Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Verweise für Hauptlemma

Clausen (FaN)

Hauptlemma

Nikolaus (PN)

Nikolaus (PN) bezieht sich auf den populären hl. Nikolaus von Myra (3./4. Jahrhundert n. Chr.), manchmal auch den hl. Bruder Niklaus von der Flüe (1417–1487). Davon abgeleitet sind in den Orts- und Flurnamen neben Nikolaus die Lemmata Clausen (FaN), Gläis (PN), Klaus (PN) (AWWB 62) und diverse weitere Formen wie Nigg, Niggis, Niggli, Niggelis und der FaN Niggeli (AWWB 184). Häufig kommt als erster Teil des Namens Sankt oder eine seiner Varianten vor (cf. HL SANT). Im Einzelfall kann nicht immer zwischen Heiligennamen, PN und FaN unterschieden werden. Das ID. verzeichnet den Namen unter den Lemmata Chlaus (3, 687), Nigg (4, 705), Niklaus (4, 717), wobei im Einzelfall neben dem PN auch deonymische Bedeutungen wie ‘Dummkopf’, ‘verschlagener Kerl’, aber auch der am 6. Dezember herumziehende Samichlaus gemeint sind. Die Namen können sich auch auf Kirchen, Kapellen oder Bildstöcke des Heiligen oder von Bruder Klaus beziehen. Prominent ist der Gemeindename St. Niklaus (Zaniglaas), benannt nach dem Kirchenpatron.

Der FaN Clausen (AAWB 62) tritt als Nutzername in Gláusigen Heiwmat ‘die Heumad der Familie Clausen’ (1757, Binn), in Claúsigen Freÿche ‘in der Freichi (Alpe) der Familie Clausen’ (1737, Binn) und in Claúsigen Senthum (1601, Binn und später) auf. Unklar ist Glausenberg (1344, Fiesch), wo vermutlich ein Berg (Alpe) eines Klaus gemeint ist.

Der FaN Gläisen (AAWB 62) ist vertreten in Gleisen-Matten (1781, Steinhaus) und Gläisuschiir ‘die Scheuer der Familie Gläisen’ (Mörel). Mit einem kollektiven /-IG/- Suffix erscheinen ts Gläisig Oggsefäud ‘das Ochsenfeld auf der Alpe der Familie Gläisen’ (Binn), ts Gläisiggand ‘das Steingeröll der Alpe der Familie Gläisen’ (Binn) und der Gläisigstau ‘der Stall auf der Alpe der Familie Gläisen’ (Binn). Einen Genitiv Singular enthält ts Gläisisch Drieschtu ‘das unfruchtbare Gebiet der Familie Gläisen’ (Mund). Vermutlich nur zum PN Gläis gehört in den Glaÿschwengen ‘in den Grasabhängen des Gläis’ (1824, Bellwald). Der PN Gläis ist vertreten in di Glaisbletscha ‘die Ebene des Klaus’ (Wiler); daneben gibt es eine Reihe von Namen mit Santiglais: im Santiglais ‘in der Gegend des Heiligen Nikolaus’ (Münster), wobei laut Gwp. ein Pfarreigut gemeint ist (auf der SK ist eine Kapelle oder ein Bildstock erkennbar; daneben steht St. Niklaus – es scheint hier also eine Namenmotivation zu geben, die auf eine Kapelle zurückgeht). Dazu sind der Ober Santiglais ‘der obere Teil des Gebietes des St. Niklaus’ und der Unner Santiglais ‘der untere Teil des Gebietes des St. Niklaus’ zu stellen. Santegläis ‘das Gebiet des St. Niklaus’ (Mühlebach) und Santigleis ‘das Gebiet des St. Niklaus’ (Binn) werden beide auf einen Bildstock des Heiligen zurückgeführt. In Oberwald gibt es den Zantigglaischeer ‘die Kehr der Strasse bei der Kapelle des St. Nikolaus’ und in Reckingen t Zantiglaisschlüecht ‘die Geländeeinbuchtung beim St. Nikolaus’, wobei die Namenmotivation hier unklar ist, ebenso wie in der Santiglaisgade ‘der Gaden beim St. Nikolaus’ (Ulrichen). In Ritzingen ist historisch (erstmals 1592, letztmals 1834) beÿm St. Niclaus erwähnt, in Geschinen 1662 St:Niclaus und in Oberwald Zantnikolaus (LT hat St. Niklaus). In diesen Fällen ist wohl mit einer Kapelle oder einem Bildstock zu rechnen, ähnlich auch beim Saniklöis in Oberems mit der Sannikloisbodu und der Sannikloiswald (bei diesem Namen wird explizit eine Statue des Heiligen erwähnt).

Weitere historische Belege nennen beÿm H. Niclaús (1754, Mund) und bei dem Heiligen Nicolai (1717, Obergesteln) – auch hier geht es um Kapellen oder Bildstöcke.

