Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

Datenbank (Webversion)
Hauptlemma

Mad

Mad, ts ‘das Mähen, das zu Mähende’ (in den Deutungen ‘Mähwiese’) ist zu schwdt. Mad n., mit Auslautverhärtung Mat(t), besonders im 2. Glied von FlN, Pl. Mäder, Meder ‘Boden, wo das Gras gemäht und gedörrt wird, im Gegensatz zur Weide, wo man es abweiden lässt, aber auch im Gegensatz zum eigentlichen, kultivierten Wiesland, Wiesenfläche’, mhd. măd, mit kurzem a, das oft sekundär gedehnt wird, Mad und Heu(w)mad ‘magere, des Jahrs nur einmal gemähte, nie gedüngte Wiese an den untersten Bergabhängen’ zu stellen. Mad ist auch Name eines Flächenmasses (ID. 4, 71 ff.; ZINSLI 1984, 575; SONDEREGGER 1958, 241). GRICHTING (1998, 132) kennt nur Mad, Mada (Mattertal), Maad f. ‘die Mahd’, aber nicht das Neutrum; WIPF (1910, 109) nennt Mado m. ‘Mahd, Schwade’ neben Matta ‘Wiese’. Als Bestimmungswort ist Mad nicht klar von Matt(a) zu unterscheiden; wenn klarerweise ein Beleg mit Matta zu finden ist, wird das Kompositum zu Matta gestellt, vgl. t Wiichelmattfura (Zermatt) zum Dorfteil ts Wiichelmattu ‘bei der Winkelwiese’; wenn hingegen Mad belegt ist, wird das Kompositum zu Mad gestellt, vgl. Blüomattbach zu Blüomatt ‘die blühende Mähwiese’ (Oberems). RÜBEL (1950, 66) kennt weiter zwar Mattland, scheint es aber nur als Matta ‘Wiese’ zu verstehen. Das HL kommt in gut 300 Namen vor.

Das Simplex im Singular ist als üfem Mad ‘auf der Mähwiese’ (Obergesteln), in ts Mad ‘in die Mähwiese’ (Simplon), ts Matt (Bitsch und rund fünzehn weitere Gemeinden, einige auch historisch, die meisten im Goms, dazu Östlich-Raron, Brig und Visp) belegt. Der Plural des Simplex ist als t Meder (Bitsch und vier weitere, zwei historisch), zun Medero (1731, Unterems) belegt. Die Form Mäder ist als Simplex nicht belegt, kommt aber in Komposita (Baltschieder, Ried-Brig) vor. Das hyperkorrekte die Möder (1684, Ried-Mörel) ist einmal bezeugt. Ein Diminutiv im Singular ist ts Medji ‘die kleine Mähwiese’ (St. Niklaus, zwei Belege). Vermutlich ein Diminutiv im Plural ist in in den Mädinen ‘in den kleinen Mähwiesen’ (1869, Feschel) belegt.

