Eng
Eng Adj. ‘eng’ ist zu schwdt. Adj. eng, engg, ahd. angi, engi, mhd. enge, wie nhd. ‘schmal, räumlich eingeschränkt’ und wdt. engg, änng ‘eng’ (ID. 1, 330 f.; GRICHTING 1998, 66) zu stellen. Das Adjektiv kommt entweder attributiv oder als Bestimmungswort von Komposita vor. Attributiv erscheint es etwa als ts Äng Bächi ‘der kleine, enge Bach’ (Raron), der Äng Rigg ‘der enge (Fels-)Rücken’ (St. Niklaus), zum Änggu Stei ‘beim engen Stein (Fussweg zwischen zwei Felsen)’ (Ergisch), der Eng Bode ‘der enge Boden’ (Münster, Ulrichen), an die Enggen Bachtolen (1586 u. später, Bürchen) und andern Konstruktionen. Die HLL dazu sind – ausser den genannten – Chi, Chumma, Flüö, Gassa, Lamma, Schleif, Schluocht, Tal, Tiri, Trifft, Tritt und Zug.
Als Bestimmungswort in Komposita – erkennbar an der Zusammenschreibung – muss unterschieden werden zu Flurnamen, die als ersten Bestandteil die Ableitung Ängi/Engi enthalten (siehe unten) und solche, die das Adjektiv enthalten. Die Unterscheidung ist aber nicht immer klar. Klare Adjektive finden sich wie folgt: t Engebibmer ‘die engen Böden’ (Münster), im Engenstutz ‘in der steil ansteigenden Stelle bei der Enge (Talenge)’ (1864, Blatten), Engschindle ‘die enge Stelle, die wie eine Schindel aussieht (?)’ (FlNK, Saas-Grund). Ein unklarer Fall ist t Ängräischä ‘die enge maulförmige Stelle’ (Wiler) mit dem dazu gehörigen t Ängräischtschuggen ‘die Felsen bei der engen maulförmigen Stelle’ (Wiler). Wir deuten den Namen als Kompositum aus äng ‘eng’ und Gräischa ‘Maul’ (cf. HL GRÄISCHA).
Die Ableitung Engi f., wdt. Engi, Enggi (Saastal), Ängi, Änggi ‘Enge’ im räumlichen Sinne steht für ‘engen Durchpass, Schlucht, schmale Stellen in Strassen oder Flüssen’ (ID. 1, 331; GRICHTING 1998, 66) und ist deutlich häufiger als das Adjektiv. Das Simplex ist als t Ängi ‘die enge Stelle’ (Bürchen, Guttet, Oberems, St. Niklaus), die Enge ‘die enge Stelle’ (1601, Lalden), t Engi (Ernen) und zer Engi (Saas-Grund) zusammen in siebzehn Gemeinden vertreten. Die Form die Engin (1638, Bitsch) ist daneben fünf Mal vertreten, lebend nur einmal als uf dr Engin ‘auf der engen Stelle’ (Blatten). Eine Notationsvariante ist t Enngi ‘die enge Stelle’ (Staldenried, Wiler). In einigen Fällen bilden sich Namennester, so neben Ängi (Oberems), einem Alpstafel, die Formen Ängiritze ‘die Ritze (Grasbänder) oberhalb der Ängi (enge Stelle)’, ts Ängitagfäld ‘das Tagfeld (Weide tagsüber) bei der Ängi (enge Stelle)’ und Inner Ängi ‘die innere enge Stelle (Alpe)’ (FLNK, alle Oberems).
Attributive Adjektive zu Ängi / Engi sind selten: Inner Ängi ‘die innere enge Stelle’ (Oberems, Raron), die Meyscun Engyn ‘die ausgemeisselte enge Stelle’ (1305, Törbel), dye Meysun Engin ‘die ausgemeisselte enge Stelle’ (1509, Ried-Mörel). Unklar ist Welschen Engin ‘die Enge der Italiener’ – hier kann sowohl ein Adjektiv wie ein Genitiv Plural gemeint sein; letzteres ist wahrscheinlicher, da der lateinische Ausdruck stretiam Jtalorum ‘die Enge der Italiener’ (1642) heisst. stretia ist im gleichen Dokument als ‘die Engin’ übersetzt; das lateinische Wort ist zwar nicht erwähnt, ist aber als it. stretta ‘Enge’ (DEVOTO / OLI 2020, 2215) bekannt.
