Wier
Wier m. ‘Weiher’ ist zu schwdt. Wīer, Wier m., Pl. unverändert oder Wīera, Wīiere, Dim. Wierli, ahd. wī- (w)āri u. ä., mhd. wi(w)ääre u. ä., wesentlich wie nhd. ‘Weiher, (künstlich angelegter) Teich’ zu stellen (ID. 15, 63 ff.). WIPF (1910, 35 u. öfter) kennt es, GRICHTING (1998) nicht. Der Flurname ist rund 100 mal belegt, wobei in einigen Fällen auch der FaN Wyer (AWWB 297) gemeint sein kann. Zu unterscheiden ist das HL vom umgelauteten und entrundeten Wiera oder Wieri ‘die Wuhre (Wasserleitung)’.
Das Simplex im Singular erscheint als der Wier (Eggerberg (unklar, ob es sich um den Weiler Wier ‘Weiher’ handelt, oder um eine andere Flur; Visperterminen), zum Wiier ‘beim Weiher’ (Staldenried), Wijer ‘der Weiher’ (FLNK, Täsch) und historisch beim Wÿer ‘beim Weiher’ (1786, Embd), im Wyer ‘im Weiher’ (1638, Mund; frühere Belege deuten auf das HL WÜER ‘Wuhr, Wasserleitung’), (lat.: supra) Wyere ‘ob dem Weiher’ (1335, Stalden), Wyer ‘der Weiher’ (1656, Ried-Brig), Wÿer ‘der Weiher’ (1578, Naters), Jm Wÿer ‘im Weiher’ (1582, Grächen), zúm Wÿer ‘beim Weiher’ (1700, Bürchen).
Das Simplex im Plural ist als t Wiera ‘die Weiher (Pl.)’ (Visperterminen), Zen Wÿerun ‘bei den Weihern’ (1558 u. später, Zeneggen) belegt. Unklar ist t Wierre (Naters), das 1389 als in dien Wiarren erscheint; das ist aber eine der Formen, die für das mhd. wîer ‘Weiher’ belegt ist (LEXER 3, 957), obwohl in der Beschreibung von t Wierre kein Weiher erwähnt ist.
Als Diminutiv des Simplex sind erwähnt Wierli (FLNK, Salgesch; auch bei MATHIER 2015, 81) und bim Wierli (Visperterminen). Einen Plural hat Ze Wierlinu ‘bei den kleinen Weihern’ (Staldenried).
Mit attributiven Adjektiven sind belegt der Alt Wier ‘der alte Weiher’ (Staldenried), (lat.: ex) dem Grossen Wÿer ‘(aus) dem grossen Weiher’ (1553, Visperterminen), Innri Wierlini ‘die inneren kleinen Weiher’ (FLNK, Staldenried; LT jedoch Ze Wiedlinu), zem Kalten Wÿeer ‘zum kalten Weiher’ (?, Visperterminen), jn dem Kleinen Wÿerlin ‘im kleinen Weiher’ (1692, Zeneggen), der Nyw oder Mittlest Wyger ‘der neue oder mittlere Weiher’ (1638, Stalden), (lat.: retro) dem Nidern Wiere ‘hinter dem Niederen (= Unteren) Weiher’ (1307, Törbel), aús dem Obren Wÿer ‘aus dem oberen Weiher’ (1701, Ried-Brig), bÿ dem Obren Wÿer ‘bei dem oberen Weiher’ (1558, Zeneggen), t Obru Wiera ‘die oberen Weiher’ (Visperterminen), der Beesch Wier ‘der böse (wohl: schlecht erreichbare) Weiher’ (Mund), jn den Vndren Wÿerren ‘in den unteren Weihern’ (1555 u. später, Visperterminen), in den Vndren Wigeren ‘in den unteren Weihern’ (1606, Törbel; 1304 (lat.: de Jnferiori) Wigere ‘beim unteren Weiher’), zum Warmen Wÿer ‘beim warmen Weiher’ (1554, Visperterminen), Üssri Wierlini ‘die äusseren kleinen Weiher’ (FLNK, Staldenried; LT aber Ze Wiedlinu).
Vorangestellte Genitive sind sehr selten; sicher ist nur Gassero Wÿer ‘der Weiher der Leute vom Ortsteil Gassa / der Familie Gasser’ (1716, Ried-Brig). Zwei weitere Belege könnten einen Genitiv enthalten: der Pinntäärnerwier ‘der Weiher bei den Pinntäärne’ (Visperterminen), laut Gwp. ein früherer Weiher am Graben, der zum Teil weggerutscht sei, und aus dem Zogeder Wÿer (1701, Törbel)), wo wohl das lebende Zangedersch (Törbel) versteckt ist, das eine vermutlich volksetymologische Deutung des Heiligen Geder (Theodul) darstellt.
Als Grundwort verbindet sich das HL mit mehreren Bestimmungswörtern zu zweigliedrigen Komposita, die sich nur schwer in thematische Gruppen aufteilen lassen: der Eiguwier ‘der Weiher im Gebiet Eigna (die Eigengüter)’ (Visperterminen), der Furuwier ‘der Weiher beim Dorfteil Furu (Furchen)’ (Visperterminen), der Gibellwÿer ‘der Weiher beim Giebel’ (1717, Zeneggen), aus dem Castolwier ‘aus dem Weiher beim Chaschtol’ (1731, Zeneggen), aŭss dem Kromen Wÿer ‘aus dem Weiher beim ummauerten Stück Land’ (1672, Visperterminen) und andere mehr.
