Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Holz

Holz ‘Holz’ ist zu schwdt. Holz n., Pl. Hölzer, Dim. Hölzli, in der Bedeutung ‘Wald’ und ‘Holz als Stoff, Bau-, Brennmaterial; Baumstamm, Balken, Block’ (ID. 2, 1246 ff.), sowie zu wdt. Holz, Diminutiv Holzji, Pl. Helzer ‘Holz’ (GRICHTING 1998, 108) zu stellen. Als Flurname wird das Simplex Holz, Dim. Holzji, auch Holzi und Pl. Holze zur Benennung eines Waldes oder einer kleinen Siedlung im Wald verwendet, häufig verbunden mit Präpositionen wie im Holz, zum Holz. Insgesamt sind es etwa 50 Belege mit diesem Namen (eingeschlossen die Formen mit Houz, Houzji mit /l/-Vokalisierung im unteren Goms). Hinzu kommen relative Lagen, die mit attributiven Adjektiven ausgedrückt werden: ts Änner Holz / Holzji (Glis, Visp), im Kleinen Holz (1839, Glis), ts Hinder / Hinner Holz (Glis, Visp, Ried-Brig, alle historisch), ts Inder Holz (Wiler), ts Ober Holz / Holzji (mehrfach), ts Uister Holz (Wiler), ts Unner Holz / Holzji (mehrfach). Nur einmal kommt bim Füüle Houzji (Ritzingen) vor (wohl ein Waldteil mit Faulholz) und einmal das Partizip ts Gfalle Holz ‘das gefallene / gefällte Holz’ (Oberwald), wo es wohl um einen Holzschlag geht. Einen seltenen Plural bietet z Wäle Helzru ‘bei den feuchten Hölzern (Waldgebiet)’ (Visperterminen).

Der Übergang von den attributiven Bildungen zu den Komposita mit Holz als Grundwort ist, wie üblich, fliessend, vor allem bei adjektivischen Bestimmungswörtern. ts Grüeholz ‘das grüne Holz’ (Martisberg) hat ein palatalisiertes Grüe (vgl. ID. 2, 741 s. v. gruen). Das Gwärholz (Reckingen) geht vermutlich auf twërch ‘quer, schräg’ (ID. 14, 1825 zurück, also der quer verlaufende Wald. ts Schmalholz (Steg) ist ein schmaler, kleiner Wald. Verbreitet ist die Verbindung Jungholz als Bezeichnung für einen Jungwald (ID. 2, 1251 f.), wobei der Name an Orten haftet, wo schon lange kein Jungwald mehr steht. Nicht adjektivisch sind die Typen Baholz ‘Bannwald’ (ID. 2, 1256) und Eiholz ‘Eichenwald, Wald mit Eichen’ (ID. 2, 1249) – nur selten ist jedoch im Vorderglied die Eie (Aue) vertreten. Ein blosses Präfix Fir- ist in Firholz, Pl. Firhelzer, auch Furholz vorhanden; gemeint ist normalerweise das Gebiet vor dem Holz, also der Waldsaum (ID. 2, 1250 s. v. Vor-, Fürholz). Das Bachholz ‘das Holz zum Backen’ (Hohtenn) enthält den Zweck des geschlagenen Holzes. Das Guggiholz (Simplon) benennt den Wald oberhalb der Alpe Guggina (Aussichtsstelle); das (e)Riätholz (Kippel) den Wald oberhalb Chiipelriäd. Das Kestenholz (1539, Naters) meint einen Kastanienwald, ebenso Cheschtiholz (Filet); das Lerchenholz (1852, Hohten) einen Wald mit Lärchen. Locholtz (1301, Naters) und Lochholz (Termen) bezeichnen einen Wald in einer Mulde oder Höhlung. Jm Muͤliholts (1490, Ried-Brig) und das Mûliholcz (1505, Simplon) benennen einen Wald bei einer Mühle. Schindelholz (Termen und 1601, Naters) wird ein Wald genannt, aus dem Schindeln gewonnen werden (ID. 2, 1260). Etwas irreführend ist wohl Täholz (Eischoll, Turtmann): es geht hier nicht um Tannen, sondern um Ze Tännu, einen Weiler mit romanischem Tendona als erstbelegtem Namen. Mehrfach kommt das Teilholz ‘Wald, aus dem das Holz für die Geteilen stammt’ (St. Niklaus, Visperterminen) vor (vgl. auch ID. 2, 1262 mit einer etwas anderen Erklärung).

Zweigliedrige Bestimmungswörter finden sich in Milisteiholz (1470, Fiesch; 1593, Bellwald; 1580, Niederwald), das wohl einen Wald bei einem Ort namens Milistei ‘Mühlstein’ meint.

