Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Hüet

Hüet f., im Lötschental auch Huet, ist zu schwdt. Huet f. wie nhd. ‘Obhut’, ‘Hüterdienst eines Hirten’ (ID. 2, 1793) oder als Ableitung zu Verb hüeten ‘hüten’ (ID. 2, 1794) zu stellen; das bei GRICHTING (1998. 110) als Hüöt für die Rarner Schattenberge belegte Wort ‘Herde’ spielt kaum eine Rolle. Im Einzelfall kann die Deutung sich ändern: von einer Gruppe von Tieren über die Wildhut zur Wacht (z. B. über die Reben). Bei den Bestimmungswörtern lässt sich nicht immer klar abgrenzen, ob Huet m. ‘Kopfbedeckung’ oder Huet f. ‘Hut (des Viehs)’ gemeint ist.

Der Diminutiv Huäti n. ‘der kleine Hüteplatz’ (Wiler) ist der einzige Simplex-Beleg. Als Bestimmungswort ist hierzu Huätitschuggen ‘der Fels beim kleinen Hüteplatz’ (Wiler) belegt.

Hüet ist als Grundwort nur einmal in t Twiderhüet ‘die Hut für die Widder’ (Binn) belegt.

Als Bestimmungswort kommt Hüet vor mit den Grundwörtern Acher und Biel. Mehrfach belegt ist der Typ Huothüüs ‘Huthaus’ (1709, Ausserberg; 1549 u. später, Leuk; 1568 u. später, Salgesch). Dazu führt GRWB (10, 1990) s. v. Huthaus ‘Haus für die Wache’, bairisch auch ‘Wohnhäuschen, das die Gemeinde ihrem Hirten überlässt’ aus. In unserem Kontext könnte das Haus auch den Flurhütern überlassen worden sein, doch gibt es dafür keine Zeugnisse. Der vorangestellte starke Genitiv Huedsmat ‘die Mähwiese beim Gebiet, wo Vieh gehütet wurde’ (1786, Naters) ist singulär; ob die Deutung stimmt, ist nicht klar.

Die Form Huätu ‘das Gebiet, wo das Vieh gehütet wurde’ ist so in ID. nicht belegt, entspricht aber wohl dem ahd. huota (GRAFF 4, 803); sie kommt als Bestimmungswort in mehreren Komposita in Blatten vor: Huetufluä ‘die Fluh beim Gebiet, wo das Vieh gehütet wurde’ (mehrfach), Huätuschluächt ‘die Geländeeinbuchtung beim Gebiet, wo das Vieh gehütet wurde’, Huätufluäschiir ‘die Scheuer bei der Huetufluä’.

Eine /-ER/-Ableitung Hüeter ‘Hirt, Hüter’ (ID. 2, 1797) meint appellativisch den Flurhüter, den Rebhüter oder den Wildhüter, kann aber auch als Familienname verstanden werden (cf. HL HÜETER (FAN)). Ein ganzes Namennest bildet sich um das Hüeterhüsi ‘das kleine Haus des Hüters’ (Visperterminen) mit den Namen Hüetertschuggu ‘der Felsblock beim Hüeterhüsi’ (Visp), Hüetertschugguschleif ‘der Schleif vom Hüetertschuggu herunter’ (Visp), Hüetertschuggerschleif ‘der Schleif vom Hüetertschuggu herunter’ (Eyholz). Gemeint ist hier das Häuschen, das der Hüeter (Aufseher über die Wasserleitung) bewohnte (vgl. hierzu die Schilderung von F. G. STEBLER (1901, 40 ff.) zum Hioterhüsi ‘das kleine Haus des Hüters’ in Visperterminen).

Bei dem von Hüet abgeleiteten Namen Hüeter m. ‘Hirt, Rebhüter’ (ID. 2, 1797) kann nicht immer klar vom FaN Hutter urkundlich auch Huter, Huoter, Huters, Huoters, Hütters unterschieden werden (AWWB 127). Daneben kommen vor die Grundwörter Hubil ‘der Hügel, von dem aus die (Flur-)Hüter Wache hielten’ (Leuk, Salgesch), Egga und Stei.

Eine komplexe, verhochdeutschte Form ist belegt als Wildhüterhütte ‘die Hütte für die Wildhüter’ (Ferden).

VSNB, Bd. 2, Sp. 515

Vorkommen

hieter

huäti

huätu

hueds

hüet (Hüet)

hüeter

hüett

huetu

hüod

hüot (Hüet)

huot (Hüet)

huott

hut