Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Voder

Voder Adj. ist zu schwdt. vorder, mhd. vorder, ahd. ford(a) ro, im Wallis vorwiegend mit inlautendem r-Schwund vor Konsonanten und wdt. vooder, voordr (Saastal), vordr (Leuk) voodär oder voordär ‘vorder’ (ID. 1, 996 f.; GRICHTING 1998, 232) zu stellen. Das Adjektiv kommt vorwiegend in attributiver Stellung, häufig als Gegenstück zu Hinner ‘Hinter’ vor (z. B. t Foder Jegin vs. t Hinder Jegin ‘die vordere vs. die hintere Jegin (Jagdgebiet, Felsbänder)’ (Blatten). Das HL ist in rund 240 Orts- und Flurnamen vertreten.

Die meisten Belege sind flektierte oder unflektierte attributive Formen des Adjektivs nach einem Artikel, vor einem einfachen oder komplexen Grundwort. Hierzu einige Beispiele: t Foder Breiti ‘die vorderen (talabwärts liegenden) breiten Felder’ (Biel), t Foder Chalberlamme ‘die vorderen Runse für die Kälber’ (Oberwald), der Fooder Niggelinnggrabu ‘der vordere Graben auf der Alpe Niggeling (Familie Nicolin / Niggeli)’ (Ergisch), t Foder Stirna ‘die vordere Stirne (Gebiet, das wie eine Stirne aussieht)’ (Raron), t Forder Binna ‘der vordere (von Lax aus gesehen) Pflanzplatz’ (Lax), Vodri Bodme ‘der vordere Teil der Bodme (Böden)’ (FLNK, St. Niklaus), t Voodru Acherlini ‘die vorderen (von Randa aus gesehen) kleinen Äcker’ (Randa) und viele andere mehr.

Selten ist ein Superlativ wie in t Voderscht Blattschlüche ‘der vorderste Schlauch (Graben) unter dem Gebiet Blatt (Felsplatte)’ (Münster), t Voderscht Pmeimatta ‘die vorderste Wiese, die der Gemeinde gehört’ (Niederwald) und andere.

Nur selten tritt das HL als Bestimmungswort auf; teilweise handelt es sich einfach um alternative Schreibungen: Vordergüüdri ‘der vordere Teil des Güüdri (Haselstauden)’ (FLNK, Albinen; auch MATHIEU (2006, 27)), Vordermatt ‘die vordere Mähwiese’ (FLNK, Münster), Fordermatta ‘die vordere Wiese’ (1398, Ried-Brig) und Vordersee ‘der Vordersee (Stausee auf Märjela)’ (LT, Fieschertal).

Nur einmal ist ein adverbialer Gebrauch belegt: ts Vodruscht der Wildi ‘zu vorderst des unfruchtbaren Gebietes’ (Randa).

Unklar ist die einzige substantivierte Form von 1644 in Mörel: am Foder. Der Kontext zählt Geteilen einer Wasserfuhr auf und nennt u. a. am Foder.

VSNB, Bd. 4, Sp. 478

Vorkommen

foder

fodere

foderscht

fodren

fooder

foodri

foodru

foodrun

forder

forderen

fordren

voder

vodere

voderen

voderi

vodersch

voderscht

vodre

vodren

vodri

vodru

vodruscht

vooder

voodri

voodru

voodruscht

voorder

vorder

vordere

vordren

vordrest

vordri