Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Bann

Für die steilen Hänge des Oberwallis sind Bannwälder wichtig, also Wälder, die nicht gerodet werden dürfen. Bann ist auf schwdt. Bann, Bān,n m., n. ‘(obrigkeitliches, bes. gerichtliches) Gebot oder Verbot unter Strafandrohung’: Wald- und Baumbann, d. h. Verbot des Umhauens von Bäumen an best. Stellen oder zu best. Zeiten; Rebenbann, d. h. Verbot des Betretens des Weinberges zur Zeit der Traubenreife; Wild-, Jagdbann, d. h. Verbot, darin zu jagen; etc., ahd. und mhd. ban m. (ID. 4, 1270 ff.) zu stellen. GRICHTING (1998, 33) kennt nur wdt. Bawaald, Baanwaald (Lötschtal).

Neben dem Simplex im Singular Ba (3 Belege), Baan (Wiler), Ban (2 Belege) und Ban (Albinen) finden sich vor allem die Komposita Bawald ‘Bannwald’ (auch Bannwald und Bawaud) und Baholz ‘Bannholz’ (auch Banholz und Bahouz). Interessant ist der Halbbastei (Randa) ‘Halb-Bann-Stein’ – ein grösserer Fels auf halber Höhe des Bannwaldes. Als Diminutiv kommt Bannji ‘der kleine Bann’ (Grächen) vor. Unklar ist Banetzflüe (Randa) ‘Bann-Etz-Flüe’: die Etzflüe beim Bann? Die Bannschidala in Albinen muss wohl Teil des Baches Dala im Gebiet Bannschi ‘kleiner Bann’ sein. Beim historischen Beleg 1357 les bans (Raron) handelt es sich um eine französische Schreibweise von dt. Bann. Vermutlich ist auch Banshorn ‘das Horn beim Bann’ hieher zu stellen.

Nur wenige Konstruktionen enthalten jedoch das HL als Grundwort: Bodmer Ban ‘das Banngebiet im Bereich Boden (Bopme)’ (1542, Blatten), dr Gerin Baan ‘der Bann oberhalb von Griin (wo umgehauene Stämme herumliegen)’ (Blatten), der Grosse Ban ‘das grosse Banngebiet (vermutlich Wald)’ (1521, Mund), dr Loiwinban ‘der Bann (wald) oberhalb der Loibinu (Lawinenzug oder Rutschgebiet)’ (Blatten), ts Ober Ba ‘das obere Banngebiet’ (Leuk), an den Rytischban ‘an das Banngebiet der Riti (gerodetes Gebiet)’ (1532, Niederwald), Visperro Ban ‘der Bann (wohl Wald) der Leute von Visp’ (1315 u. später, Visp), im Weisban ‘im weissen Bann’ (1716, Visp) und der Wiisriedbaan ‘das Banngebiet oberhalb von Wyssried’ (Blatten, auch FLNK, LT Wyssriedbaan).

Das HL ist als Bestimmungswort zusätzlich zu den oben erwähnten Bannwald und Baholz mit folgenden HLL als Grundwörtern verbunden: Blatta, Eie, Haalta, Legi, Schluocht, Stock, Tiri und Tola.

Komplexere Konstruktionen sind etwa: di Baholzgassa, di Baholzmatta und des Baholtz Zúnn ‘der Zaun beim Bannholz (Bannwald)’ (alle Simplon, letztes nur historisch 1746 u. später; JORDAN 2006 hat neben Baholz (S. 132) auch Baholzgassa, Baholzmatta, Obri Baholzmatta, Baholzmuira (alle S. 118), Baholzwassärleita (S. 132) und Baholzschtraass (S. 131)). In Stalden hat FLNK Baholzwäg ‘der Weg, der vom / zum Bannholz (Bannwald) führt’. die Banneÿenstras ‘die Strasse von / zur Aue im Gebiet Bann’ (1663, Baltschieder). Weitere Beispiel sind etwa: im Gemeinen Banwalt ‘im Bannwald, der der Gemeinde gehört’ (1677, Ergisch), im Oberen Bannwald ‘im oberen Bannwald’ (1881, Ernen), Unnerem Bannwald ‘das Gebiet unter dem Bannwald’ (FLNK, Münster) und der Richulschmatter Bawaud ‘der Bannwald oberhalb der Richulschmatt’ (Steinhaus, FLNK Richutschmatterwaud), dessen zwei Formen auch beim Flurnamen Richulschmatt vs. Richutschmatt auf LT zu finden sind.

Wohl zum Diminutiv Bannji ‘der kleine Bannwald’ ist der Banjerwäg ‘der Weg, der am Bannj (kleiner Bann) vorbeiführt’ (St. Niklaus) zu stellen. Eine Ableitung für eine Wasserleitung auf /-ERI/ ist di Baneri ‘die Wasserleitung durch den Bann(wald)’ (Visperterminen). Unklar ist schliesslich Bannerhubel ‘der Hügel der Leute vom Banngebiet’ (FLNK, Blitzingen), wo auf keiner Karte ein Hügel und auch kein Bannwald zu sehen ist.

Nicht zu diesem HL gehören Baschwerd (1825, Gluringen) und Baschweriwald (Goppisberg, LT und FLNK; Ried-Mörel, FLNK), die beide zu den HLL BACH und WERI ‘Wehr’ zu stellen sind.

VSNB, Bd. 1, Sp. 159

Vorkommen

ba

baan (Bann)

baann

bahn (Bann)

ban

baneri

bann

banner

bannjer

bannji

bannschi

bans (Bann)

basch (Bann)