Événement climatique
Détail
ID: 224
Date: 1898-06-17
Texte de la source:
Hochwasser der Drance durch den Ausbruch des Sees am Crête-Sèche-Gletscher. Gewaltiges Anschwellen der Drance. Zerstörung von Brücken, Strassen und Wuhre an vielen Stellen. Beim Dorf Lourtier verlies der Bach sein Bett und grub sich ein neues, dicht vor den Häusern, von denen zwei abgebrochen werden mussten.
In: Bundesblatt der schweizerischen Eidgenossenschaft. Jahrgang 1899. Bd. 1. Bern, 1899. S. 546.
(Q: Lütschg Otto, Über Niederschlag und Abfluss im Hochgebirge. Sonderdarstellung des Mattmarkgebietes. Ein Beitrag zur Fluss- und Gletscherkunde der Schweiz. Zürich 1926.)
***
(S. 446): "Mais le 17 juin 1898, vers 3 1/2 heures du matin, une nouvelle débacle, beaucoup plus sérieuse que celle de 1894, se produisait, emportant de nombreux ponts en bois et causant de grands dommages aux cultures et aux travaux de défense qui avaient été exécutés ä la Drance apès la débâcle de 1894. - Le niveau de cette rivière était ce jours-là de 0.20 m, plus bas que le 28 juin 1894; il monta rapidement de 1.60, surpassant le niveau atteint en 1894 de 0.30 m.
Pour surcroît de malheur, les pluies persistantes survenues vers le 20 juin provoquèrent de nouvelles crues de la rivière, aggravent considérablement les érosions commencées par la débâcle du 17."
In: Rod E., Bericht 1898 an das Eidgen. Oberbauinsepktorat, Bern.
(Q: Lütschg Otto, Über Niederschlag und Abfluss im Hochgebirge. Sonderdarstellung des Mattmarkgebietes. Ein Beitrag zur Fluss- und Gletscherkunde der Schweiz. Zürich 1926.)
***
[]: «Le Département des Travaux Publics, à la suite des dévastations causées dans la vallée de Bagnes par la crue subite de la Drance provoquée par la débâcle du lac de Crête-Sèche, a fait procéder d'urgence à des travaux de protection dans le secteur. Il invite les communes intéressées à assister à une conférence qui aura lieu à Martigny le 21 courant dans ce but et fixer la répartition des frais entre les différentes communes. Chef du Département : Zen Ruffinen.
Annexes : 2 situations des travaux au 31 décembre 1899 et au 15 octobre 1901».
(Q: AEV, AC Vollèges, P 727)
***
(S. 446): "Der Hintergrund des Bagnesthales ist bekanntlich von mehreren grossen Gletschern fast ganz ausgefüllt. Auf den grössten von diesen, den Glacier d'Otemma, stösst nahezu rechtwinklig der kleine Eisstrom des Glacier de Crëte-Sèche; die hohe Moräne auf dem linken Ufer des Otemma-Gletschers versperrt also den Wassern, die aus dem Seitengletscher abfliessen wollen, den Weg, den sie in Kanälen unter dem Eise suchen müssen. Nun kommt es vor, dass im Winter sich diese Kanäle durch eindringenden Schnee verstopfen, im Frühling entsteht / dann in der Mulde hinter der Otemma-Moräne ein See und es kann bei plätzlichem Ausbrechen desselben eine ähnliche Gefahr eintreten, wie die vom Giétrozgletscher drohende. So brach am 28. Juni 1894 die ganze Wassermasse auf einmal durch, strämte in 5 Stunden vom Ursprung bis nach Martigny hinunter, riss unterwegs 17 Brücken fort und brach beinahe durch die Dämme in der Ebene. Verluste an Leben oder Gebäulichkeiten waren nicht zu beklagen, immerhin musste man sich auf eine Wiederkehr des Ereignisses und Schlimmeres gefasst machen, da die 'Poche', wie die Hirten von Chermontane die Stelle im Crête-Söchegletscher nennen, sich jedes Frühjahr mit Wasser füllte, das zwar gewöhnlich allmählich ablief. Im Jahre 1897 wurden Versuche gemacht, der Sache abzuhelfen. Von der Moräne wurden grosse Steine auf den Boden der 'Poche' gewälzt, in der Meinung, das Wasser würde zwischen denselben regelmässigeren Abfluss finden und sich nicht so aufstauen. Aber, sei es, dass die Berechnung falsch oder die Arbeit nicht genügend ausgeführt war, das Gegenteil des Beabsichtigten traf ein. Der See wurde nach den schweren Schneefällen im Anfang des Jahres 1898 grösser als je, und am 17. Juni brach er durch. Die gewaltige Wassermasse riss natürlich