Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Aletsch

Aletsch ist ein zwar bekanntes, aber bisher nicht gedeutetes Lemma. Namengebend ist der Alpname Aletsch (Naters), auf der SK nördlich von der Zunge des Grossen Aletschgletschers auf ca. 1845 m über Meer. Inzwischen hat sich jedoch der Gletscher weit zurückgezogen. Die ältesten Belege sind 1231 Alech, um 1270 Alehc, 1320 Alehc, 1363 Aletz. Erst 1460 ist Aletsch belegt. Soweit phonetische Notationen vorliegen, ist der Name anfangsbetont. Zu vermuten ist ein romanischer Name.

Das Simplex Aletsch kommt auch in Fieschertal (FLNK) vor, meint aber dort ein hochgelegenes Felsengebiet oberhalb des Konkordiaplatzes, das wohl nicht einmal als Schafalpe benutzt wird. Als attributive Bildung mit einem Adjektiv wird das Innere Aletsch, auch Aletschji genannt, für Naters, Mörel, Bitsch und Ried-Mörel angegeben – es liegt nordwestlich des Grossen Aletschgletschers und umfasst ein grosses Alpgebiet. Das Gegenstück ist das Üsser Aletsch (auf LK Üssers Aletschi), das seinerseits in Oberaletsch und Unner Aletschji gegliedert ist (auf der SK trennt die Zunge des Oberaletschgletschers dieses Gebiet vom Inner Aletschji). Es scheint also, dass das ganze Gebiet vom Unner Aletschji bis zum Inner Aletschji ein grosses Alpgebiet war, das zu Naters gehörte. Mittelaletsch (Betten, Naters) hingegen liegt im Bereich des Mittelaletschfirns und -gletschers; es dürfte kaum als Alpe genutzt worden sein.

Die übrigen Aletsch-Namen in diesem Gebiet enthalten das Lemma als Bestimmungswort zu Bach, Biel, Biwak, Bord, Firn, Gletscher, Grat, Horn, Hütte, Joch, Matta, Tal, Wäg und Wald. Dazu kommen die Adjektive Gross (der Grosse Aletschgletscher), Alt, Mittel, Ober und Unter.

Als Ableitung ist historisch im Aletscher (Turtmann) belegt: zuerst 1675 Jm Aletzer, dann 1717 Im Aletscher. Ob es sich um den gleichen Namen handelt, ist unklar.

Die bisher vorliegenden Deutungen gehen von der falschen Annahme aus, dass das Aletschhorn Ausgangspunkt des Namens sei, so bei GATSCHET und STUDER, die im Namen die herabstürzenden Lawinen erkennen wollen (frz. avalanche, it. valanga, wdt. alenz, avalenz, eine präsentische Partizipialform vom mlat. AVALLARE, ADVALLARE, d. h. AD VALLEM VENIRE ‘ins Tal stürzen’ (GATSCHET 1867, 63; STUDER 1896, 50; BRIDEL 1866, 22 s. v. avalantzche). COOLIDGE verwirft diese Etymologie zu Recht, er stellt den Namen mit einem inzwischen erloschenen Walliser FaN Alechera, Alechere, Alethere, Aletscher, Alecher, Alacher, Alatscher und dem Lötschental in Verbindung. „Wir möchten darin einen leisen Anklang an das ‘Lötschental’ sehen, weil diese Gletscher und Alpweiden von Brig aus gesehen, als zum Lötschental zugehörig scheinen“, er gibt jedoch keine weiteren Erklärungen (COOLIDGE 1914, 73 ff.); eine Anlehnung an das Lötschtal (cf. HL LÖTSCHEN) ist kaum gegeben. Nach heutigem Stand der Forschung bleibt die Bedeutung des Namens offen (WERLEN 1991, 243).

VSNB, Bd. 1, Sp. 90

Vorkommen