Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Hubel

Hubel m. ‘Hügel’ ist zu schwdt. Hubel m., Dim. Hübeli, Hibeli, Hübelti, Hubelti u. ä. ‘Hügel, Anhöhe’ auch ‘kleine, runde Erderhöhung’ (ZINSLI 1984, 571 und 1946, 324) und wdt. Hubl, Hubäl (Goms), Hubul (Vispertäler), Hubol (Schattenberge), Hubil ‘Hügel’ zu stellen. ID. leitete es vom Verb ‘heben’ ab, Wurzel *hub- (ID. 2, 948 f.; GRICHTING 1998, 110). Die Verteilung der Auslaute der Maskulina auf /-il/-ol/ ist bei RÜBEL (1950, 7 f.) behandelt. Zur Verschärfung vor /l/ zu Hupla usw. vgl. RÜBEL (1950, 14).

Das HL ist in rund 270 Namen belegt. Das Simplex im Singular erscheint als dr Hubel oder ufem Hubel in 28 Belegen, als dr Hubil oder ufem Hubil in 11 Belegen, als dr Hubol oder ufem Hubol in 6 Belegen, als dr Hubu oder ufem Hubu in 9 Belegen (nur im unteren Goms mit /l/- Vokalisierung). Das Simplex im Plural ist t Hubla (fünf Belege), t Huble (vier Belege), ts Huplu ‘bei den Hügeln’ (Termen), t Huppla (Naters), uf de Huple (Bellwald) und an den Hublen (1542 u. später, Mund) – hier sind meist hügelige Gebiete gemeint. Der Diminutiv im Singular ist als Hubelti (Zermatt; 1868 Feschel), ts Hubilti (Hohtenn, auch Hubelti), ts Hubolti (Ausserberg, Visperterminen), ts Hubulti (St. Niklaus, Zwischbergen; 1757, Simplon) bezeugt. Im Plural kommen t Hibultini (Simplon, mit entrundetem Plural nach Umlaut), t Hubeltini (Täsch), t Huboltini (Eggerberg, zwei Belege) und t Hupplini (Naters) vor – auch hier sind Gebiete mit vielen kleinen Hügeln gemeint. Die Präposition hinner ‘hinter’ kommt in hinner t Hubla ‘hinter den Hügeln’ (Varen) vor; Akkusativ an Stelle des Dativs ist für Varen auch sonst belegt.

Mit attributiven Adjektiven oder Partizipien erscheint das HL wie folgt: der Gross Hubel ‘der grosse Hügel’ (St. Niklaus; 1720, Blitzingen), der Gstochi Hubel ‘der steil ansteigende Hügel’ (Blatten, Wiler), aŭf dem Hangenden Hubel ‘auf dem hängenden (steilen) Hügel’ (1778, Bratsch), der Heidnisch Hubil ‘der heidnische Hügel (wo die vorgeschichtliche Bevölkerung wohnte)’ (Turtmann), der Chlei Hubel ‘der kleine Hügel’ (St. Niklaus), am Nydren Hubel ‘am niederen (unteren) Hügel’ (1448 u. später, Zermatt), der Ober Hubel (Ulrichen, Raron (Hubil), Eggerberg (Hubol)), der Rot Hubil ‘der rote Hügel’ (Albinen), beim Runden Hubel (1842, Oberwald), ts Schwarz Hubulti ‘der kleine schwarze Hügel’ (Zwischbergen), der Dirr Hubil / Hubol ‘der dürre (trockene) Hügel’ (Niedergesteln, Raron), der Unner Hubel (Ulrichen; 1448, Zermatt; Raron (Hubil), Eggerberg (Hubol)), ts Wiiss Hubulti ‘der kleine weisse Hügel’ (Zwischbergen); hieher ist – sofern ein Name vorliegt – auch das lat. super planum Collem ‘auf dem ebenen Hügel’ (1640, Salgesch) zu stellen, wobei unklar ist, ob lat. COLLIS hier identisch ist mit dem aus lat. CRISTA entwickelten HL GRECHTA.