auch Stücke der Moräne, die von ihr gesprengt wurde, mit fort, fand unterwegs noch eine Vermehrung im Lawinenkegel des Giétrozgletschers, der noch die Dranse überlagerte und dessen Fuss nun mit fortgerissen wurde. Eisblöcke, die offenbar von da stammten, waren an jenem Sonntag noch oberhalb Fionnay zu sehen. Das Wasser stieg stellenweise 3 - 4 Meter über den gewöhnlichen Stand der Dranse und es ist begreiflich, dass von Chermontane bis Martigny keiner der hölzernen Stege, die über die Dranse führen, dem Druck widerstand. Die steinerne Brücke von Chables wurde in ihren Widerlagern unterspült und war dadruch eine Zeit lang gefährdet. Gebäude wurden an verschiedenen Orten weggerissen oder stürzten nachträglich ein, weil das Terrain, auf dem sie standen, unterspült war. In Lourtier, Champsec und Chables wurden Grundstücke, die nahe am Wasser lagen, mit Schlamm und Geröll überführt und sehr grosser Schaden wurde an der Thalstrasse gethan. Menschenleben waren keine zu beklagen und von Verlusten an Tieren habe ich fast nichts gehört. Ein Teil des Schadens an der Strasse entstand erst nachträglich, indem grosse, unterwaschene Strecken einige Tage später nach einem starken Regen abbröckelten und in den Fluss fielen. Noch 14 Tage nach dem Ereignis war die Fahrstrasse, die sonst bis Lourtier geht, nicht überall fahrbar oder provisorisch verlegt. Ein Nachspiel war es, dass bei dem erwähnten Gewitterregen auch der Durnandbach austrat und zwischen Sembrancher und Martigny sogar die steinerne Brücke mit fortriss, aber mit dem Austrtt des Gletschersees hat dieses Ereignis natürlich keinen ursächlichen Zusammenhang. Das Ereignis war in der Hauptsache rasch vorüber. In Fionnay z.B. begann die Überschwemmung morgens gegen 5 Uhr. Die Leute in den am linken Ufer gelegenen Hütten wurden meist im Schlafe überrascht und beeilten sich, ihre Habseligkeiten aus den Hütten zu retten und auf die höher gelegeneen Wiesen zu tragen. Aber um 7 Uhr schien die Gefahr soweit beseitigt, dass sie wieder einräumten, um dann das Thal hinunter nach Chables zur Messe zu gehen, was sie auch an diesem Tage nicht versäumten.
Auf der rechten Seite, wo die Hotels etwas erhät stehen, trat die Dranse auch über die Ufer und riss ein grosses Stück der Strasse fort, aber die Sache geschah so wenig auffällig, dass die Gäste und Bewohner der Hotels, die allerdings nicht sehr zahlreich waren, von dem Ereignis erst erfuhren, als es grösstenteils vorbei war."
In: Dübi H., Die Ueberschwemmungen im Val de Bagnes. Schweizer-Tourist. Nr. 4. August 1898, Bern. S. 57/58.
(Q: Lütschg Otto, Über Niederschlag und Abfluss im Hochgebirge. Sonderdarstellung des Mattmarkgebietes. Ein Beitrag zur Fluss- und Gletscherkunde der Schweiz. Zürich 1926.)
Index des lieux: Drance; Crête-Sèche; Lourtier
Index matières: Überschwemmung, Gletscherseeausbruch
Saison: Été
Catégorie:
Catastrophe naturelle ⇒ Inondation
Noms de lieux (Commune):
Bagnes (Bagnes) Coordonnées: 583310/583310
Glacier de Crête Sèche (Bagnes) Coordonnées: 595496/595496
Champsec (Bagnes) Coordonnées: 584934/584934
Lourtier (Bagnes) Coordonnées: 586605/586605
La Dranse (Martigny) Coordonnées: 571397/571397
Le Châble (Bagnes) Coordonnées: 582521/582521
Sources:id: [2846] Ueber Niederschlag und Abfluss im Hochgebirge
id: [2847] Ueber Niederschlag und Abfluss im Hochgebirge
id: [3974] Le Département des Travaux Publics, à la suite des dévastations
id: [2848] Ueber Niederschlag und Abfluss im Hochgebirge
id: [8302] Walliser Bote
id: [8303] Walliser Bote
id: [8313]
id: [9418] Le Confédéré
id: [9422] Le Confédéré
id: [9550] Le Confédéré
Date: 1898-06-17
Texte de la source:
Hochwasser der Drance durch den Ausbruch des Sees am Crête-Sèche-Gletscher. Gewaltiges Anschwellen der Drance. Zerstörung von Brücken, Strassen und Wuhre an vielen Stellen. Beim Dorf Lourtier verlies der Bach sein Bett und grub sich ein neues, dicht vor den Häusern, von denen zwei abgebrochen werden mussten.
