Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Chlüüs

Chlüüs ist zu schwdt. Chlūs, Chlōs f. ‘Einsiedelei; Engpass, Schlucht, Bergluke, Runse eines Bergbaches; grosse Schleuse in einer Schlucht, wo der Abfluss des Wassers so lange versperrt wird, bis der Durchbruch stark genug ist, eine Menge aufbewahrten Holzes mitzureissen; Klause’ (ID. 3, 699), mhd. klūse, klūs, klōse ‘Felsspalte, Felskluft, Engpass; Schleuse zur Aufstauung eines Gebirgbachs für die Holzflössung’ (LEXER 1986, 111) zu stellen. Das Lemma ist vom lat. *CLAUSU ‘abgeschlossen’ abzuleiten, das entweder ein eingezäuntes Stück Land (frz. clos), eine Klause (eines Einsiedlers z. B.) oder eine Felsenenge oder Schlucht meinen kann. Im Einzelfall ist nicht klar, ob Chlüüs als schon früh ins Deutsche entlehnte Form zu verstehen ist (das vor allem in den oberen Bezirken), oder als direkte Übernahme aus dem Frpr. (im westlichen Bezirk Leuk). Sofern das /s/ ausgesprochen wird, ist das Lemma hier zu Chlüüs gestellt, sonst zum HL GLÜÜ. Die Belege zu Chloosi (Naters) sind unsicher und werden zum HL CHLOOS gestellt, desgleichen Chlosnere (Grengiols), obwohl ID. die Form mit /o/ ebenfalls kennt (siehe dazu SONDEREGGER 1958, 140 ff.).

Das Lemma ist als Simplex belegt in t Klüüs ‘die Klus’ (Albinen), wobei vermutlich ein eingezäuntes Stück Land gemeint ist, wenn die zugehörigen historischen Belege richtig zugeordnet sind, dann in Cluss (1511, Glis), wo von einer domuncula die Rede ist, also wohl von einem kleinen Raum, einer Klause also, und in t Chluise ‘die Felsenengen’ (Simplon). Ein romanischer Diminutiv ist in ÿ Clusettes (1654, Albinen) erhalten, 1622 als eÿ Kluselet, beide wohl ursprünglich frpr. für ‘das kleine eingezäunte Gut’.

In Simplon gibt es die adjektivischen Bildungen t Obru Chluise und t Undru Chluise (beide im Umfeld von t Chluise) und dazu mit dem Bestimmungswort Chluise Chluisbiel, die Klussflů (1570, Simplon), t Kluismatte, Klŭstschŭggen (1643, Simplon). Die erweitere Form t Chluisbieleri ‘die Wasserleite vom / zum Hügel bei den Klusen’ (Simplon) weist eine Ableitung auf /-ERI/ für Wasserleiten auf. JORDAN (2006, 178 ff.) kennt neben Chluisä auch Obri Chluisä, Franzjisch Chluisä, Tunosch Chluisä, Chluisunegg, Chluisuçheer, Groossi Chluisä, Chluisuntola, Chluisbodu, Chlusbièl, Chluisä hinnuní, Chluisuchi und Undri Chluisä (alle Simplon-Dorf). Wohl zum FaN Kluser ist Chluisärmat (JORDAN 2006, 329) zu stellen.

Auch im Lötschental hat das Lemma den Diphthong /ui/: dr Chluisbiäl (Kippel), t Chluissteina (Blatten), die auch als Chluichsteina belegt sind (vermutlich mit einer Dissimilation des /s/ vor /š/). Weiter ist Chlüüs Bestimmungswort in Klüüsbodu (Albinen) und der Klüüsgrabe (Gluringen).

Einen Genitiv Plural weist in Klúsero Boden (1746, Simplon) auf, dem entweder der FaN Kluser (AWWB 141, für Simplon belegt) oder der Herkunftsname ‘die Leute von der Klus’ zu Grunde liegt; vgl. auch Chluisärmat (JORDAN 2006, 329).

Unklar ist der Beleg auf der Inneren Klusinen Höhe (1769, Leuk), wo vermutlich ‘die Höhe bei den inneren kleinen Klusen (wohl eingezäunte Stücke Land)’ gemeint ist. Klusinen dürfte ein Genitiv Plural zum Diminutiv Klusi sein, kaum ein Adjektiv klusi(n) ‘zur Klus gehörig’.

VSNB, Bd. 1, Sp. 356

Vorkommen

chluich

chluis

chluise

clusette

cluss

kluis

klusinen

klüüs