Komplexere Konstruktionen finden sich etwa in der Hobielwier ‘der Weiher im Bereich Hobiel (hoher Hügel)’ (Visperterminen), Hoffmattwÿerli ‘der kleine Weiher bei der Hofwiese’ (1648, Zeneggen), ts Todgrippuwierli ‘der kleine Weiher bei den Todgrippen (dem Hinterteil von Pferden gleichendes Gelände, das sehr steil ist)’ (Visperterminen), dem Undresten Studenwier ‘dem untersten Weiher bei den Stauden’ (1712, Visperterminen) und anderen mehr.
Als Bestimmungswort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern vor: Biel, Flüö, Gadu, Hitta, Matta, Tola, Wäg, Wald, Wasser und Weid. Interessant sind dabei drei Fälle mit einem Bestimmungswort im Genitiv: an das Bord des Wigers ‘das Bord (Abhang, Böschung, hier wohl Rand) des Weihers’ (1542, Mund), im Wigers Wang ‘im Grasabhang beim Weiher (?)’ (1770, Naters) und Wÿgersweg ‘der Weg vom / zum Weiher’ (1556 u. später, Naters), wo eventuell auch der FaN Wyer gemeint sein kann - aus den Belegen allein lässt sich das nicht entscheiden.
Ein schwieriger Beleg ist schliesslich Wiiert (FLNK, Steinhaus). Ein historischer Beleg von 1553 aus Visperterminen sagt, jede vierzehn Tag könnten aus dem grossen Weiher zwen Wÿertern entnommen werden. Aus diesem Kontext kann aber nur geschlossen werden, dass es sich um eine Menge Wasser handelt. Das ist bei Steinhaus kaum der Fall. Ob Wiiert hier einfach einen Ort meint, wo sich ein Weiher befand, bleibt aber unklar. Es könnte eine Ableitung auf /t/ vorliegen (SONDEREGGER 1958, 556), doch würde sie eine verbale Wurzel voraussetzen, die hier nicht gegeben ist.
VSNB, Bd. 4, Sp. 553
Vorkommen
wier
- (e)Räbwier Staldenried
- (e)Ritiwier Staldenried
- Badwier Törbel
- Beesch Wier Mund
- Bielwier Ried-Brig
- Bielwier Zeneggen
- Bifig Wier Ried-Brig
- Chaalte Wier Visperterminen
- Chaschtolwier Zeneggen
- Chrommo Wier Visperterminen
- Diepilwier Törbel
- Diepilwier Zeneggen
- Eiguwier Visperterminen
- Furuwier Visperterminen
- Gassero Wier Ried-Brig
- Gibilwier Zeneggen
- Gross Wier Visperterminen
- Hobielwier Visperterminen
- Meril Wier Visperterminen
- Mili Wier Zeneggen
- Nider Wier Törbel
- Ober Wier Zeneggen
- Ober Wier Ried-Brig
- Pinntäärnerwier Visperterminen
- Riti Wier Stalden
- Schwelli Wier Zeneggen
- Sisetsch Wier Zeneggen
- Stadolwier Zeneggen
- Stüduwier Visperterminen
- Täremjuwier Visperterminen
- Teerbilwier Törbel
- Undru Stüduwier Visperterminen
- Undru Wier Visperterminen
- Undru Wiermatte Visperterminen
- Undrustaalerwier Visperterminen
- Unnerflie Wier Stalden
- Warmu Wier Visperterminen
- Wier Zeneggen
- Wier Embd
- Wier Mund
- Wier Stalden
- Wier Visperterminen
- Wier Ried-Brig
- Wier Eggerberg
- Wier Wäg Eggerberg
- Wierbiel Embd
- Wierbiel Törbel
- Wierflüo Törbel
- Wiergädini Grächen
- Wierhittji Visperterminen
- Wiertola Stalden
- Wierwasser Zeneggen
- Wierwasser Törbel
- Wildi Wier Visperterminen
- Zogeder Wier Törbel
wiera
- Obru Wiera Visperterminen
- Wiera Visperterminen
- Zettwiera Visperterminen
wierli
- Hofmattewierli Zeneggen
- Klein Wierli Zeneggen
- Mittluwierli Visperterminen
- Todgrippuwierli Visperterminen
- Wierli Salgesch
- Wierli Visperterminen
- Wierlihitta Staldenried
wierlini
- Innri Wierlini Staldenried
- Üssri Wierlini Staldenried
wierlinu
- Wierlinu Staldenried
wierre
- Wierre Naters
wiger
- Mittlest Wiger Stalden
- Niw Wiger Stalden
- Riti Wiger Stalden
- Wiger Zeneggen
- Wiger Grächen
- Wiger Weida Grächen
- Wigerwasser Zeneggen
wigere
- Undru Wigere Törbel
wigers
- Wigers Bord Mund
- Wigers Wäg Naters
- Wigers Wang Naters
wiier
- Alt Wiier Staldenried
- Mirgwiier Staldenried
- Saaguwiier Mund
- Unner Fiewiier Staldenried
- Wiier Staldenried
- Wiier Bord Staldenried
- Wiier Wald Mund
- Wiiermatta Staldenried
- Wiiermatte Zeneggen
- Wiierwalgji Mund
wiiert
- Wiiert Steinhaus
wijer
- Wijer Täsch
wyer
- Unteren Gassen Wyer Termen
- Wyer Termen
- Wyer Bürchen
- Wyer Grächen
wyger
- Unner Fliewyger Staldenried