Attributive Adjektive zum HL sind: am Andrun Matt ‘an der andern / jenseitigen Mähwiese’ (1550, Bitsch), wo Andrun auch verschrieben für Ändrun stehen kann, ts Ärenschtlich Matt ‘die ernstliche, gefährliche Mähwiese’ (Binn), Alte Meder ‘die alten Mähwiesen’ (1714, Binn), an dem Alten Mad ‘an der alten Mähwiese’ (1368, Fiesch), ts Beesch Mad ‘die böse Mähwiese’ (Ausserbinn), die Beeschun Meder ‘die bösen Mähwiesen’ (Blatten, zwei Belege), in Bösmat ‘in der bösen Mähwiese’ (1790, Binn), ts Churz Mad ‘die kurze Mähwiese’ (Simplon), ts Din Mad ‘die dünne Mähwiese’ (Wiler), am Dirren Madt ‘an der dürren Mähwiese’ (1686 u. später, Blatten), di Dirrun Meder ‘die dürren Mähwiesen’ (Blatten), di Driiu Meder ‘die Mähwiese, die von drei Männern bis Mittag gemäht werden können’ (Simplon, nach Gwp.), im Gmeinen Metje ‘in der kleinen Mähwiese mit Viehfutter, die der Gemeinde gehört’ (1781, Binn; Metje wird als depascuationem (etwa: Etzmad) bezeichnet und gehört darum zu Mad!), ts Hääumatt ‘die glatte, schlüpfrige Mähwiese’ (Blitzingen, drei Belege), ts Halbmad ‘die halbe Mähwiese’ (Ried-Mörel und sechs weitere, teilweise mit Varianten), wohl zu verstehen als die Hälfte der Mad gedeutet als Mass, ts Homatt ‘die hohe Mähwiese’ (Grengiols), ts Inner Mad ‘die innere Mähwiese’ (Mund, Saas-Balen, Törbel), uf Längschmatt ‘auf der langen Mähwiese’ (Grengiols), ts Lengmad ‘die lange Mähwiese’ (Ferden), Niedermatt ‘die untere Mähwiese’ (1849 u. später, Eggerberg), ts Obermatt ‘die obere Mähwiese’ (Fiesch, Münster, Randa, Termen) und Ober Matt (1699, Ausserberg), tsch Spät Matt ‘in der späten Mähwies (Mähwiese, die spät grün wird)’ (Birgisch), ts Unner Matt ‘die untere Mähwiese’ (Münster, Termen), ts Üsser Matt ‘die äussere Mähwiese’ (Mund, Saas-Balen), Vordermatt ‘die vordere Mähwiese’ (LT Münster, FLNK Vodermatt), Wild Maad ‘die wilde Mähwiese’ (FLNK, Kippel), ts Wilt Maad ‘die wilde Mähwiese’ (Wiler) und ts Wilt Mad ‘die wilde Mähwiese’ (Unterbäch).

Vorangestellte Genitive von Besitzern oder Nutzern sind: Bodmeren Mat ‘die Mähwiese der Familie Bodmer / der Leute vom Boden’ (1714, Binn), ab Bobmeren Mädren ‘die Mähwiesen der Leute von Bodmen / der Familie Bodmer’ (1655, Binn), Vieschigen Matt ‘die Mähwiese der Familie Fintschen’ (1629, Binn) (trotz der seltsamen Schreibweise, die sich auf das Staubsche Gesetz zurückführen lässt; Fintschigo ist belegt für das Senntum), im Húedsmat ‘die Mähwiese beim Gebiet, wo das Vieh gehütet wurde’ (1786, Naters; ein PN oder FaN Hued ist nicht bekannt), ts Mangisch Matt ‘die Mähwiese der Familie Mangisch’ (Mund), ts Mandjisch Matt ‘die Mähwiese des kleinen Mannes (auch PN zu Hermann oder ähnlich?)’ (Eggerberg), ts Richulschmat ‘die Mähwiese des Richolt’ (Steinhaus), Rÿcholtzmatt ‘die Mähwiese des Richolt’ (1528, Fiesch), Stäffisch Mad ‘die Mähwiese des Stefan / der Familie Steffen’ (Blatten), Tschampematt ‘die Mähwiese der Familie Tschampen’ (Grengiols), Tschampigen Matt ‘die Mähwiese der Familie Tschampen’ (1629, Binn), ts Turianig Matt ‘die Mähwiese des Turian / der Leute des Turian’ (Baltschieder) und ts Walkerschmatt ‘die Mähwiese der Familie Walker’ (St. Niklaus).