Vorangestellte Genitive des Besitzers oder Nutzers sind: der Heeruhubil ‘der Hügel des Herrn Pfarrer’ (Gampel, zwei Belege), ts Mantschetsch Hubil ‘der Hügel der Familie Mayenzet’ (Leukerbad), ts Opmisch Hubil ‘der Hügel des Opmi (PN)’ (Bratsch), das wohl zum PN Otmar zu stellen ist, ts Bitschisch Hubil ‘der Hügel der Familie Bitschin’ (Steg), auf Rotigen Hublen ‘auf dem Hügel der Familie Roten’ (1826, Raron und Ausserberg) und ts Stäffisch Hubol ‘der Hügel des Stefan / der Familie Steffen’ (Eisten).

Nachgestellt ist das halb in Latein gehaltene in tumulo Näffigo ‘auf dem Hügel der Familie Näffen’ (1641, Ried-Brig) mit der kollektiven /-IG/-Ableitung im Genitiv Plural.

Häufig sind zweigliedrige Komposita mit dem HL als Grundwort. Eine erste, kleine Gruppe weisen Besitzeroder Nutzernamen im Nominativ auf: der Feliizihubel ‘der Hügel der Felicia / des Felicius’ (Raron), der Fenderhubel ‘der Hügel des Fähnrichs’ (Kippel), wo unklar ist, ob es sich um eine Funktion oder den Inhaber der Funktion handelt, der Hagihubol ‘der Hügel der Familie Hagi (laut Gwp.; Kurzform für Hagen?)’ (Eggerberg), der Holzihubol ‘der Hügel der Familie Holzer’ (Eggerberg), auf dem Hútterhúbel ‘auf dem Hubel der Familie Hüeter / der (Flur-)Hüter’ (Varen), t Jaagihubla ‘die Hügel der Familie Jaaggi / des Jaaggi (PN Jakob)’ (Bratsch), der Konsulubel ‘der Hügel mit dem Haus der Familie Konsul (laut Gwp)’ (Obergesteln), der Meierhubel ‘der Hügel der Familie Meier / des Meiers’ (Wiler), der Milljihubol ‘der Hügel der Familie Miller’ (Eggerberg), ts Nanserhubolti ‘der kleine Hügel der Nanzer (unklar, ob FaN oder Geteilen der Alpe Nanz)’ (Visperterminen), der ‘Perischuhubil ‘der Perischuhügel (im Pfynwald) (wohl zum FaN Perruchoud)’ (Salgesch, Name mit Erstbetonung!), Schitzuhubil ‘der Hügel der Schützen (unsicher, ob der Schützengilde gehörend)’ (Ergisch), der Wickerthubel ‘der Hügel im Gebiet Wickert (PN Wighart)’ (Glis), wo Wickert wohl nur noch als das Gebiet Wickert verstanden wird, Ängländerhubil ‘der Hügel des Engländers (nach MATHIER 2015, 133 ein Hügel, auf dem ein Engländer ein Haus zu bauen versuchte)’ (Salgesch) und Zirrehubu ‘der Hügel der Familie Zirren’ (Fiesch).

Je nach Deutung ist ein blosses Präfix in der Fiirhubil ‘der Vor-Hügel / der Hügel mit Feuer’ (Ergisch) vorhanden. Wenn das Präfix Vor – Fir gemeint ist, handelt es sich nicht um ein Kompositum, sondern um eine Präfixbildung. Wenn Fiir ‘Feuer’ gemeint ist, entsteht ein Deutungsproblem (wie es Gwp. anspricht: ein Feuer als Zeichen in Kriegszeiten).

Bei den vielen weiteren Komposita sind meistens nahegelegene Flurnamen vertreten. Beispiele dafür sind: Finilhubel ‘der Hügel beim Gebiet Finile (Heuschober)’ (Unterbäch), t Flüehubla ‘die Hügel auf der Flüe-Alp’ (Leukerbad), Getwinghubil ‘der Hügel bei Getwing’ (Bratsch), der Gletscherhubil ‘der Hügel am Märetschigletscher’ (Agarn) und viele andere. Anders zu verstehen sind: Heidehubu (Ernen), der Heiduhubel (Brig), der Heiduhubil (Unterems), wo Heide (wie in Heidehüs ‘Heidenhaus’) auf eine vorgeschichtliche Besiedlung verweist; das bekannteste Beispiel ist der Heidnischbiel (Raron). der Gaugehubu (Ernen) und Galguhubol (Eggerberg) verweisen – im Fall von Ernen stehen die Galgensäulen noch – auf eine frühere Richtstätte. Das Gegenteil sind Hügel mit religiösen Bauten wie Kapälluhubil ‘der Hügel mit der Kapelle’ (Salgesch) und der Chrizhubil ‘der Hügel mit dem Kreuz (Jungmannschaftskreuz)’ (Turtmann), Ein dritter Typ hat mit Tieren zu tun: der Gläckhubol ‘der Hügel mit der Leckstelle für das Vieh’ (Niedergesteln), der Guggerhubel (mit Varianten) ‘der Hügel, wo man den Kuckuck hört’ (Ausserberg, Blatten, Kippel, Varen), der Hennuhubel ‘der Hügel, wo sich Hühner aufhielten’ (Blatten), wobei Auer- oder Rebhühner gemeint sein können, ob dem Schlangen Húbell ‘oberhalb des Hügels mit Schlangen’ (1824, Bellwald).

