Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Bitsch

Bitsch ist der Name einer kleinen Gemeinde im Bezirk Östlich-Raron (cf. Bitsch bei den Gemeindenamen). Das alte Dorfzentrum befindet sich auf rund 800 m östlich der Massaschlucht. Daneben gibt es ein weiteres Bitsch (heute Bitschji) in Naters auf der westlichen Seite der Massaschlucht auf ca. 1050 m sowie eine Bitschuschlüocht deutlich weiter westlich auf ca. 1250 m, wohl ohne Zusammenhang zu den beiden andern Orten. Ein FaN Bitschi ist ebenfalls belegt, mit einem Schwerpunkt im Bezirk Westlich-Raron (cf. HL BITSCHIN (FAN)). Die ältesten Belege für das HL sind: 1317 de Byche (Bitsch); 1332 jn dem Byche (Bitsch); 1342 de Butsche (Bitsch) und 1390 de Buͤsche (Bitsch). Der erste Beleg mit /i/ tritt erst 1526 als Bitzsch auf. Es ist also von einem gerundeten Vokal auszugehen, der erst nach 1500 zu Bitsch entrundet wurde; die konsonantische Endung /tʃ/ kann aus einem stimmhaften romanischen /ʣ/ oder /ʤ/ entstanden sein. Auch für Naters ist 1412 in dem Butsche belegt. Und auch Bitschuschlüocht hat 1460 jn der Bütschschlucht.

BENB (1, 4, 769) führt Bütsch und Varianten auf das lat.-rom. Appellativ PODIUM ‘Erhöhung, Anhöhe’ zurück. KRISTOL ET AL. (2005, 162) lehnen diese Deutung (so schon von OETTLI (1945, 44)) ab und schlagen germ. *būsca ‘Feuerholz’, in der Bedeutung ‘Schindel’ vor. Dennoch sind Formen wie pudzo von PODIUM durchaus als Vorgänger von Bütsch möglich (FEW 9, 111 ff.), entgegen unserer eigenen Ansicht in WERLEN (1991, 244).

KRISTOL ET AL. argumentieren phonetisch; die hist. Formen weisen auf eine urspr. rom. Form hin, in welcher ein lat [k] vor [a] zu [tš] (später [ts]) palatalisiert wurde. Wahrscheinlicher Ausgangspunkt ist daher für KRISTOL ET AL. der germ. Stamm *būsca ‘Feuerholz’, der als Lehnwort im Galloromanischen verbreitet ist (frz. bûche, frpr. [butsə]). Wie in anderen Oberwalliser ON, die auf eine fem. rom. Form zurückgehen, ist in Butsche > Bitsch der Endungsvokal geschwunden. Die Hauptbedeutungen von germ. *būsca sind ‘Grashalm, Strohhalm; Schindel’. Von den beiden konkurrierenden Deutungen ist inhaltlich PODIUM ‘Anhöhe’ sinnvoller. Lautlich sind aber beide möglich. In Bitschuschlüocht wäre der Auslaut erhalten oder neu eingeführt worden.

Zum Gemeindenamen Bitsch gehören die attributiven Adjektivbildungen im Endren Bitsch ‘im jenseitigen Bitsch’ (1695, Bitsch) und in Superiori Bütsch ‘im oberen Bitsch’ (1509, 1513, 1536 Bitsch). Als Bestimmungswort ist der Name belegt in im Bitschgrabu ‘im Graben im Gebiet Bitsch’ (Bitsch) und die Bitschschluocht ‘die Geländeeinbuchtung von Bitsch’ (Bitsch). Ein Genitiv Plural findet sich in Bitscherro Kirchweg ‘der Weg zur Kirche der Leute von Bitsch’ (Jahr unsicher, Bitsch). Eine Ableitung auf /-ERRI/ (für Wasserleiten) ist belegt in uf der Bitscherri ‘oberhalb der Wasserleite nach Bitsch’ und ex Obren Bitscherri ‘aus der oberen Wasserleite nach Bitsch’ (1609, Bitsch). Zu Ried-Mörel gehören in der Bitschschlucht (1763, Ried-Mörel), Bitschwald ‘der Wald in Richtung Bitsch’ (Ried-Mörel) und die Ableitung auf /-ERI/ für eine Wasserleite: Bitscheri ‘die Wasserleite nach Bitsch’.

Das erstmals 1412 in dem Butsche (Naters) erwähnte Natischer Bitsch heisst heute Bitschji ‘das kleine Bitsch’ (auf SK Nat.[ischer] Bitsch). Als attributive Adjektivbildung ist belegt ts Unner Bitschji ‘der untere Teil des kleinen Bitsch’. Als Bestimmungswort erscheint Bitsch in Bitschbodu ‘der Boden beim Bitschji’, weiter Bitscher in Bitschergraagi ‘(unklar) das Graagi (ev. zum Diminutiv gratgi) beim Bitschji’ und Bitscherhoru (Felshorn oberhalb Bitschji). Eine /-ERI/-Ableitung für eine Wasserleite ist in die Bitscherij (1750), Ober Bitscheri und Unner Bitscheri enthalten. Zu Bitschji findet sich Bitschjisee ‘der See beim Bitschji’. Nicht geklärt ist der Name Bitschuschlüocht ‘die Geländeeinbuchtung bei Bitschu’ (Naters); Bitschu ist sonst nicht belegt.

VSNB, Bd. 1, Sp. 226

Vorkommen

bitsch

bitscher

bitscheri

bitscherij

bitscherri

bitschji

bitschu