Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Fasnacht

Fasnacht m. ist wohl zu schwdt. Fasnacht f., mhd. vastnaht, vas(e)naht (ID. 1, 947; ID. 4, 645 ff.) zu stellen. Was jedoch auffällt, ist das Genus Maskulin bei den zwei belegten Simplizia im Singular der Fasnacht (Fieschertal) und aŭfem Fasnacht (1824, Bellwald). C. SCHMID (1968, 218) kennt für Bellwald allerdings nur den Brauch des Fasnachtsballs und des danach stattfindenden Fastnachtstischs. Das Nomen besteht laut KLUGE / SEEBOLD (252011, 279 f.) aus dem sicheren zweiten Bestandteil Nacht, während die Herkunft des ersten Teils des Namens Fas unklar ist. GRWB (3, 1353 ff.) hat nur Fastnacht und interpretiert es als die „letzte derb ausgenossene fresszeit vor dem beginn der faste“. GRICHTING (1998) kennt das Wort nicht.

Im Beleg t Fasnachtschnitta ‘das ausgeschnittene Stück Land (Benennung nach Fasnacht ist unklar)’ (Ernen) nennt Gwp. ein Partizip <verfasnachtet> und deutet es als <verfestet>. ID. (4, 654 s. v. fasnachten) kennt nur ‘die Fasnacht begehen’ und ‘(i)n der Fasnachtszeit grössere Gesellschaften abhalten’.

Für die beiden Simplizia im Singular mit dem Genus maskulin ist eine Deutung schwierig; wir geben deswegen nur ‘der Fasnacht’ ohne weitere Erklärung.

Die übrigen Belege kennen Fasnacht nur als Bestimmungswort. Das häufigste davon ist der Fasnachtbiel ‘der Fasnachtshügel’ (Törbel) und historisch auffum Fasnachtbiel (1695, Ausserberg), im Fasnachtbiel (1774, Raron), am Fasnachtbiell (1693, Unterbäch), sowie das gleichbedeutende Fasnachthubel (FLNK, Obergesteln). In Törbel sagt Gwp. „An <fasnachten> spielte man hier den <Wilden Mann>“; der „Wilde Mann“ ist eine Art Sündenbock, der die Sünden und Untaten der Dorfeinwohner büssen muss. In Glis ist 1849 das Fasnach Feürlÿ ‘das kleine Fasnachtfeuer’ belegt; offenbar wurde hier das Fasnachtfeuer entzündet. 1659 ist in Glis Fasnacht Drähen (unklar) belegt. Fassnachtgassen ‘die Fasnachtsgasse’ (1685, Oberems) und t Fasnachtschnitta ‘das ausgeschnittene Stück Land für die Fasnacht’ (Ernen) sind die weiteren Belege.

Bei Biel, Hubel und Fiir (Feuer) sind Orte gemeint, wo das Fasnachtfeuer (ID. 1, 947 s. v. Fasnachtfür) brannte oder wo ein Fasnachtsspiel stattfand. ortsnamen.ch belegt mehrere Fasnacht im Kanton Zürich als „Kulturland“; das könnte auch für die Fasnachtschnitta gelten. Die in Oberems erwähnte Fassnachtgassen diente wohl einem Fasnachtsbrauch, der nicht näher beschrieben ist. Zum Thema vgl. S. CHAPPAZ-WIRTHNER (1995).

VSNB, Bd. 2, Sp. 128

Vorkommen

fasnacht

fassnachts