Bei den nahegelegenen Flurnamen sind eine Reihe von ursprünglichen Patois-Namen mit dem dt. Hubel interessant: Foljerethubel ‘der Hügel unterhalb des Gebietes Foljeret’ (Leukerbad), der Grächtschabluhubil ‘der Hügel beim Schleif der Grächta (Grat, Krete)’ (Leuk) (mit einem zusammengesetzten romanischen Namen), Laljethubil ‘der Hügel im Gebiet Laljet’ (Albinen), Muskatellhubel ‘der Hügel, wo die Muskatellrebe wächst’ (1728 u. später, Leuk und Varen), der Märetschuhubil ‘der Hügel bei der Määretschu (Sumpfgebiet)’ (Hohtenn), der Pflantschanghubil ‘der Hügel beim Gebiet Pflantschang (ebenes Feld)’ (Varen), der Tschachtuhubil ‘der Hügel bei den Tschachten (Felsstücke)’ (Varen), Duduhubil ‘der Hügel im Gebiet Dude (Pfrundgut)’ (Varen), der Tüübuhubil ‘der Hügel auf der Tüübu’ (Leukerbad) (wir nehmen an, dass Tüübu romanisch ist). Für die Deutung der Patois-Namen siehe die entsprechenden HLL.

Ein Kompositum ist besonders schwierig zu deuten: hier werden die beiden HLL HUBEL und BIEL kombiniert zum Typ der Bielhubel (mit Varianten) (Eischoll, Ergisch, Eyholz, Glis, Hohtenn); es scheint, dass hier ein Hubel in einem grösseren Gebiet gemeint ist, das Biel heisst – beide HLL sind ja generell als Hügel zu verstehen.

Seltsam ist der Gipfelname der Alphubel (Saas-Fee, Täsch) – ein Viertausender, der wohl wegen seiner Form als Hubel bezeichnet wird. Alphubelgletscher (Täsch) und Alphubeljoch (Saas-Fee, Täsch) sind danach benannt.

Mehrgliedrige Komposita sind etwa der Fooder und der Inner Weiduhubil ‘der vordere und der innere Hügel bei der Weide’ (Gampel), der Hängerthubil ‘der Hügel mit / bei dem Heim-Garten’ (Niedergesteln), der Chalberweidhubil ‘der Hübel im Gebiet Chalberweid (Weide für die Kälber) (Erschmatt), der Liechtbielhubol ‘der Hügel im Bereich von Liechtbiel (heller Hügel)’ (Stalden) und viele andere. Ein noch komplexerer Name ist Bielä bim Chrizhubil ‘die Hügel beim Kreuzhubel’ (Turtmann). Schwierig zu deuten ist dr Waldbruäderhubel ‘der Hügel, der wie ein Waldbruder aussieht (unklar)’ (Kippel).

Als Bestimmungswort verbindet sich das HL mit folgenden Grundwörtern: Acher, Bach, Flüö, Gassa, Gartu, Gletscher, Gufer, Hee (hoch, heej), Matta, Schiir, Schnitta, Tschugge, Wäg, Wald, Wang und Weid.

Nur einmal belegt ist t Hublete ‘das Gebiet mit den vielen Hügeln’ (Unterbäch), das eine kollektive feminine /-ETE/-Ableitung (SONDEREGGER 1958, 482 ff.) enthält.

VSNB, Bd. 2, Sp. 510

Vorkommen

hibulti

hibultini

hubel

hubelti

hubeltini

hubil

hubilti

hubla

huble

hublen

hublete

hublu

hubol

hubolti

huboltini

hubu

hubul

hubulti

huple

huppla

hupplini

kubel