Vornamen von Personen sind gemeint in ts Brunnuniggisch Gädi ‘der Gaden des Nikolaus Brunner’ (Randa), in Niclas Gorpers Stand ‘im Stand von Nikolaus Gorper’ (1730, Lalden), Niglas Weidlin ‘die kleine Weide des Nikolaus’ (1821, Kippel), ts Niggisch Äbi ‘der Abhang des Nikolaus’ (Visperterminen), sowie eine Reihe von Niggen/Niggu mit Grundwörtern: Niggen Bÿnda ‘der Pflanzplatz des Nikolaus’ (1636, Baltschieder), in Niggen Halton ‘in der Halde des Nikolaus’ (1477, Bürchen), Niggenhansch Fach ‘das Fach des Niggen Hans’ (1836, Staldenried) (unklar, ob PN oder FaN), Niggen Thomen Scheÿr ‘die Scheuer des Nikolaus Thomas’ (1589, Saas-Balen) (unklar, ob PN oder FaN), Niggen Wingarto ‘der Weingarten des Nikolaus’ (1310, Stalden), der Niggistäg ‘der Steg der Familie Jordan, die Niggi genannt wurde’ (Zwischbergen), der Niggistei ‘der Stein des Nikolaus’ (Gluringen, unklar), t Nigguflüo ‘die Fluh der Niggi’ (Embd, wohl Übername), t Nigguhäisini ‘das Gebiet der Familie des Johannes Niggen’ (Eggerberg, unsicher) und t Niggumatte ‘die Wiesen des Nikolaus’ (Leuk). Unklar sind die Simplizia uf Nigge ‘auf Niggen’ (Bellwald) und in der Niggen ‘im Gebiet der FaN Niggen’ (1835, Fiesch), sofern in diesem Beleg tatsächlich etwas ausgelassen ist und der Niggen Genitiv Plural ist.

Der FaN Niggeli oder ähnlich ist vertreten in ts Niggelematgi ‘die kleine Wiese der Familie Niggeli’ (Fieschertal) und Nigglisbodu ‘der Boden des Nikolaus, der FaN Niggeli’ (Zwischbergen). Vermutlich eher zu Nicolin zu stellen ist ein eigentlich Namennest in Ergisch mit dem Simplex Niggelingu ‘die Alpe der Niggeli / Nicolin’ (Ergisch) mit Niggelinglicku ‘die Lücke (Fusspass) oberhalb der Niggelingalp’, ts Niggelinngtelli ‘das kleine Tal bei der Niggelingalp’, ts inner Niggelinngtelli ‘das taleinwärts liegende kleine Tal der Niggelingalp’, ts Niggelinngtagfäld ‘die Tagwiese der Niggelingalp’, t Niggelinngwänng ‘die Grasabhänge bei der Niggelingalp’, sowie die Alpstafel Niggelinngu der Mittluschtu ‘der mittlere Stafel der Niggelingalp’ und Niggelinngu der Obruschtu ‘der oberste Stafel der Niggelingalp’. Weiter kommen vor der Inner Niggelinnggrabu und der Fooder Niggelinnggrabu, zwei Gräben auf der Niggelingalpe, der eine taleinwärts, der andere talauswärts, Niggeling und Niggelinglicka sind auch im angrenzenden Unterbäch belegt. Zu Niggeli gehört wohl auch Niggolingo Schür ‘die Scheuer der Leute des Niggeli’ (1652, Raron) mit der kollektiven /-IG/-Ableitung im Genitiv Plural.

Explizit ist schliesslich der Hl. Bruder Klaus erwähnt in Brüederchlöis ‘die Kapelle des Hl. Bruder Klaus’ und Brüederchlöiswäg ‘der Weg, der zur Kapelle des Hl. Bruder Klaus führt’ (beide Ernen).

Nur historisch belegt ist an Nŭggun Matten ‘an der Wiese des Nikolaus’ (1611, Lax). Die Schreibform ist hyperkorrekt: das /i/ von Niggun wurde falsch als gerundetes /ŭ/ geschrieben, weil die gesprochene Form fälschlicherweise als entrundet angenommen wurde.

Einen Sonderfall stellt der Suwnigel ‘schmutziger Mensch’ (Naters), hier vermutlich verstanden als Gebiet, bei dessen Bearbeitung man sich beschmutzt. Das ID. (1, 150) stellt das Wort zu Igel, verweist aber auch auf Sū- Niggel ‘Schweinekerl’ (ID. 4, 105). Die in Naters vorliegende Form dürfte eher zu Niggel zu stellen sein, also zum HL NIKOLAUS gehören.

Zu den in diesem Artikel erwähnten Familiennamen Clausen, Gläisen, Niggeli, Niggeling vgl. die Artikel in AWWB (62, 184), wo weitere Formen verzeichnet sind. Vgl. auch die HLL CLAUSEN (FaN), GLÄIS (PN) und KLAUS (PN).

VSNB, Bd. 3, Sp. 300

Vorkommen

chlöis

claus

clausigen

gglais

glaas

glais

gläis

glais

glaisch

gläisig

gläisisch

gläisu

glausen

glausigen

gleis

gleisen

klausch

klöis

klois

niclas

niclaus

nicolai

nigel

nigge

niggele

niggeling

niggelinng

niggelinngu

niggen

niggi

niggigo

niggilingen

niggis

niggisch

niggligo

nigglis

niggolingo

niggu

nigilen

niglas

niklois

nikolaus

nuggun