Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Bletz

Bletz ist zu schwdt. Blëtz, wdt. Bläzz m. eig. ‘Lappen, lappenförmiges Stück’, in FlN i. d. R. ‘Stück Land, Grundstück; Stück eines Feldes, einer Wiese; Stück Weges’, ahd. blëz (-zzes) m., auch blëzza f., mhd. blëtz (-tzes) m. ‘Lappen, Flicken, Fetzen’ (ID. 5, 264 ff.; GRICHTING 1998, 39) zu stellen. Schriftlich erscheint der Name häufig mit /e/, gesprochen wird er mit überoffenem /ä/. Eine feminine /-I/-Ableitung Blätzi ist in Zermatt belegt. Nicht immer klar ist die Abgrenzung gegenüber Platz (Pl. Plätz) ‘Platz’ (cf. HL PLATZ) oder Pletscha ‘ebene Fläche auf einer Anhöhe’ (cf. HL PLETSCHA).

Von den rund fünfundfünfzig Flurnamen erscheinen als Simplex im Singular der Blätz ‘das kleine Stück Land’ (Eisten, Fieschertal, Obergesteln), Bletz ‘das kleine Stück Land’ (1776 u. später, Fiesch), im Plural t Blätza ‘die kleinen Stücke Land’ (Fieschertal), an den Bletzen ‘an den kleinen Stücken Land’ (1390, Naters) und als Diminutiv im Bletzgi ‘im sehr kleinen Stück Land’ (1731, Staldenried), das Bletzgi ‘das sehr kleine Stück Land’ (1650, Zwischbergen), das Bletzli ‘das sehr kleine Stück Land’ (1500, Fiesch). di Bletzi f. ‘das kleine Stück Land’ (St. Niklaus) ist ein Simplex im Feminin, also eine Ableitung auf /-I/.

Mit einem attributiven Adjektiv sind belegt: Grieblätz ‘das grüne kleine Stück Land’ (LT Münster), der Grien Blätz ‘das grüne kleine Stück Land’ (Saas-Fee), der Ober Blätz ‘das obere kleine Stück Land’ (Obergesteln, auch FLNK), in dem Obren Blez ‘im oberen Teil des kleinen Stückes Land’ (1722, Fieschertal), Oberblätz ‘der obere Teile des Gebietes Blätz (kleines Stück Land)’ (FLNK, Obergesteln), Breit Blätz ‘das breite, kleine Stück land’ (FLNK, Oberwald), der Rund Blätz ‘das kleine, runde Stück Land’ (Leuk), Siwillen Blätz ‘das runde Stück Land’ (1697/8 u. später, Ried-Mörel), Synwelle Blecz ‘das runde Stück Land’ (1402, Mörel), ab dem Vndren Bletz ‘ab dem unteren Teil des kleinen Stückes Land’ (Fiesch), der Unner Blätz ‘das untere kleine Stück Land’ (Obergesteln, auch FLNK; ein zweiter Beleg, südöstlich davon, Obergesteln) und der Vorblätz ‘der Brustfleck (Teil der traditionellen Frauenkleidung, hier wohl metaphorisch für einen spitzen Keil des Weidelandes)’ (Eisten), wobei das HL VORFIR hier aus einer Präposition entstanden ist.

Zwei Besitzer- oder Nutzernamen sind zum Grundwort Bletz belegt: Karliblätze ‘die kleinen Stücke Land, die dem Karl / der Familie Karlen gehörten’ (Ried-Brig, Registerbeleg), ts Rosiinisch Blätz ‘das kleine Stück Land der Rosina’ (Saas-Almagell).

Baum- und Pflanzennamen sind der Arvblätz ‘das kleine Stück Land im Gebiet Arv (wo es Arven hat)’ (Münster), der Voder und der Hinner Stüdeblätz ‘der vorder und der hintere Teil des mit Stauden bestandenen Stückes Land’ (Ulrichen), der Waldblätz ‘das kleine Stück Land beim Wald’ (Oberwald).

Von den übrigen Komposita ist besonders t Schiisseblätze ‘die kleinen, wertlosen Stücke Land’ (Ulrichen) zu erwähnen. Andere Bestimmungswörter sind in den Artikeln zu ihren Hauptlemmata erwähnt.

Nur wenige Belege sind als Bestimmungwort zu folgenden Grundwörtern vorhanden: Matta, Stei, Wald und Wasser. Komplexer ist der Obren Bletzfluo ‘die obere Fluh bei einem kleinen Stück Land’ (1648, Visp; Genitiv ist konstruktionsbedingt).

Einen besonderen Fall zeigt Schliechtu Bläzzette ‘die kleinen Stücke Land beim Weiler Schliecht (Geländeeinbuchtungen)’ (EK, Eggerberg) Die Form Bläzzette ist Kollektivableitung auf /-ET/ im Plural, zurückzuführen auf /-ÔDI/-ÔTI/ (SONDEREGGER 1958, 524 ff.).

VSNB, Bd. 1, Sp. 242

Vorkommen

blätz

blätza

blätze

blätzi

blätzji

bläzzette

blecz

bletz

bletza

bletzen

bletzgi

bletzi

bletzli