Als Grundwort verbindet sich das HL vor allem mit dem Typ Mamatt n., im Wallis ein Mass von 800–900 Klafter, ‘Wiesenfläche, die ein Mann an einem Tag zu mähen vermag’ (ID. 4, 71ff). Neben dem Simplex jm Mamadt (1653, St. Niklaus), das Mamat (1742, Simplon), aúf Mamat (1803 u. später, Eisten), jm Mamath (1761, Unterems; 1721 im Manat (unsicher)), ts Mamatt (Ausserberg, Zermatt), im Mamatt (1696, Zeneggen) und im Mamat (1736 u. später, Staldenried) erscheint auch der Typ Halbmamat ‘die Mähwiese, die ein Mann an einem halben Tag mähen kann’ in im Halbmamat (1652 u. später Guttet; 1822, Oberems), z Halb Ma Matt (1852, St. Niklaus), das Halbmammat (1539, Mörel) und daz Halbmanmat (1368, Staldenried). Komplexere Formen hierzu sind Affter Manmad ‘die hintere Mähwiese, die ein Mann am Tag mähen kann’ (1443, Zermatt), jn Arnoldtz Jodrenn Mamatt ‘die Mähwiese des Joder Arnold, die von einem Mann an einem Tag gemäht werden kann’ (1580, St. Niklaus) und Struben Mamatt ‘die Mähwiese der Familie Struben, die ein Mann in einem Tag mähen kann’ (1495, Zermatt).

Ein zweiter Typ ist ts Heimad ‘die Mähwiese mit Heu’ (Binn), im Heimad ‘in der Mähwiese mit Heu’ (Binn), im Heimat ‘in der Mähwiese mit Heu’ (Fieschertal), t Heiwmeder ‘die Mähwiesen mit Heu’ (Binn), also Mähwisen, aus denen Heu gewonnen wird. Dazu gehören auch jhn Glaúsigen Heiwmat ‘in der Mähwiese mit Heu der Familie Clausen (Nikolaus)’ (1757, Binn), ab Hofferen Heüwmatt ‘von der Mähwiese mit Heu der Familie Hofer’ (1655, Binn), im Lengen Heÿwmatt ‘in der langen Mähwiese mit Heu’ (1631, Binn). jm Obren Heuwmatt ‘in der oberen Mähwiese mit Heu’ (1601, Binn) und in Schinero Heüwmat ‘in der Mähwiese mit Heu der Familie Schiner’ (1657 u. späte, Binn). Der Typ ist stark in Binn vertreten. Vermutlich ist der ebenfalls häufig belegte Typ Etzmad ‘Mähwiese mit Viehfutter’ ähnlich zu deuten: ts Etzmad (Grengiols), das Etzmatt (1529 u. später, Binn), im Etzmatt (1529, Lax). Verwandt ist wohl ts Chrütmatt ‘die Mähwiese mit Kraut’ (Baltschieder), das auch in ts Chrütmatt (Raron), das Crutmatt (1527, Naters), im Crutmatt (1797, Ausserberg) und jm Krautmat (1661, Niedergesteln) belegt ist. im Blüematt ‘die Mähwiese mit Heublumen’ (Hohtenn) und Blüomatt (Oberems) mit frühen Belegen für lat. oder rom. a prato flori und komplexeren Formen wie der Blüomattbach, di Blüomatthewmatte, ts Blüomatttagfäld, ts Blüomattelli und Blüomattwald (alle Oberems) beziehen sich auf das HL BLÜEMU, das als ‘Heublumen’ zu verstehen ist (vgl. RÜBEL 1950, 51).

Nur zwei Belege weisen auf den Typ Vormad n. hin, den ID. (4, 73) deutet als die Wiese, auf der beim Mähen der Anfang zu machen ist. Ob diese zeitliche Dimension stimmt, ist unklar. Belegt sind: im Fürmat ‘die vorn liegende Mähwiese’ (1829, Ulrichen) und ts Vormatt (Binn) ‘die vorn liegende Mähwiese’.

