Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Änder

Änder ‘jenseitig’ ist zum schwdt. Adj. ëner, ënder, -er, -i, -s, ‘jenseitig’, siehe auch änet und wdt. änner, ännär ‘entfernter liegend, weiter drüben’ (ID. 1, 265; GRICHTING 1998, 27) zu stellen. Die Form mit /nd/ entsteht durch Einschub eins /d/ vor /r/; da gleichzeitig eine optionale Regel /nd/ -> /nn/ (z. B. in ander vs. anner ‘andere’) existiert, werden auch hier beide Formen verwendet. Das HL kommt in rund 90 Namen vor.

Als Simplex erscheint das HL nur in substantivierter Form: an der Enderen ‘am jenseitigen Ort’ (1680, Täsch), an der Enderun ‘am jenseitigen Ort’ (1676 u. später, St. Niklaus, mit unterschiedlichen Schreibweisen), t Ännerna ‘der jenseitige Ort’ (Randa, LT Ennerna). Da die historischen Belege jeweils eine Person namens Truffer erwähnen, dürfte es sich in allen drei Fällen um die gleiche Kleinsiedlung handeln, die sich zwischen Randa und dem nördlicheren Lerch bei Randa befindet.

In den meisten anderen Fällen wird das Adjektiv attributiv flektiert oder unflektiert verwendet; nur selten ist es Bestimmungswort in einem Kompositum.

Attributive Adjektive erscheinen in verschiedener Schreibform als am Andren Acker ‘beim jenseitigen Acker’ (1806, Visperterminen) – die wenigen Belege mit Ander können auch zu ander ‘ander, ein zweiter’ gestellt werden, doch ergibt dies meist keinen wahrscheinlichen Sinn -, in den Endren Driesten ‘in den jenseitigen Driesten (unfruchtbare Gebiete)’ (1547 u. später, Mund), in der Enderen Matten ‘in der jenseitigen Wiese’ (1774, Bürchen), am Endren Acher ‘am jenseitigen Acker’ (1636 u. später, Stalden), an der Endron Wuͤstin ‘am jenseitigen öden, unfruchtbaren Stück Land’ (1427 u. später, Zermatt; 1551 an der Endrun Wiestin), ts Änder Blat ‘das jenseits liegende Blatt (Felsplatten, Kollektiv), Dorfteil von Blatten ob Naters’ (Naters), aŭf den Ändern Bielen ‘auf den jenseitigen Hügeln’ (1847, Eyholz), zen Ändre Hiischinu ‘bei den jenseits gelegenen Häusern’ (Törbel; FLNK, Z’Ändre Hiischinu), t Ändru Chaschtlere ‘die jenseitigen (weiter entfernten) Gebiete beim Ort, der wie eine Burg aussieht’ (Turtmann; FLNK Ändru Chaschtlere), t Ändrun Güüfre ‘der jenseitige Teil der Güüfra (Abgrund)’ (Hohtenn), zum Änndru Hüs ‘beim jenseitig gelegenen Haus’ (Staldenried), ts Änner Chriz ‘das jenseitige / weiter weg liegende Kreuz (Wegkreuz)’ (Baltschieder), Änners Derfji ‘das jenseits gelegene kleine Dorf (Bratsch)’ (Bratsch), t Ännre Lusse ‘die jenseits gelegenen Teile der Lusse (ausgeloste Stücke Land)’ (Binn) und viele andere.

Eine falsche Abtrennung liegt wohl vor in vltra den Rendrŭm Trogŭn ‘(lat.: jenseits) der jenseitigen Tröge’ (1590, Visperterminen).

Attributive Superlative des HL sind: t Endruschtu Ägerdä ‘die weitest entfernten Stücke Brachland’ (Ergisch), ts Ennerscht Güod ‘das am weitesten entfernt liegende Gut’ (Saas-Fee), der Endrost Acher ‘der am weitesten entfernte Acker’ (1436, Ernen), ts Ändruscht Dorf ‘das am weitesten jenseits liegende Dorf’ (Varen), t Ännerscht Burg ‘die am weitesten entfernte Burg’ (Naters) und andere.

Als Bestimmungswort erscheint das HL in Anterputz ‘der jenseitige Tümpel’ (1550, Ried-Mörel’, der Ännerholzgrabo ‘der Graben zum weiter entfernten Holz (Wald)’ (Glis, zweimal). Nicht ganz sicher ist der Flurname t Änibalma (Naters), die als „grosser Fels, überhängend“ geschildert wird und die sich östlich des Geimerhoru bei der Massaschlucht befindet. Der Name wird hier zum HL ÄNDER gestellt, könnte aber auch zu schwdt. ëner ‘jener’ (Id. 1, 265) oder zum Nomen Äni ‘Grossvater oder Urgrossvater; auch Enkel’ (ID. 1, 247 f.) gestellt werden. Die Lage lässt aber eher an einen ‘jenseitigen überhängenden Felsen’ denken.

Als Präposition erscheint Ennent dem Graben ‘jenseits des Grabens’ (1688, Visperterminen). Diese Präposition kann auch sonst auftreten, ohne dass sie klarerweise zum Flurnamen gehört.

VSNB, Bd. 1, Sp. 112

Vorkommen

änder

ändern

ändre

andren

ändren

andren

ändren

andron

ändru

ändrun

andrun

ändruscht

äni

änndri

änndru

änner

ännerna

änners

ännerscht

ännre

antter

ender

enderen

enderun

endren

endrost

endrun

enndruschtu

ennen

ennend

ennerscht

rendru