Originaux:
(S. 446): "Hochwasser der Drance durch den Ausbruch des Sees am Crête-Sèche-Gletscher. Gewaltiges Anschwellen der Drance. Zerstörung von Brücken, Strassen und Wuhre an vielen Stellen. Beim Dorf Lourtier verlies der Bach sein Bett und grub sich ein neues, dicht vor den Häusern, von denen zwei abgebrochen werden mussten. - Ein wenige Tage nachher eingetretener Regen (20. Juni) brachte ein zweites Hochwasser, das den Schrecken noch vermehrte und die Verbindung zwischen Châble und Fionnay ganz unterbrach."In: Bundesblatt der schweizerischen Eidgenossenschaft. Jahrgang 1899. Bd. 1. Bern, 1899. S. 546.
(Q: Lütschg Otto, Über Niederschlag und Abfluss im Hochgebirge. Sonderdarstellung des Mattmarkgebietes. Ein Beitrag zur Fluss- und Gletscherkunde der Schweiz. Zürich 1926.)
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(S. 446): "Mais le 17 juin 1898, vers 3 1/2 heures du matin, une nouvelle débacle, beaucoup plus sérieuse que celle de 1894, se produisait, emportant de nombreux ponts en bois et causant de grands dommages aux cultures et aux travaux de défense qui avaient été exécutés ä la Drance apès la débâcle de 1894. - Le niveau de cette rivière était ce jours-là de 0.20 m, plus bas que le 28 juin 1894; il monta rapidement de 1.60, surpassant le niveau atteint en 1894 de 0.30 m.
Pour surcroît de malheur, les pluies persistantes survenues vers le 20 juin provoquèrent de nouvelles crues de la rivière, aggravent considérablement les érosions commencées par la débâcle du 17."
In: Rod E., Bericht 1898 an das Eidgen. Oberbauinsepktorat, Bern.
(Q: Lütschg Otto, Über Niederschlag und Abfluss im Hochgebirge. Sonderdarstellung des Mattmarkgebietes. Ein Beitrag zur Fluss- und Gletscherkunde der Schweiz. Zürich 1926.)
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[]: «Le Département des Travaux Publics, à la suite des dévastations causées dans la vallée de Bagnes par la crue subite de la Drance provoquée par la débâcle du lac de Crête-Sèche, a fait procéder d'urgence à des travaux de protection dans le secteur. Il invite les communes intéressées à assister à une conférence qui aura lieu à Martigny le 21 courant dans ce but et fixer la répartition des frais entre les différentes communes. Chef du Département : Zen Ruffinen.
Annexes : 2 situations des travaux au 31 décembre 1899 et au 15 octobre 1901».
(Q: AEV, AC Vollèges, P 727)
***
(S. 446): "Der Hintergrund des Bagnesthales ist bekanntlich von mehreren grossen Gletschern fast ganz ausgefüllt. Auf den grössten von diesen, den Glacier d'Otemma, stösst nahezu rechtwinklig der kleine Eisstrom des Glacier de Crëte-Sèche; die hohe Moräne auf dem linken Ufer des Otemma-Gletschers versperrt also den Wassern, die aus dem Seitengletscher abfliessen wollen, den Weg, den sie in Kanälen unter dem Eise suchen müssen. Nun kommt es vor, dass im Winter sich diese Kanäle durch eindringenden Schnee verstopfen, im Frühling entsteht / dann in der Mulde hinter der Otemma-Moräne ein See und es kann bei plätzlichem Ausbrechen desselben eine ähnliche Gefahr eintreten, wie die vom Giétrozgletscher drohende. So brach am 28. Juni 1894 die ganze Wassermasse auf einmal durch, strämte in 5 Stunden vom Ursprung bis nach Martigny hinunter, riss unterwegs 17 Brücken fort und brach beinahe durch die Dämme in der Ebene. Verluste an Leben oder Gebäulichkeiten waren nicht zu beklagen, immerhin musste man sich auf eine Wiederkehr des Ereignisses und Schlimmeres gefasst machen, da die 'Poche', wie die Hirten von Chermontane die Stelle im Crête-Söchegletscher nennen, sich jedes Frühjahr mit Wasser füllte, das zwar gewöhnlich allmählich ablief. Im Jahre 1897 wurden Versuche gemacht, der Sache abzuhelfen. Von der Moräne wurden grosse Steine auf den Boden der 'Poche' gewälzt, in der Meinung, das Wasser würde zwischen denselben regelmässigeren Abfluss finden und