Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Chaschte

Chaschte ‘Kasten’ ist ein selten verwendetes Lemma; in einigen Fällen könnte auch Chaschtel zu Grunde liegen (cf. HL CHASCHTEL). Es ist zu schwdt. Chaste(n) m. ‘Trog, Schrank’, übertragen wohl für ‘eng eingeschlossene Örtlichkeiten’, ahd. kasto, mhd. kaste m. ‘Behälter’ (ID. 3, 535) zu stellen (vgl. BENB 1, 2, 431 f.); wdt. sind Chaschte, Chaschtä (Goms), Chaschta (Mattertal), Chaschtu (Saastal), Chaschtn (Lötschtal), Chaschtu ‘Kasten’ (GRICHTING 1998, 47) zu berücksichtigen. Nach ID. gehören auch mit Kasten- gefügte ONN zur Bed. ‘Truhe, in der wichtige Schriftstücke aufbewahrt werden, Archiv’ oder ‘Gebäude zur Aufbewahrung des Gült- oder Zehntengetreides’. Die bes. in östl. Mda. bekannte Bed. ‘Felswand’ dürfte erst aus Namen für Gebirgsformationen abstrahiert sein.

Das Simplex kommt historisch als Kastenne (1307, Törbel) und lebend im Plural Chäschte (Saas-Almagell) vor. Adjektivische Attributbildungen sind der Ober Chaschtu und der Unner Chaschtu (beie Saas-Balen). Alle andern Belege enthalten Chaschte als Bestimmungswort. Mehrfach belegt ist Chaschtebieu (‘Kastenhügel’ Biel, Blitzingen, Ritzingen (mit Diminutiv), Selkingen) und Chaschteschlüecht (Biel), mit Chlii und Gross qualifiziert.

VSNB, Bd. 1, Sp. 334

Vorkommen

chaschte

chaschtu

chäste

chaste

käschte

kasten

kastenne