Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Eich

Eich f., n. ist zu Schwdt. Eich, Eiche, Eie f., mhd. eich f., wie nhd. Baumname ‘Eiche’ zu stellen. Eich n. ist ein kollektives Neutrum mit der Bedeutung ‘Eichenwald, wo es Eichen hat’ wie auch bei anderen Baumnamen, z. B. ts Ta. Eich in FlN bezeichnet einen mit Eichen bepflanzten Ort (ID. 1, 72; GRICHTING 1998, 64 kennt Eich nicht, vgl. aber WIPF 1910, 75 zu Eichböim). Im Namengut ist auch eine Besitzerbezeichnung oder FaN Im Eich (AWWB 128 f.; VON ROTEN, ANTON, in: BWG 1943, 9, 456 ff.) möglich.

Das Simplex im Singular ist belegt als ts Eich ‘der Ort, wo es Eichen hat’ (Birgisch, Eggerberg, Raron, Zeneggen), historisch 1305 als dz Eyche (Baltschieder), später als im Eich (1880, Hohtenn). vnder dem Eyk ist 1306 in Ausserberg belegt; später (1713 u. später) ist es als Zer Eichen bezeugt. Eycha ‘die Eiche’ (1391, Naters) ist etwas unsicher, da der Kontext auch eine Aue meinen könnte. 1705 hat Turtmann zur Eüchen ‘bei der Eiche’ – eine hyperkorrekte Form. Lebend ist belegt tser Eichu ‘bei der Eiche’ (Hohtenn). Einen Plural findet man seit 1435 in Eÿchon ‘bei den Eichen’ in Bitsch, heute als Eiche. Diminutive zeigen 1750 im Eicherli ‘im kleinen Gebiet mit Eichen’ (Unterems, 1744 als zum Eicherleÿ) und Eichji ‘das kleine Gebiet mit Eichen’ (Hohtenn).

Mit attributiven Adjektiven sind bezeugt: die Grosse Eiche (1869, Stalden), Hohen Eiche (Dat. Sg.) ‘die hohe Eiche’ (1890, Stalden), t Holuneich ‘die hohle Eiche’ (Mund), t Obru und t Undru Eiche ‘die oberen und die unteren Eichen’ (Bitsch, zum Simplex Eiche).

Belege mit Eich als Grundwort fehlen. Von den Komposita mit Eich als Bestimmungswort ist Ei(ch)holz ‘Eichenwald’ am prominentesten, das auch als (früherer) Gemeindename Eyholz (Eyholz) belegt ist. Der Flurname kann in wenigen Fällen auch zum HL EIE ‘Aue’ gestellt werden. Weitere Eiholz gibt es in Bitsch und Ried-Mörel, historisch 1372 (im Eichholtz) u. später auch in Mörel. jhm Einholtz (1653 u. später, Naters) weist eine unsichere Lokalisierung auf (M. S. nimmt auch Eyholz an). Das Kompositum ist auch mit attributiven Adjektiven verbunden: jm ändren Eyholtz (1672 u. später, Bitsch; 1589 vom Hindren Eÿholtz ans Endra), im Hindren Eÿholtz (1779, Bitsch; 1779 Ried-Mörel), im Obren Eÿholz (1746, Bitsch) und im Obren Eýcholtz (1399, Birgisch).

Einen vorangestellten Genitiv Plural findet man in Brúnneren Eÿholz (1747 u. später, Mörel), wo entweder der FaN Brunner oder ein Herkunftsname ‘die Leute vom Brunnen (Quelle)’ vorliegt.

Zum Bestimmungskompositum Eiholz erscheinen die Grundwörter Acher, Blatta, Grabu, Matta, Schluocht, Wäg und Wald, sowie das Kompositum Wasserleita.

Von Eiholz abgeleitet ist der FaN Eyholzer, Eiholzer (AWWB 90 f.), der auch Herkunftsname sein kann. Als sicherer Genitiv erscheint es in der Eikholzerro Acher ‘der Acker der Leute vom Eichholz / der Familie Eyholzer’ (1307, Zeneggen), Eicholtzero Ens ‘der Äntsch (Alpe des Enzo?) der Leute vom Eichholz / der Familie Eyholzer’ (1530, Visperterminen), Eikholtzerro Matta ‘die Wiese der Leute vom Eichholz / der Familie Eyholzer’ (1303, Visp), Eÿholtzero Wald ‘der Wald der Leute von Eyholz’ (17??, Eyholz). Weitere Belege sind t Eiholzerräbe ‘die Reben der Familie Eyholzer / der Leute vom Eichholz’ (Visperterminen), ts Eyholzerchi ‘das Kinn (Schlucht) im Eyholzerwald’ (Eyholz, Visp).

Die übrigen zweigliedrigen Komposita mit Eich als Bestimmungswort weisen die Grundwörter Blatta, Brunnu, Egg(a), Giller (wohl: Chiller), Gilla, Grabu, Haalta, Matta, Pletscha, Schnitta, Stei, Trog, Wäg, Wald, Wang, Weid, Wier und das Kompositum Wasserleita auf. dr Eichjitschuggu ‘der Fels beim Eichji (kleines Gebiet mit Eichen)’ (Hohtenn) ist der einzige Belegt mit dem Diminutiv als Bestimmungswort. Komplexer ist Eichmattutschuggu ‘der Fels bei der Wiese bei den Eichen’ (Bratsch).

Nur zweimal ist der Name Eichhoru für das Eichhörnchen belegt: Eihoruflüe ‘die Fluh, die wie ein Eichhörnchen aussieht’ (Hohtenn) und ts Eihorugässi ‘die kleine Gasse, wo es Eichhörnchen hat (?)’ (Leuk). Der Tiername schwdt. Ei(ch)horn n., mhd. eich(h)orn, ahd. eihhurn(o), eihhorno, ist zu Eiche zu stellen; der zweite Teil ist jedoch umstritten (LEXER 1, 517; KLUGE / SEEBOLD 252011, 231).

Ableitungen zum HL Eich sind selten. 1757 ist jn Eÿchers Garten (Gampel) belegt, wo ein sonst nicht belegter FaN oder ein Herkunftsname vorliegen kann; dass ein verkürztes Eichhorn vorliegt, ist eher unwahrscheinlich. der Eichibodo ‘der Boden beim Gebiet mit Eichen’ (Ausserberg) könnte eine Ableitung Eichi auf /-I/ enthalten, die laut ID. (1, 72) zu einer /-ACH/-Ableitung mit dem Sinn ‘mit Eichen besetzter Ort’ gestellt werden kann (SONDEREGGER 1958, 466 ff. zu /-AHI/).

Als Adjektiv auf /-LICH/ ist 1548 in Bürchen Eylichi Tuelin ‘die eichene Röhre’ belegt (vgl. HL TUELIN), der Name eines Ackers, der mit einer solchen Röhre bewässert wurde. Das Adjektiv ist bei WIPF (1910, 176) als eichin belegt.

VSNB, Bd. 2, Sp. 48

Vorkommen

ei (Eich)

eich

eiche

eichen

eicher

eicherli

eichern

eichero

eicherro

eichers

eichi

eichji

eichu

eik

ein (Eich)

ey

eych

eycha

eyche

eylichi