sich nicht so aufstauen. Aber, sei es, dass die Berechnung falsch oder die Arbeit nicht genügend ausgeführt war, das Gegenteil des Beabsichtigten traf ein. Der See wurde nach den schweren Schneefällen im Anfang des Jahres 1898 grösser als je, und am 17. Juni brach er durch. Die gewaltige Wassermasse riss natürlich auch Stücke der Moräne, die von ihr gesprengt wurde, mit fort, fand unterwegs noch eine Vermehrung im Lawinenkegel des Giétrozgletschers, der noch die Dranse überlagerte und dessen Fuss nun mit fortgerissen wurde. Eisblöcke, die offenbar von da stammten, waren an jenem Sonntag noch oberhalb Fionnay zu sehen. Das Wasser stieg stellenweise 3 - 4 Meter über den gewöhnlichen Stand der Dranse und es ist begreiflich, dass von Chermontane bis Martigny keiner der hölzernen Stege, die über die Dranse führen, dem Druck widerstand. Die steinerne Brücke von Chables wurde in ihren Widerlagern unterspült und war dadruch eine Zeit lang gefährdet. Gebäude wurden an verschiedenen Orten weggerissen oder stürzten nachträglich ein, weil das Terrain, auf dem sie standen, unterspült war. In Lourtier, Champsec und Chables wurden Grundstücke, die nahe am Wasser lagen, mit Schlamm und Geröll überführt und sehr grosser Schaden wurde an der Thalstrasse gethan. Menschenleben waren keine zu beklagen und von Verlusten an Tieren habe ich fast nichts gehört. Ein Teil des Schadens an der Strasse entstand erst nachträglich, indem grosse, unterwaschene Strecken einige Tage später nach einem starken Regen abbröckelten und in den Fluss fielen. Noch 14 Tage nach dem Ereignis war die Fahrstrasse, die sonst bis Lourtier geht, nicht überall fahrbar oder provisorisch verlegt. Ein Nachspiel war es, dass bei dem erwähnten Gewitterregen auch der Durnandbach austrat und zwischen Sembrancher und Martigny sogar die steinerne Brücke mit fortriss, aber mit dem Austrtt des Gletschersees hat dieses Ereignis natürlich keinen ursächlichen Zusammenhang. Das Ereignis war in der Hauptsache rasch vorüber. In Fionnay z.B. begann die Überschwemmung morgens gegen 5 Uhr. Die Leute in den am linken Ufer gelegenen Hütten wurden meist im Schlafe überrascht und beeilten sich, ihre Habseligkeiten aus den Hütten zu retten und auf die höher gelegeneen Wiesen zu tragen. Aber um 7 Uhr schien die Gefahr soweit beseitigt, dass sie wieder einräumten, um dann das Thal hinunter nach Chables zur Messe zu gehen, was sie auch an diesem Tage nicht versäumten.
Auf der rechten Seite, wo die Hotels etwas erhät stehen, trat die Dranse auch über die Ufer und riss ein grosses Stück der Strasse fort, aber die Sache geschah so wenig auffällig, dass die Gäste und Bewohner der Hotels, die allerdings nicht sehr zahlreich waren, von dem Ereignis erst erfuhren, als es grösstenteils vorbei war."
In: Dübi H., Die Ueberschwemmungen im Val de Bagnes. Schweizer-Tourist. Nr. 4. August 1898, Bern. S. 57/58.
(Q: Lütschg Otto, Über Niederschlag und Abfluss im Hochgebirge. Sonderdarstellung des Mattmarkgebietes. Ein Beitrag zur Fluss- und Gletscherkunde der Schweiz. Zürich 1926.)
Index matières: Überschwemmung, Gletscherseeausbruch
Saison: Été
Catégorie:
Catastrophe naturelle ⇒ Inondation
Noms de lieux (Commune):
Bagnes (Bagnes) Coordonnées: 583310/583310
Glacier de Crête Sèche (Bagnes) Coordonnées: 595496/595496
Champsec (Bagnes) Coordonnées: 584934/584934
Lourtier (Bagnes) Coordonnées: 586605/586605
La Dranse (Martigny) Coordonnées: 571397/571397
Le Châble (Bagnes) Coordonnées: 582521/582521
Sources:id: [2846] Ueber Niederschlag und Abfluss im Hochgebirge
id: [2847] Ueber Niederschlag und Abfluss im Hochgebirge
id: [3974] Le Département des Travaux Publics, à la suite des dévastations
id: [2848] Ueber Niederschlag und Abfluss im Hochgebirge
id: [8302] Walliser Bote
id: [8303] Walliser Bote
id: [8313]
id: [9418] Le Confédéré
id: [9422] Le Confédéré
id: [9550] Le Confédéré