Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Pra

Pra ‘Wiese’ ist zu lat. PRATU zu stellen (MEYER 1914, 169 f.; TAGMANN 1946, 35). Soweit in den Texten lat. PRATUM oder eine davon abgeleitete Form vorkommen, ist unklar, ob es sich um ein Appellativ oder ein Nomen proprium handelt. Abgeleitete Formen wie Pfraje (Varen) (siehe dazu TAGMANN 1946, 36 fráye ‘pré dans la forêt’ (Ayer)) werden gesondert verzeichnet.

Das Grundwort wird zunächst mit Adjektiven (voranoder nachgestellt) gebildet wie in im Long Pra ‘in der langen Wiese’ (1675, Albinen), ts Praariong ‘die runde Wiese’ (Albinen), in Pra riont ‘bei der runden Wiese’ (1301, Leukerbad), ou pranouel ‘bei der neuen Wiese’ (1602, Albinen), in prato nouel ‘bei der neuen Wiese’ (1352, Leukerbad) und in pratis superioribus ‘in den oberen Wiesen’ (lateinisch, Sprache des Namens ist unklar, 1358, Albinen).

Entsprechend der französischen Grammatik folgen Genitive dem Grundwort. Einige davon sind PN oder FaN: Prawiljerang ‘die Wiese des Willerant’ (Salgesch; MATHIER 2015, 76 f. schlägt eine andere Deutung vor, die nicht zu den ältesten Belegen passt), ts Praaschüljer ‘bei der Wiese der Familie Julier’ (Varen), Praz Bocard ‘die Wiese(n) der Familie Boccard’ (1713, Albinen), pra de lo Cina ‘die Wiese der Familie Cina’ (1589 u. später, Varen) und weitere. Daneben sind auch Bestimmungswörter anderen Gehaltes möglich: im Pra de Dala ‘in der Wiese bei der Dala (Fluss)’ (1706, Leuk), y pra dou Thorren ‘bei der Wiese am Bach’ (1589, Leukerbad), eÿ pra deÿ chann ‘in den Wiesen bei den Feldern’ (1650 u. später, Albinen, lat. in pratis camporum), y pra dy rachar ‘bei der Wiese beim Speicher’ (1693 u. später, Albinen), v praclout ‘bei der eingefriedeten Wiese’ (1675 u. später, Salgesch), im pra de Rosche ‘bei der Wiese bei den Felsen’ (1731, später auch Rotschi, Albinen; als Praderotschi bei TAGMANN 1946, 30), pra de lator ‘die Wiese beim Turm’ (1433, Inden; s. MEYER 1914, 173), Praales ‘die Wiese bei der Alpe Leess’ (Leukerbad), in prato pollarum / pollorum ‘auf der Hühnerwiese’ (1328, Turtmann u. Unterems) usw. Einen Sonderfall stellt die Prafranzig Matten (1800 (ca.), Salgesch) dar; offenbar versteht man Prafranzig ‘die Wiese des Franzin’ nicht mehr und setzt deswegen Matten ‘die Wiese’ noch einmal; der heutige Name von Prafranzig lautet Profrantsching (Salgesch), wobei die historischen Belege zu diesem Namen durchgehend Pra ‘Wiese’ statt des sonst nur im eigentlichen Unterwallis üblichen Pro aufweisen. MATHIER (2015, 116) will Frantsching auf lat. FRAXINUS, frpr. frano ‘Esche’ zurückführen; ein PN Francin liegt aber näher. Pro statt Pra findet sich nur noch 1693 in Albinen pro de Dala ‘die Wiese bei der Dala (Fluss)’.

Wie ausgeführt, ist bei pratum nicht immer klar, ob ein einfaches Appellativ, frpv. pra oder das alemannische Matta gemeint sind. In einem Beleg von 1405 vocatam pratum de la comba ‘genannt die Wiese in der Mulde’ (Salgesch) ist deshalb ganz unklar, wie der Name genau gelautet hat.

Lebende Belege können nicht immer erklärt werden. So hat FLNK für Albinen Praalesong, das Register notiert Pratesong und die Belege von 1783 haben in Pradisson und im Pradissong. Zu vermuten ist, dass Pra im Namen steckt, vermutlich auch ein altes lat. DE SUBTUS ‘unten’ (TAGMANN 1946, 25 u. ö.), doch erklärt das nicht den Endnasal. Der Name bleibt also unklar.

Unsicher ist der Beleg aquam de la prata (1407, Leuk), wo ein Bach oder eine Wasserleitung gemeint ist. Der Genitiv zeigt ein feminines prata, das sicher nicht direkt von pratum abgeleitet werden kann. Man muss wohl eine Form wie prat+ANA ‘der Bach bei der Wiese’ als Ausgangspunkt annehmen.

VSNB, Bd. 3, Sp. 392

Vorkommen

branu

pra

pra(li)

praa

prani

prata

prati

pratier

pratis

prato

pratum

praz

pro