Als Grundwort findet sich die Ableitung weiter in Moosengi ‘die enge Stelle auf der Moosalp’ (FLNK, Törbel). Eine historische Stelle von 1397 in alpibus … de Engýn ‘in den Alpen der Engi’ und 1796 ad alpem Engi ‘zur Alpe Engi’ (Ried-Brig / Simplon) gibt wohl einfach an, dass Engi eine Alpe ist.
Als Bestimmungswort erscheint Ängi / Engi mit folgenden Grundwörtern in zweigliedrigen Komposita: Bodu, Bord, Grabu, Loch, Putz, Ritz, Stei, Stutz, Tschugge, Weid und Zug.
Komplexere Bildungen sind: ts Ober und ts Unner Engibodi ‘der obere und der untere kleine Boden mit einer engen Stelle’ (Visp), ts Unner Ängiloch ‘das untere Loch bei der Engi (enge Stelle)’ (Simplon), der Engilochtschuggu ‘der Fels oberhalb dem Engiloch (Loch bei der engen Stelle)’ (Simplon) (JORDAN 2006, 51 kennt neben Engiloch und Engilochtschuggu auch Engilochçheer; er beschreibt das Engiloch als ‘Schluchtartige Talenge’; das Simplex Engi ist bei ihm S. 54 ebenfalls belegt; er kennt weiter Engigalärii und Engiçheer. Es bleibt unklar, ob Engiloch und Engi von der Namengebung her zusammenhängen oder nicht; von der Karte her scheint dieser Zusammenhang aber gegeben).
VSNB, Bd. 2, Sp. 67
Vorkommen
än
- Ängräischä Wiler
- Ängräischtschuggen Wiler
äng
ängi
- Ängi Bürchen
- Ängi St. Niklaus
- Ängi Guttet
- Ängi Oberems
- Ängi Bachtola Bürchen
- Ängiritze Oberems
- Ängisteina St. Niklaus
- Ängitagfäld Oberems
- Ängiweide Bürchen
- Ängizug St. Niklaus
- Inner Ängi Raron
- Inner Ängi Oberems
- Unner Ängiloch Simplon
änngu
- Änngu Stei Ergisch
eng
- Eng Bode Münster
- Eng Bode Ulrichen
- Eng Chi Glis
- Eng Chumme Ulrichen
- Eng Flüe Oberwald
- Eng Gässilti Mörel
- Eng Lammelti Oberwald
- Eng Schleif Filet
- Eng Schleif Wiler
- Eng Schlüecht Oberwald
- Eng Schlüecht Reckingen
- Eng Schlüocht Glis
- Eng Tritt Baltschieder
- Engschindle Saas Grund
enge
- Enge Lalden
- Engebibmer Münster
engen
- Engen Bachtoli Bürchen
- Engen Flüe Obergesteln
- Engen Gassen Gampel
- Engen Stei Ernen
engge
- Engge Tirlinu Ried-Brig
engi
- Alpe Engi Ried-Brig
- Bodme Engi Saas-Almagell
- Engi Grächen
- Engi Eisten
- Engi Embd
- Engi Simplon
- Engi Lax
- Engi Naters
- Engi Saas Grund
- Engi Stalden
- Engi Oberwald
- Engi Zermatt
- Engi Martisberg
- Engi Ernen
- Engi Leukerbad
- Engi Zwischbergen
- Engi Saas-Almagell
- Engi Randa
- Engi Saas-Almagell
- Engi Reckingen
- Engi Chummu Albinen
- Engibodu Visp
- Engibord Martisberg
- Engibord Lax
- Engigrabu Zwischbergen
- Engiloch Simplon
- Engilochtschuggu Simplon
- Engiputz Ernen
- Engitwäre Oberwald
- Moosengi Törbel
- Ober Engibodi Visp
- Unner Engibodi Visp
- Welschen Engi Zwischbergen
engin
- Engin Ausserberg
- Engin Eggerberg
- Engin Blatten
- Engin Bitsch
- Engin Törbel
- Engin Baltschieder
- Engin Feschel
- Enginstutz Blatten
- Engintschuggen Blatten
- Meissun Engin Törbel
- Meisun Engin Ried-Mörel
engu
- Enguzigji Eisten
engun
- Engun Trift Baltschieder