Vorangestellte Genitive zu Holz sind vertreten in Gigers Holz (Erstbeleg 1388: Holz Gýgarro, Ried-Mörel) ‘der Wald der Familie Giger’, wo vermutlich ein FaN gemeint ist und nicht die Berufsbezeichnung für einen Geiger, und ts Borisch Holz (Ried-Brig) mit einem Personennamen Bori, dessen Herkunft unklar ist. ts Pfaffuholz (Ergisch) enthält wahrscheinlich den FaN Pfaffen. Ursprünglich ist ein Genitiv Plural belegt in mehreren Namen mit Eiholzer, etwa Eyholzer Wald (17??, Eÿholtzero Wald, Eyholz), wo entweder ein Ort Eiholz oder der FaN Eiholzer vertreten ist (manchmal unentscheidbar). Unklar ist Kammeroholtz (1715, Ernen), wo vermutlich ein FaN Kammer gemeint ist (und nicht, wie ID. 2, 1253 formuliert, ein Wald, der einer bischöflichen oder fürstlichen ‘Kammer’ gehört). Erweitert ist die Konstruktion in Brunneren Eÿholtz ‘das Eich-Holz der Familie Brunner’ (1747, Mörel).

Als Bestimmungswort ist Holz zusammen mit Acher, Bodu, Egg(a), Eie, Gassa, Grabe, Hee (hoch, heej), Hitta, Hooru, Hubel, Kapälla, Matta, Meiss, Rigg, Schlag, Schleif, Schluocht, Schwelli, Spitz, Stafel, Steg, Suon, Tola, Tschugge, Ture, Wäg, Wald, Wang, Wanna, Weid und Zug vertreten. Die Komposita Baholz, Eiholz und Jungholz kommen ebenfalls als Bestimmungswörter vor – es entstehen so Namen mit bis drei und vier Komponenten wie Eýcholcz Wasserleýta (1408, Bitsch), Jungholzwaldji (Naters) und Baholzgassa (Simplon). Nur als Bestimmungskonstruktion findet sich Liechtholz ‘Lichtholz, Kienspan’ (GRICHTING 1998, 127) in Liechtholzegga ‘die Ecke, wo es Lichtholz (Kienspan) hat’ (Zwischbergen).

Komplexere Bestimmungswörter wie Holzmeis ‘Holzhau’ sind belegt z. B. in Holzmeisschleif und Holzmeisswald (beide Gampel); es gibt da auch einen vorangestellten Genitiv ts Heersch Holzmeis ‘der Holzschlag des Herrn (Pfarrherrn)’ (Mund). Ähnlich ist der Genitiv Plural bei einem Holzschleif: Griebieroholz Schleif (1638, Bitsch) meint den ‘Holzschleif der Leute in den Grüebini (kleine Gruben)’.

Manche dieser komplexeren Konstruktionen können mit Adjektiven wie Aalt, Grooss, Gmein, Hinder, Chlei, Ober, Under usw. verbunden werden, sodass Namen wie der Unner Holztschuggu (St. Niklaus) oder dr Ober Loosholzbodu (Leuk) entstehen können; Loosholz ist das den Geteilen zustehende Holz, resp. der Ort, wo es geschlagen oder verteilt wird.

Die Ableitung Holzer, Dim. Holzerli meint entweder jemand, der im Holz arbeitet, oder den FaN Holzer (AAWB 126), der auch zu Holzi gekürzt werden kann. Im Einzelfall lässt sich nicht immer entscheiden, was gemeint ist. Prominent ist Houzer etwa in Binn mit Houzerehiischere ‘bei den Häusern der Holzer’, Houzerspitz / Holzerspitz ‘Felsspitze ob der Alpe Holzere’ und weiteren. Zwar ist Holzer als FaN in Binn heute nicht belegt, doch legt die Parallele zu Schmidige und Schinere nahe, dass ein solcher FaN früher vertreten war. Neben Holzer kommen auch Eyholzer und Imholz als FaN vor; auch hier ist nicht immer klar, ob der FaN gemeint ist oder nicht.

Zwei adjektivische Ableitungen zu Holz auf /-ÎN/ und auf /-IG/ sind belegt und in Namen vertreten: der Holzi Fat ‘der Weideplatz in den Felsen mit Holz (Wald)’ (Simplon) und der Holzig Fad (Randa, St. Niklaus, Täsch) mit ähnlicher Bedeutung. In beiden Fällen ist gemeint, dass der Fad mit Bäumen bestanden ist. Weitere Komposita mit diesen Adjektiven sind etwa tsem Holzini Chriiz ‘zum hölzernen Kreuz’ (Ferden) oder zer Holtzinen Hitten ‘zu der Hütte aus Holz’ (Simplon).

Ein Paar von Namen besonderer Art bilden der Holzmüeterlitschuggu und der Holzfatterlitschuggu (beide Gampel). Es geht um zwei Felsblöcke, die vermutlich wie ein Paar von mythischen Waldwesen betrachtet wurden (vgl. ID. 4, 593 zu Holzmueter).

VSNB, Bd. 2, Sp. 495

Vorkommen

hellzer

helzru

hollz

hollze

hollzji

holz

holzer

holzeri

holzerli

holzerna

holzero

holzgi

holzi

holzig

holzigu

holzini

holzji

holzjinu

houz

houzer

houzji