinnerem Zü ‘hinter dem Zaun’ (Ulrichen), ufem Ziinn ‘auf dem Zaun’ (Kippel, FLNK Ziin), vnder dem Zŭn ‘unter dem Zaun’ (1689, Fiesch). Der Plural ist häufiger: ze Ziine ‘bei den Zäunen’ (Bellwald), binne Ziine ‘bei den Zäunen’ (Mühlebach, Steinhaus), ob de Zine ‘ob den Zäunen’ (Zermatt), ze Ziinu ‘bei den Zäunen’ (Goppisberg), hinner de Ziinu ‘hinter den Zäunen’ (Saas-Fee), auf den Zinn ‘auf den Zäunen’ (1834, Ferden), uffen Ziinn ‘auf den Zäunen’ (Blatten), Unner de Zii ‘unter den Zäunen’ (FLNK, Bürchen), ob du Zinu ‘ob den Zäunen’ (St. Niklaus), Zen Zunen ‘bei den Zäunen’ (1470 u. später, Naters), jn dyen Zúnen ‘in den Zäunen’ (1435 u. später, Zermatt) und zún Zünù ‘bei den Zäunen’ (1735, Mörel). Mit falscher Diphthongierung und Entrundung sind belegt beÿ den Zeinen ‘bei den Zäunen’ (1816, Ernen), zu Zeinen ‘bei den Zäunen’ (1784, Ausserberg).
Attributive Adjektive zum HL finden sich nur in die Alten Zvͥne ‘die alten Zäune’ (1308, Visperterminen; 1519 dem Alten Zún nach).
Ein vorangestellter Genitiv ist nur bezeugt in ts Brunnärsch Zuin ‘der Zaun der Familie Brunner’ (Wiler; FaN ist hier alt, vgl. AWWB 45).
Als Grundwort ist das HL wie folgt belegt: ob dem Alpen Zaun ‘ob dem Zaun der Alpe’ (1794, Albinen), unter dem Alpen Zaun ‘unter dem Zaun der Alpe’ (1769, Leuk; 1794 wie in Albinen), dr Balmunzuin ‘der Zaun beim Gebiet Balma (überhängender Fels)’ (Blatten), zum Chalberziinli ‘beim kleinen Zaun für die Kälber’ (Raron), Feldzaún ‘der Feldzaun’ (1860, Steg), Fäsellzŭn ‘der Zaun bei der Fäsilalpe’ (1670, Gampel), Grinzùn ‘der Zaun beim Grii (wo umgehauene Baumstämme herumliegen)’ (1774, Naters), in Haúraúw Zúnen ‘in den Horoiw Zäunen’ (1802, gemeint sind Zäune bei der Schlammaue), Lowinen Zaun ‘der Zaun beim Rutschgebiet’ (1852, Steg), dr Rosszuin ‘der Zaun für die Pferde’ (Blatten), Schindelzü ‘der Zaun aus Schindeln’ (FLNK, Zermatt), Stockzinlein ‘die kleinen Zäune beim Stock’ (1550, Naters). Komplexer sind der Neúgúth Zaún ‘der Zaun beim Neugut’ (1842, Turtmann), Rinderalpenzaun ‘der Zaun bei der Rinderalpe’ (1714, Niedergesteln), der Salabodenzaŭn ‘der Zaun beim Salaboden’ (1881, Visperterminen), zem Zilzuin ‘beim Zaun am Ziel (Grenze)’ (Blatten).
Mit dem HL als Bestimmungswort sind folgende Grundwörter in zweigliedrigen Komposita belegt: Egg(a), Haalta, Matta, Schiir und Schleif. Komplexer ist der Zinegguwald ‘der Wald bei der Zineggu (Ecke mit Zäunen)’ (Saas Fee).
VSNB, Bd. 4, Sp. 624
Vorkommen
zaun
- Alpenzaun Albinen
- Fäldzaun Steg
- Lowinen Zaun Steg
- Niwwgüodzaun Turtmann
- Rinderalpenzaun Niedergesteln
zeinen
zii
- Unner de Zii Bürchen
- Zii Selkingen
- Ziieg Blitzingen
- Ziischiirä Kippel
- Ziischleiffa Kippel
ziine
ziinli
- Chalberziinli Raron
ziinn
ziinu
zin
- Zinegguwald Saas-Fee
zinlein
- Stockzinlein Naters
zinn
- Zinn Ferden
zinu
- Zinu St. Niklaus
zü
- Alte Zü Visperterminen
- Salabodozüo Visperterminen
- Schindelzü Zermatt
- Zü Ulrichen
- Zü Binn
- Zühaalte Ulrichen
- Zümatta Goppisberg
zuin
- Balmunzuin Blatten
- Brunnärsch Zuin Wiler
- Horoiw Zuin Blatten
- Rosszuin Blatten
- Zilzuin Blatten
zun
- Alpen Zun Leuk
- Baholz Zun Simplon
- Fäsilzun Gampel
- Grinzun Naters
- Zun Fiesch
zunen
zünu
- Zünu Mörel