Weitere Pflanzennamen als Bestimmungswörter finden sich in ts Edelmaad ‘die Mähwiese bei den Erlen’ (Kippel), aúf dem Erelmad ‘auf der Mähwiese bei den Erlen’ (1841, Kippel), ts Stockmaad ‘die Mähwiese mit (Baum-)Stöcken’ (Blatten). Etwas unsicher sind t Roosmeder ‘die Mähwiesen mit Roosse (Röstplätze für Hanf und Flachs) / für die Rösser (Pferde)’ und an dem Rosmad ‘an der Mähwiese für die Pferde’ (Blatten) – an beiden Orten können sowohl Röstplätze wie Pferde gemeint sein. Tiernamen sind aber selten: Chiämad ‘die Mähwiese für die Kühe’ (Blatten) mit einer ganzen Reihe von komplexeren Belegen: t Chiämadfurä, ts Chiämadgand, t Chiämadhaltä, uff dr Chiämadheejin, t Chieämadmattä, t Chiämadschiirä, dr Chiämadwald, Chiemattweng (alle Blatten), dazu Chiemattbodo (Unterbäch), Chiemattbord (Naters, Saas-Balen), ts Chiemattflüo und ts Chiemattsand (Baltschieder) und der Chiemattbodu (Niedergesteln), sowie di Geismeder ‘die Mähwiesen für die Ziegen’ (Blatten) und dazu di Geismadschiir ‘die Scheuer bei den Mähwiesen für die Ziegen’ (Blatten). Nur indirekt gehört hieher Geistricheleetzmad ‘die Mähwiese mit Viehfutter, die so gross ist wie eine Ziegenschelle’ (Grengiols), die auch Schlänggeetzmad ‘der schmale Streifen von Etzmad (Mähwiese mit Viehfutter)’ genannt wird. Wohl als Begünstigte wird die Kirche in im Kirchenmath ‘in der Mähwiese, die der Kirche gehört’ (1827, Blatten) erwähnt. Eine Reihe weiterer Belege bezieht sich auf nahegelegene Fluren, auf die wir hier nicht eingehen.

Besondere Belege stellen dar: ts Erscht Tschampematt, ts Zweit Tschampematt und ts Dritt Tschampematt ‘die erste, zweite und dritte Mähwiese der Alpe Tschampigen / der Familie Tschampen’ (alle Grengiols).

Als Bestimmungswort ist das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern verbunden: Acher, Alpa, Bach, Bärg, Chrache, Fad, Fura, Gadu, Grabu, Egg(a), Hee (hoch, heej), Hitta, Sand, Schluocht, Tola, Wäg, Wald, Wang, Weid und Wasser. Die Form ts Magadi ‘der kleine Gaden bei der Mähwiese’ (Geschinen) und im Magadin ‘im kleinen Gaden bei der Mähwiese’ geht auf die Verbindung von Mad und Gadu ‘Gaden’ zurück, hier als Diminutiv, der vermutlich einen Heuschober meint.

Der Name Mattmark (heute Stausee) und die meisten damit verbundenen Namen gehem wohl auf ein älteres Muntmar ‘Murmeltierberg’ zurück. Davon zu unterscheiden ist Mattmarkbrigga ‘die Brücke zum Werk der Mattmark AG’ (Stalden), die nach der Firma benannt ist.

Unter den zahlreichen komplexeren Formen stechen t Mattwasserleitu ‘die Wasserleitung bis zur Mähwiese’ (St. Niklaus) und ts Mattwasserleitgji ‘die kleine Wasserleitung nach zer Mattu (zur Wiese)’ (Eisten) hervor, wobei letztere auch zum HL MATTA gehören kann.

Zu f. Zermatt vgl. das HL ZERMATT.

VSNB, Bd. 3, Sp. 170

Vorkommen

ma (Mad)

maad

mad

made

mäder

mader

mäder

mädinen

madt

mat (Mad)

matt (Mad)

matt (mad)

matt (Mad)

matt (mad)

matt (Mad)

matt (mad)

matt (Mad)

matte (Mad)

meder

mederen

medero

medji

medren

medrun

möder